Nord-Stream-Chef Warnig Putin-Freund in Staufen unter Druck

Ein alter Freund Putins: Nord-Stream-Chef Matthias Warnig, 66 Foto: dpa/Alexei Druzhinin

„Unerträglich“ findet Staufen bei Freiburg die Verbindung ihres Bürgers Matthias Warnig zu Putin. Sie fordert den Nord-Stream-Chef zur Distanzierung auf – und gibt eine Spende zurück.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Stuttgart - Der deutsche Chef der Pipeline-Gesellschaft Nord Stream 2, Matthias Warnig, gerät jetzt auch an seinem Wohnort Staufen bei Freiburg unter Druck. Der Bürgermeister von Staufen, Michael Benitz, fordert ihn per Brief auf, sich öffentlich vom russischen Präsidenten Putin zu distanzieren und seine Ämter in Russland niederzulegen. Zugleich kündigte er an, eine 5000-Euro-Spende Warnigs für die örtliche Kulturwoche zurückzugeben.

 

„Die Ereignisse in der Ukraine bestürzen uns alle und machen uns fassungslos“, schreibt Benitz. „Russlands Präsident Putin hat einen Angriffskrieg in Europa vom Zaun gebrochen, der durch gar nichts zu rechtfertigen ist. Er bringt damit sehr viel Leid über unzählige Menschen.“

Warnig sei mit Putin freundschaftlich verbunden und für mehrere russische Unternehmen tätig. „Für uns ist es unerträglich mit ansehen zu müssen, was gerade geschieht und dass es persönliche Verbindungen von Herrn Putin auch in unsere Stadt gibt“, so der Bürgermeister. „Das muss sich nun ändern.“ Eindringlich appelliert er an Warnig, „mit aller Macht auf Ihrer Ebene auf Herrn Putin einzuwirken, damit dieser Wahnsinn sofort gestoppt wird“.

Spende für Kulturwoche geht zurück

Man habe das großzügige Engagement des Managers für die jährliche Kulturwoche „sehr geschätzt“, schreibt Benitz. Nun könne es die Stadt „nicht mehr vertreten, Spenden anzunehmen, die aus russischen Quellen stammen könnten“. Deshalb sehe man sich gezwungen, die 5000 Euro für die diesjährige Kulturwoche zurück zu überweisen.

Anfragen zu Warnig an Nord Stream 2 waren in jüngerer Zeit unbeantwortet geblieben. Der Firmenchef stehe derzeit nicht für Interviews zur Verfügung, hieß es. Eine Reaktion auf den Brief blieb zunächst aus.

Seit 15 Jahren Bürger von Staufen

Warnig lebt seit etwa 15 Jahren in Staufen, zusammen mit seiner zweiten, aus Russland stammenden Ehefrau und zwei Kindern. Der Firmensitz von Nord Stream 2 befindet sich zwei Autostunden entfernt im schweizerischen Zug, aus steuerlichen Gründen. Bei seiner Ansiedlung in der knapp 8000 Einwohner zählenden Stadt soll auch der im Nachbarort Münstertal lebende russische Honorarkonsul in Stuttgart, Klaus Mangold, eine Rolle gespielt haben. Mangold hatte sich am Montag „erschüttert“ über den russischen Angriff auf die Ukraine geäußert, ohne Putin namentlich zu kritisieren. Anders als der russische Honorarkonsul in Hannover, Heino Wiese, erklärte er zunächst nicht seinen Rücktritt vom Amt.

Unverständnis über Verbleib im Amt

In Leserkommentaren der Badischen Zeitung gab es viel Lob für die klaren Worte von Benitz und Mangold. Zugleich wurde jedoch bemängelt, dass der Honorarkonsul sein Amt nicht niederlege. Darüber gibt es auch in Stuttgart Unverständnis. Die beiden Landessprecherinnen der Grünen Jugend, Aya Krkoutli und Sarah Heim, forderten mit Blick auf ihn Konsequenzen. „Wir sehen an der aktuellen Lage, dass es auch Akteure in unserem Land gibt, die das völkerrechtswidrige Handeln Putins indirekt unterstützten und seine autokratischen Interessen unter anderem wirtschaftlich vorantrieben“, sagten sie unserer Zeitung. Dazu gehöre „ganz klar der Honorarkonsul Russlands, Klaus Mangold, der durch seinen Kuschelkurs mit Putin unsere Demokratie aushöhlt“. Die Jung-Grünen regten an, gegen Akteure wie Mangold die Entziehung von Orden des Landes sowie Sanktionen des Bundes zu prüfen. Es sei wichtig, „die Heuchelei von Menschen“ zu benennen, „die jahrelang die Machtinteressen Putins vertraten“, so Krkoutli und Heim.

Mangold hat bisher nicht öffentlich begründet, warum er am Amt als Honorarkonsul festhält. Aus seinem Umfeld verlautete, er wolle damit seine Verbindungen zu wichtigen Akteuren in Russland bewahren, die mäßigend auf Putin einwirken könnten. Zudem wolle er weiter als Ansprechpartner für Firmen zur Verfügung stehen, die angesichts der aktuellen Lage viele Fragen hätten.

Unklar ist, wie sich der Honorarkonsul in Nürnberg, Nikolaus Knauf, verhält. Auf Fragen unserer Zeitung reagierte er bisher nicht. Die unlängst noch aktive Webseite des Konsulats war zuletzt nicht mehr erreichbar.

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