Nordbahnhof Mit dem Z fallen Erinnerungen an feierselige Stunden

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Die SSB reißt den Z-Club an der Nordbahnhofstraße ab. Die Betreiber suchen eine neue Bleibe.

„Die kleine Diaspora im Schatten des Ufa-Monsters“ ist Vergangenheit. Foto: Michael Steinert
„Die kleine Diaspora im Schatten des Ufa-Monsters“ ist Vergangenheit. Foto: Michael Steinert

S-Nord - Noch steht das namensgebende Z, gut mannshoch, in weiß auf fliederfarbenem Grund. Es wird fallen, und mit ihm fallen Jahrzehnte der alkohol- und feierseligen Erinnerungen.

Zuletzt war das barackenähnliche Haus direkt gegenüber des Männerwohnheims an der Nordbahnhofstraße ein Club, der Z-Club, klein, aber beliebt. Ältere Jahrgänge hätten es Disco genannt. Bei den Jungen war die Adresse sogar über Stuttgart hinaus bekannt, als „kleine Diaspora im Schatten des Ufa-Monsters, ein Eldorado für Andersdenkende. Wer hier raus fährt, will ausgefallene Musik wie Dubstep oder hypnotische Deep-Tech-House Beats.“

SSB braucht das Grundstück für den Bau der U 12

So empfahl das Stadtmagazin Lift den Club, dessen zweiter Nachbar das Ufa-Kino ist, und beklagte dazu, dass „auch der Z-Club S 21 zum Opfer fällt“. Einer der Fans, die in Internetforen Partytipps austauschen, machte es sich einfacher: „Reinkommen, Jacke in die Ecke pfeffern, Getränk holen – und ab geht’s.“

Der Hinweis auf den Tiefbahnhof ist nur im weiteren Sinne korrekt, denn der Z-Club wird abgerissen, weil die Stuttgarter Straßenbahnen AG das Grundstück für den Bau der neuen Stadtbahnlinie U 12 braucht. Die soll zwischen Stadtbibliothek und Nordbahnhof fahren, dann weiter in Richtung Bad Cannstatt. Gewissermaßen nebenbei erschließt sie dabei das neue Wohngebiet hinter dem Hauptbahnhof, das Rosensteinviertel.

Das Holzhaus mutet an, als wäre es schon fast so lange baufällig, wie es steht. Und gefeiert wurde in ihm schon, lang bevor diejenigen geboren wurden, die nun um den Z-Club trauern. So jedenfalls erinnert sich Divna Lazarevic, die Betreiberin des Clubs. Das Haus „hieß mal Hofbräustüble“, sagt sie. „Das war in den letzten 50 Jahren immer Gastro.“

Die elektrischen Töne brachten den Erfolg

Eine Zeit lang gab es einen bei den Männern des Wohnheims beliebten Straßenausschank. Später feierten die Punker hier nicht minder alkoholselige Partys zu Live-Musik. Lazarevic versuchte es zunächst ebenfalls mit Konzerten. Aber die nachdenklichen Songwriter, die sie auf die Bühne bat, kamen nicht recht an. Der Umstieg auf die schnelleren und elektrischen Töne brachte den Erfolg. Danach „war es einfach ´ne klasse Zeit“, sagt Lazarevic.

Dass der Biergarten hinterm Haus nur einen fragwürdigen Ausblick bietet, den auf Bahngleise, schmälerte seine Beliebtheit keineswegs, gleich wer mit welchem Konzept hier Gastronomie betrieb. Zuletzt konnten die Frischluftfreunde unter den Gästen wahlweise auch auf Sofas unter dem Vordach zur Nordbahnhofstraße hin die Beine ausstrecken. An all das erinnert jetzt nur noch eine Getränkekarte, die als letzter Zeuge der Z-Zeit neben der Eingangstür an der Wand hängt.

Am 31. Dezember schloss Lazarevic die Tür zum letzten Mal ab. Wann der Abrissbagger ins Haus rollt, steht laut SSB noch nicht genau fest: diesen Monat noch, vielleicht auch erst im nächsten. Ähnliches gilt für einen Eröffnungstermin für den Z-Club-Nachfolger, den Lazarevic angekündigt hat, aber sie findet einfach kein passendes Haus. „Wir suchen kräftig, aber es ist nicht einfach“, sagt sie. Denn andere suchen auch, und sie suchen die gleiche Art von in Stuttgart rarer Immobilie. Die Macher der Röhre zum Beispiel. Die ist ohne Wenn und Aber ein Opfer von Stuttgart 21.

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