Nordisches Flair in Fellbach Im Lego-Café möglich: Zimtschnecken genießen, lesen und mit Bausteinen spielen

Im Lego-Lese-Café in Fellbach fühlt man sich wie im Urlaub in Skandinavien – Zimtschnecken, Lego-Bausteine und nordische Literatur inklusive. Foto:  

Im neuen Fellbacher Lego-Lese-Café kann man die Königreiche Dänemark, Schweden und Norwegen einen Kultursommer lang auf sinnliche und vielfältige Weise kennenlernen.

Der Sommer in deutschen Städten wird immer heißer! Sehr umsichtig angesichts des Klimawandels und der heftig in die Höhe schießenden Preise für fossile Brennstoffe schickt der 8. Fellbacher Kultursommer (Rems-Murr-Kreis) sein Publikum in diesem Jahr zur nachhaltigen Sommerfrische in den kühlen Norden, in die drei Königreiche Dänemark, Norwegen und Schweden nämlich, die viel zu bieten haben. „Leeeeego!“ krähen Fans etwa beim Gedanken an einen berühmten dänischen Spielwarenhersteller – inzwischen mehr Gattungsbegriff als Markenname für bunte Noppensteine aus Hartplastik, mit denen Bauherrinnen und -herren jeden Alters ganze Miniaturwelten erschaffen.

 

Die Firma Lego stammt aus dem dänischen Billund, reizte aber zahlreiche Nachahmer, oft aus Fernost. Wer sich ein bisschen mit der Geschichte des Herstellers befasst hat, weiß um dessen erbitterte Kämpfe gegen Plagiatsversuche, aber auch um dessen immer breiteres Sortiment an teils hochpreisigen Bausets.

Ikea, Zimtschnecken und Nordic Noir: Schwedens Kulturschätze

Schweden ist dagegen untrennbar mit Ikea, Zimtschnecken und dem legendären Bällebad im Eingang des Möbelhauses verbunden, wo man den quengelnden Nachwuchs ohne Reue für ein paar Stunden abgeben kann, um ungestört Papierservietten, Teelichter und neue Billy-Bücherregale zu kaufen. In die lassen sich wiederum meterweise skandinavische Autoren des Nordic Noir Krimis einsortieren; Henning Mankell, Stieg Larsson oder Jo Nesbø, zum Beispiel. Jüngere Lesende bekommen Astrid Lindgren, schreckhafte Ältere können auf Selma Lagerlöf oder Hans Christian Andersen zurück greifen.

All das versammelt das Fellbacher Lego-Lese-Café vom Sonntag, 10. Mai, an über die gesamte Dauer des Kultursommers bis zum 25. Juli in den Räumen der städtischen Galerie.

Für die kleinen Café-Besucher gibt es vieles zu entdecken. Foto: Gottfried Stoppel

„Einerseits wollen wir bei unseren Kultursommern immer Aspekte der jeweiligen Gastländer vorstellen, die wir hier nicht so gut kennen. Andererseits spielen wir aber auch mit beliebten Klischees“, erklärt die Leiterin des Fellbacher Kulturamtes, Maja Heidenreich, das Konzept hinter dem seit 2001 alle drei Jahre stattfindenden Kultursommer, der fast drei Monate lang Kunst und Kultur eines Gastlandes oder, wie in diesem Jahr, einer größeren Region dem Publikum in und um Fellbach präsentiert.

Seit Jahren tobt ein neuer, ungebrochener Hype besonders um die bunten Lego-Steine; auch und immer mehr unter Erwachsenen, die sich unter der Abkürzung AFoL – Adult Fan of Lego – als ernsthaftere und kaufkräftigere Anhängerschar ihrem Hobby verschreiben. Ganze Serien produziert Lego bewusst für volljährige Knipser. Maja Heidenreich weiß um den rasanten Erfolg der Steine und rechnet mit dementsprechend großem Andrang.

Nachhaltiges Lego-Vergnügen: Spenden und Weitergabe im Café

Im Lego-Lese-Café sollen Liebhaber ihrer Leidenschaft aber auf nachhaltige, konsumfreie Art nachgehen können. Die Steine sind allesamt Spenden von Privatleuten, erzählt Maja Heidenreich, oft von Großeltern, deren Kinder und Enkel schon mit dem Lego gespielt hatten. „Wir haben die Steine gewaschen und nach Farben sortiert“, sagt Maja Heidenreich. Wenn das Café am 25. Juli wieder schließt, wird das Lego weiter verschenkt, wie die von Ikea gespendete Einrichtung, die zum Teil an neue Besitzer gehen soll, zum Teil aber für weitere Veranstaltungen des Kulturamtes genutzt werden wird.

Dass Lego viel mehr ist als nur Spielzeug, stellt der Esslinger Lego-Künstler Martin Schaal unter Beweis, in den Sozialen Netzwerken als „Der alte Mann und der Stein“ bekannt. Schaal wird die Fellbacher Lutherkirche maßstabsgetreu im Lego-Lese-Café nachbauen. Neben ihm können sich Kinder, Teenager und Erwachsene – vom Laienknipser bis zum Profi-Miniaturarchitekten – an eigenen Bauten versuchen. Üben können Nachwuchsbauer in einem mit Teppichen ausgelegten zweiten Raum im Untergeschoss der Galerie an den größeren Duplo-Steinen. Für alle anderen gibt es Berge von Büchern zu lesen und gegen eine freiwillige Spende frische Zimtschnecken, schwedischen Schokokuchen und Getränke. „Leg godt!“, wie die Dänen sagen, „Spiel gut!“.

Die Eröffnung des besonderen Cafés ist am Sonntag, 10. Mai, um 16 Uhr in der Galerie Fellbach. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr.

Weitere Themen