Noch ne Koffergeschichte Große Klappe, dennoch diskret

Leserin Brigitte Huber (re.) mit Patentante, fotografiert vom „Koffer“. Foto: privat/Huber

Unser Kolumnist will eigentlich nur etwas klarstellen und landet in der Abteilung „Opa KNITZ erzählt vom Krieg“.

Vergangene Woche hat KNITZ die Erlebnisse einer Berlinreise von seinem Reisekoffer erzählen lassen. Der hat dankbar die Gelegenheit ergriffen und vollmundig behauptet: „Womöglich bin ich der erste Koffer, dem das Rederecht erteilt wird.“

 

Das stimmt natürlich so ganz nicht. So taucht in der Kinderfernsehserie „Siebenstein“ ein sprechender Koffer auf, der aber im Unterschied zu dem von KNITZ ein unangenehmer Besserwisser ist.

Erste Artikel auf der Kofferschreibmaschine

Aber auch im echten Leben scheint es Koffer zu geben, die zu Lautäußerungen fähig sind. Leserin Brigitte Huber erinnerte KNITZ daran, dass es in den vierziger bis sechziger Jahren in Bernhausen einen Fotografen gegeben habe, der den Spitznamen Koffer trug. „Er hieß eigentlich Trautwein, aber da er viel verreiste und das auch ein bissle zur Schau trug, sagten alle anderen ‚Koffer‘, wenn sie von ihm sprachen.“

Zum Beweis ließ Frau Huber KNITZ ein Foto zukommen, das wohl 1961 entstand ist. Es zeigt sie und ihre Patentante, im Schwäbischen auch als Dode bekannt, fotografiert vom Meister Koffer.

Bei der Gelegenheit sollte KNITZ vielleicht nicht unerwähnt lassen, dass er seine ersten Zeitungsartikel auf einer Kofferschreibmaschine der Marke Olympia getippt hat. KNITZ schrieb langsam, aber mit Wucht, sodass das Manuskriptpapier hinterher perforiert war wie ein Briefmarkenbogen. In jenen Jahren muss der Begriff Schreibkraft entstanden sein.

Die Zeit war dennoch schon recht fortschrittlich. Das Manuskript musste nicht per Brieftaube in die Redaktion befördert werden. Der Text wurde am Telefon übermittelt, was keine schlechte Übung war. Beim Vorlesen merkte man, wo es holperte – und konnte Korrekturen anbringen, was die abtippenden Menschen am anderen Ende der Leitung natürlich riesig freute.

Klingt wie Alpenüberquerung mit Elefanten

Als KNITZ einer jungen Kollegin beim Kaffeetrinken von dieser Form der Datenübermittlung erzählte, schaute die amüsiert bis ungläubig drein, als sei ihr zu Ohren gekommen, dass KNITZ beim Italienurlaub die Alpen mit Elefanten überquert habe.

Keine Ahnung wie KNITZ von den Elefanten die Kurve zurück zum Koffer bekommt. Vielleicht, indem er noch mal die Ausmaße des Gepäckstücks unterstreicht. Folglich hat der Koffer zwei große Klappen – und kann dennoch schweigen. Denn eine Begebenheit des Berlinausflugs behielt er für sich.

Auf der Rückreise nach Stuttgart gab es nämlich Zoff im Zug. Der Auslöser war, dass eine Dame, die in der Hauptstadt auf einer als „Friedensdemonstration“ bezeichneten Veranstaltung war, ihrem Sitznachbarn lautstark ihr – vorsichtig ausgedrückt – eigenwilliges Weltbild darlegte.

Einem Herrn in Hörweite war das irgendwann zu viel, sodass er um Ruhe bat, was in dem Ausruf gipfelte, sie möge ihre Verschwörungstheorien doch auf Telegram ausbreiten, aber nicht hier im Zug. Woraufhin ein anderer Herr protestierend darauf hinwies, dass man in der Demokratie auch andere Meinungen ertragen müsse.

Das findet KNITZ grundsätzlich auch. Aber er fühlte auch mit dem Mann, der nicht auf Durchzug schalten konnte.

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