Philipp, Gerhard und Arnold Nölly haben viele gemeinsame Interessen. Foto: Stefanie Schlecht
Philipp, Arnold und Gerhard Nölly aus Herrenberg sind Drillinge. Die 38-Jährigen erzählen, wie sie aufgewachsen sind und welche Vor- und Nachteile ihr Drillingsdasein hat.
Ihr 90. Geburtstag liegt schon lange zurück. Vor acht Jahren sind die Nölly-Drillinge zusammen drei Mal 30 geworden und haben ihn, na klar, als Neunzigsten gefeiert. Zur Motto-Party kamen ihre Gäste als Omas und Opas verkleidet.
Dass ihre Geburtstage auf ein und denselben Tag fallen, das hat die Brüder eigentlich nie gestört, denn sie hatten ohnehin dieselben Freunde und ihre Mutter buk immer jedem Bub seinen eigenen Kuchen. Schlimmer haben die Drillinge in Erinnerung, als einmal an Weihnachten zwei coole Fischerboote und ein ödes Flugzeug unterm Baum lagen. „Ich hab damals gesagt: ,Dummes Christkindchen, warum weiß es nicht, dass wir Drillinge sind?‘“, erinnert sich Philipp Nölly.
Arnold Nölly ist Sommelier und baut seinen eigenen Wein an. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer
„Wir waren eine Sensation. Man ist immer aufgefallen.“
Arnold Nölly, Sommelier und einer der Herrenberger Drillinge
Auch wenn das Christkind damals offenbar nicht gut informiert war – rund herum in Herrenberg waren die Drillingsbrüder wohlbekannt. Nach ihrer Geburt 1987 gratulierte der damalige Bürgermeister Volker Gantner den Eltern zu ihrem „Dreiergespann“, verbunden mit dem Wunsch, dass aus ihnen „so richtig stramme Mannsbilder“ werden. „Wir waren eine Sensation“, sagt Arnold Nölly. Auch später noch seien sie als „die Nöllys“ bekannt gewesen wie ein bunter Hund. „Man ist immer aufgefallen.“ Ein Stück weit habe das wohl auch am öffentlichen Beruf ihrer Eltern gelegen: Die führten seit 1985 den Gasthof Hasen mit Hotel und Restaurant.
Drillinge in der Schule: Die Hausaufgaben werden brüderlich aufgeteilt
Zusammen mit ihrer nur 15 Monate älteren Schwester wuchsen die Kinder über der Gaststube auf und waren daran gewöhnt, um 17 Uhr ins Bett zu gehen, damit die Eltern abends die Gäste bewirten konnten. Das ging so lange gut, bis ihnen die Oma in den Ferien beibrachte, die Uhr zu lesen. Manchmal brachte auch ihre Nachbarin, die Tante Hella, die drei ins Bett. Dann machten sie sich einen Spaß daraus, sie zu verwirren, indem sie die gute Frau von Zimmer zu Zimmer schickten und behaupteten: „Mit mir hast du noch nicht gebetet.“ Arnold Nölly grinst und sagt: „Wir haben versucht, das Zubettgehen zu verzögern.“
Auch in der Schule haben die Brüder ab und an versucht, von ihrem Drillingsdasein zu profitieren. Zum Beispiel, wenn sie für den Sachunterricht über mehrere Wochen eine Amsel beobachten sollten, um ein Vogeltagebuch zu führen. Da wechselten sie sich natürlich ab. Auch Hausaufgaben teilten sie manchmal untereinander auf und schrieben voneinander ab.
Das ging aber nur bis zur sechsten Klasse, ab dann gingen sie in unterschiedliche Klassen. Brach es dem Trio das Herz, voneinander getrennt zu werden? „Das war das Beste, was uns passieren konnte“, sagt Gerhard Nölly. Von da an habe sich jeder frei entwickeln können. Davor seien sie stets in eine Schublade gesteckt worden und hätten zum Beispiel immer dieselben Noten bekommen. „Wir wurden als Individuum wahrgenommen“, sagt Arnold Nölly. Auch sein Bruder Philipp ist froh, zu mehr Selbstständigkeit gezwungen gewesen zu sein. Zuvor habe er sich immer auf seine Brüder verlassen können – irgendeiner hatte bestimmt die Hausaufgaben. „Dann mussten wir alle auf eigenen Füßen stehen. Das hat uns geholfen.“
Zwei in der Gastronomie, ein Drilling macht sein eigenes Ding
Besonders an dem Dreiergespann ist, dass Arnold und Gerhard eineiige Zwillinge sind. Philipp sieht anders aus, ist größer und Linkshänder. War das schwierig für ihn? Er schüttelt den Kopf. „Ich war vielleicht sogar froh drum, dass ich bissle anders bin“, sagt er. Auch heute, im Berufsleben, fällt der älteste der Drillinge aus der Reihe. Während seine Zwillings-Drillingsbrüder zusammen mit der Schwester den Gasthof Hasen führen, arbeitet Philipp Nölly auf den Fildern als Ingenieur. Auch das findet er völlig in Ordnung. „Die beiden leben voll ihre Leidenschaft aus“, sagt er über seine Gastronomenbrüder, er selbst liebe die Technik.
Unterm Strich: Wie ist es, Drilling zu sein? „Obercool“, sagt Gerhard Nölly, und die anderen nicken. Besonders als Kinder sei es toll gewesen, weil sie immer Spielkameraden gehabt hätten. „Gestritten haben wir uns nie großartig“, sagt Philipp Nölly, auch Konkurrenz habe keine große Rolle gespielt. Sie hätten ähnliche Interessen gehabt: als Kinder Ritter, als Jugendliche Handball, als Erwachsene Motorräder.
Schwester von Drillingen: „Gelernt mich durchzusetzen“
Auch in der Liebe seien sie sich nicht in die Quere gekommen, sie hätten nie für dasselbe Mädchen geschwärmt, „zumindest nicht wissentlich“, sagt Arnold Nölly.
Und die Schwester? Wie übersteht man es, mit Drillingsbrüdern aufzuwachsen? „Ich war es ja nicht anders gewöhnt“, sagt Margrit Nölly. Von ihrer Mutter weiß sie, dass sie als Kind, wenn sie einen anderen Kinderwagen sah, fragte, wo denn die anderen Babys seien. Sie habe durch ihre drei Brüder gelernt, sich durchzusetzen. „Es war schnell klar, dass das mit Kraft nicht geht“, sagt sie lachend.
Enttäuscht sei sie nur gewesen, dass beim Tanzkurs keiner ihrer Brüder mit ihr tanzen wollte.
Ein Drilling kommt selten allein
Gasthaus Hasen Die Eltern der Drillinge haben das Traditionshaus aus dem 16. Jahrhundert 1985 übernommen und zu einem Gasthaus mit Hotel und Tagungsräumen ausgebaut. Alle Geschwister gingen nach der Schule zunächst eigene Wege, haben unterschiedliche Berufe gelernt und in anderen Betrieben gearbeitet. 2015 sind drei der „jungen Hasen“, wie sich das Geschwister-Kleeblatt nennt, in den elterlichen Betrieb zurückgekehrt. Seit 2019 haben Margrit, Arnold und Gerhard Nölly offiziell die Geschäftsleitung inne. Margrit Nölly leitet die Rezeption, Arnold Nölly ist Sommelier und kümmert sich im Betrieb um Daten, Zahlen und Fakten, Gerhard Nölly ist der Küchenchef.
Presse In der lokalen Presse wurde immer wieder über die Nölly-Brüder berichtet. „Drillinge mit 6510 Gramm – Drei gesunde Jungs und glückliche Mutter aus Herrenberg“ titelte eine Zeitung nach ihrer Geburt. Als es in den Kindergarten ging, wurde den Lesern geschildert, wie der kleine Philipp am ersten Tag gleich wieder ausbüxte und zurück in den Hasen lief. Später zur Einschulung titelte die Presse: „Drei Schultüten und jede Menge Wünsche“.