Norah Jones: Pick me up off the Floor Lieder aus dem Leben eines Stehaufmädchens

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In Jazz, Soul und Blues getunkte Popsongs über Niederlagen und Neuanfänge, das Leben und die Liebe: Was taugt Norah Jones’ neues Album „Pick me up off the Floor“?

Die gefallene Disco-Queen? Von Wegen! Norah Jones beschert uns auf „Pick me up off the Floor“ hochwertigen bluesigen Jazzpop. Foto: Blue Note/Diane Russo
Die gefallene Disco-Queen? Von Wegen! Norah Jones beschert uns auf „Pick me up off the Floor“ hochwertigen bluesigen Jazzpop. Foto: Blue Note/Diane Russo

Stuttgart - Sie singt von einsamen und gebrochenen Herzen, vom Stolpern, Zusammenbrechen und Wiederaufstehen, davon, niemals aufzugeben und sich seinen Platz im Leben zu suchen. Nach reichlich Lebenserfahrung klingen die Songs auf Norah Jones neuem Album „Pick me up off the Floor“, das an diesem Freitag erscheint.

Der Blues hat sich tief in die Lieder und in die Stimme der inzwischen 41-Jährigen gegraben. Und fast hätte man sie nicht wiedererkannt: Das Cover zeigt sie, wie sie mit zottelig-lockigen Haaren und in glitzernder Garderobe auf irgendeinem Badezimmerboden kauert, es inszeniert Jones wie eine gefallene Disco-Queen aus den 1970er Jahren. Doch ihre Musik, die Blues, Soul, Jazz und Americana in sich aufgesogen hat, stemmt sich weiterhin beharrlich gegen jegliche Extravaganz, verzichtet auf dramatische Effekte, erzählt lieber stimmungsvoll wieder und wieder Geschichten aus dem Leben eines Stehaufmädchens.

Zusammenarbeit mit Jeff Tweedy von Wilco

Unterstützt wird Norah Jones bei den elf Songs diesmal von Jeff Tweedy von der Band Wilco. Er hat das Album produziert, spielt Gitarre und Bass und ist Co-Autor der Americana-Nummer „I’m alive“ und der hochempfindlichen Zeitlupenballade „Heaven above“, die einen im Albumfinale betört.

Im Herzen sind die Lieder auf „Pick me up off the Floor“ gar nicht so weit entfernt von Norah Jones’ Debütalbum „Come away with me“ aus dem Jahr 2002. Es versammelt behutsam arrangierte, dezent angejazzte Popsongs, in deren Zentrum eigentlich immer Norah Jones’ Klavier steht. Das wunderbare „Stumble on my Ways“ zum Beispiel hätte auch schon vor 18 Jahren in des Repertoire der Musikerin gepasst, die mittlerweile neun Grammys gewonnen hat.

Der Ton der Lieder ist dunkler geworden

Allerdings ist den Liedern etwas die Leichtigkeit abhanden gekommen, der Ton ist dunkler geworden. Etwa wenn Jones in„How I weep“ zum Seufzen der Streicher darüber klagt, dass sie ständig umherrenne, ohne zu wissen, wohin sie wolle. Wenn der Blues „Flame Twin“ immer wieder raffiniert zwischen Moll und Dur wechselt. Wenn das wunderbar mit Bläsern verzierte „Say no more“ über Synkopen stolpert. Oder wenn Norah Jones in „Hurts to be alone“ einmal mehr aus ihrem Leben berichtet: „I tried to be somebody else / Or find new Ways to be myself.“ Ich habe versucht, jemand anderes zu sein, oder neue Wege zu finden, ich selbst zu sein: Schöner kann man Norah Jones’ künstlerische Entwicklung kaum zusammenfassen.

Norah Jones: Pick me up off the Floor. Blue Note/Universal




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