Talkshows, die sich mit Nordkorea befassen, haben ein Problem: Es gibt zu wenige Experten zu dem Thema. Wichtiger scheint da der Quoten-Promi, in diesem Fall Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel. Der Sieg geht trotzdem klar an die ARD.
Stuttgart - Im deutschen Sprachraum ist die Zahl der ernst zu nehmenden Koreaexperten überschaubar. Gleichzeitig scheint es eine hehre Regel des Talkshowbusiness zu sein, dass der Moderator mindestens fünf Gesprächspartner um sich herum drapiert. Was also tun, wenn es am Donnerstagabend um Nordkorea gehen soll? Sowohl Maybrit Illner („Die neue Achse des Bösen“) als auch Reinhold Beckmann („Nordkorea hält die Welt in Atem“) luden fünf Gäste ein – auch wenn jeweils gerade ein Gesprächspartner überdurchschnittliches Fachwissen zu bieten hatte.
Der in Wien lehrende und forschende Ostasienwissenschaftler Rüdiger Frank verbreitete seine lohnenden Einsichten in der ARD, sein Berliner Kollege Werner Pfennig die nicht minder von Sachverstand gestützten Analysen im ZDF. Unentschieden, sozusagen. Der Gesamtsieg geht allerdings klar ans Erste. Und das obwohl die deutsch-koreanische Dokumentarfilmerin Sung-Hyong Cho dort Dirk Niebel als ersten sympathischen FDP-Politiker identifizierte, was der Entwicklungshilfeminister mit dem Hinweis konterte, dass er noch mehrere davon kenne, die er gerne vorzustellen bereit sei.
Niebel ist das Promigesicht
Niebel hatte die Rolle des Promigesichts auszufüllen. Rüdiger Frank wie Sung-Hyong Cho bieten für eine breite Fernsehöffentlichkeit nur einen begrenzten Wiedererkennungswert, was auch für die beiden weiteren Mitstreiter gilt. Stefan Kornelius, Auslandschef bei der „Süddeutschen Zeitung“ und der Entwicklungshelfer Dirk Reber. Alle zusammen haben sie allerdings den unschlagbaren Vorteil, sich mit der Materie beschäftigt zu haben, über die sie reden.
Das führt dazu, dass dem Fernsehzuschauer sogar etwas geboten wird fürs Gebührengeld, zum Beispiel die spannende Auseinandersetzung mit der Frage, ob die USA mit den Nordkoreanern nicht endlich einen Friedensvertrag schließen solle. Ja, sagt Frank, Nein sagt Kornelius.