Kein anderer Fußball-Fünftligist in Deutschland ist mit einer U17 und einer U19 in der Bundesliga vertreten. Vor den ersten Saisonheimspielen der A-Junioren am Samstag (13 Uhr) gegen die TSG 1899 Hoffenheim und der B-Junioren am Sonntag (13 Uhr) gegen den 1. FC Nürnberg spricht Norbert Stippel über diese besondere Konstellation. Der 61-Jährige ist bei den Stuttgarter Kickers seit 2020 für die Sportliche Leitung des Nachwuchsleistungszentrums(NLZ) zuständig.
Herr Stippel, haben Sie sich vom Schock der 2:8-Auftaktniederlage der U19 bei Eintracht Frankfurt erholt?
Das war kein Schock für uns. Wir wussten aufgrund der Vorbereitungsergebnisse von Eintracht Frankfurt, welch äußerst starke Mannschaft Jürgen Kramny da zur Verfügung hat. Das 2:8 ist zwar nicht schön, aber alles andere als eine Niederlage wäre eine Sensation gewesen.
Sieben der 21 Mannschaften steigen am Saisonende ab. Ist da ein Klassenverbleib überhaupt realistisch?
Dass das ein unglaublich hartes Stück Arbeit wird, ist jedem von uns bewusst. Aber ich bin sicher, dass unsere Mannschaft wettbewerbsfähig ist und auch schnell aus ihren Fehlern lernen wird. Clubs wie die Eintracht, der FC Bayern München, der VfB Stuttgart oder auch die TSG 1899 Hoffenheim sind einfach nicht unsere Kragenweite. Aber ich rechne damit, dass zehn Teams für die sieben Abstiegsplätze in Frage kommen.
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Die Kickers sind bundesweit der einzige Fünftligist, der sowohl mit der U19 als auch mit der U17 in der Bundesliga vertreten ist...
...und das macht uns hier alle auch sehr, sehr stolz. Wir reisen teilweise in eine andere Welt, und wenn wir die Nachwuchsteams der großen Bundesligisten reihenweise besiegen würden, dann müssten diese Clubs doch überlegen, was sie falsch machen. Für die Ausbildung unserer Spieler sind solche Begegnungen auf alle Fälle wertvoller, als hohe Siege in unteren Klassen.
Wird es mit der U17 einfacher in der Bundesliga zu bleiben?
Sie hat zum Auftakt beim 1:3 beim FSV Frankfurt sehr gut mitgehalten. Es könnte sein, dass sie häufiger die Chance bekommt, zu punkten, da in der U17 nicht wie bei den A-Juniorenteams der Bundeslisten teilweise schon Profis zum Einsatz kommen.
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Steigt die erste Mannschaft wieder nicht auf, hängt der NLZ-Status am Bundesligaverbleib der U17 oder U19. Verspüren Sie Druck?
Zum jetzigen Zeitpunkt denkt da mit Sicherheit keiner auch nur eine Sekunde daran. Mitte der Saison kann das bei entsprechenden Konstellationen anders aussehen.
Nachwuchsspieler wie Robin Schwemmle, Lirim Hoxha, Tyron Profis oder Niklas Benkeser schaffen es derzeit in der Oberligamannschaft nicht einmal in den Kader. Würden Sie die Wiedereinführung einer zweiten Mannschaft begrüßen, um Ihnen Spielpraxis zu ermöglichen.
Zunächst einmal ist völlig klar, dass es mit Blick auf die Aufstiegsambitionen der ersten Mannschaft schwierig wird, Einsätze zu kommen. Dass Mohamed Baroudi ja fast schon einen Stammplatz hat, ist dafür um so toller. Aber klar, ich bin ein großer Verfechter einer zweiten Mannschaft im Sinne der Anschlussförderung. Wenn in solch einem Team dann noch ein erfahrener Spieler wie etwa Lukas Kling als Säule zur Verfügung stehen würde, wäre das eine Riesengeschichte.
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Die Kickers müssten aber wieder in der untersten Liga beginnen.
Ja, wir haben vor ein paar Monaten mal beim Verband nachgefragt und diese Antwort erhalten. Und ein paar Euro kostet eine zweite Mannschaft natürlich auch.
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