Die Stadt Esslingen hat eine illegale Mountainbikestrecke am Katzenbühl renaturiert. Groß ist die Trauer in der Esslinger Bikerszene. Doch nun will sie mit der Verwaltung einen Konsens für einen rechtmäßigen Downhill erreichen.

Esslingen: Jürgen Veit (jüv)

Esslingen - Die Esslinger Szene der Downhill-Mountainbiker ist schwer getroffen. Groß waren das Entsetzen und der Ärger, als sie am Samstagnachmittag entdeckt haben, dass ihre mit viel Arbeit und Herzblut gestaltete, aber illegale Esslinger Nordschleife am Katzenbühl – von den Insidern kurz und liebevoll EsNos genannt – auf Veranlassung der Stadt Esslingen unbefahrbar gemacht worden ist.

Henry Wolter, beim städtischen Grünflächenamt für den Bereich Forst zuständig, bestätigt, dass die Strecke „rückgebaut und renaturiert“ worden sei. Dafür habe es mehrere gute Gründe gegeben. Der Pfad, der sich größtenteils in städtischem Wald vom Schurwald bergab Richtung Neckartal gewunden hat, sei nicht genehmigt gewesen, weshalb die sogenannte Verkehrssicherungspflicht bei der Stadt und einigen Pächtern gelegen habe. „Wenn wir das tolerieren, haften wir mit, wenn etwas passiert, wenn etwa Totholz auf die Strecke fällt“, erklärt Wolter.

Der Naturschutz muss berücksichtigt werden

Außerdem müssten auch naturschutzrechtliche Belange berücksichtigt werden. Beispielsweise seien Schaltafeln und Bierdosen zur Armierung von Steilwandkurven beim Ausbau der Strecke verwendet worden. Es könne nicht jeder im Wald „tun und lassen, was ihm Spaß macht“, stellt Wolter klar, „am nächsten Tag kommt einer daher und baut daneben einen Kletterwald“.

Erst vor einigen Monaten hätte die Stadt die Downhill-Strecke entdeckt, sagt Wolter, danach seien einige Schilder aufgestellt worden, dass Radfahren dort nicht erlaubt sei. Vergeblich, wie er sagt. Die Warnungen seien ignoriert worden, „irgendwann sind wir dann zur Tat geschritten“. Auch wenn die EsNos in verschiedenen Internetforen ein Begriff gewesen sei, „kann die Stadt das nicht dulden. In dem Fall ist uns nichts anderes übrig geblieben“, sagt Wolter.

Die Strecke am Katzenbühl war bei Jung und Alt beliebt

Johannes Reiser ist Mountainbiker aus Leidenschaft. Er hat mit mehreren Gleichgesinnten den Trail in den vergangenen Jahren nach und nach zu einem Downhill ausgebaut, mit kleineren Sprüngen und Kurven versehen. Bei der EsNos habe es sich um eine Strecke gehandelt, die von allen Altersklassen geliebt und genutzt worden sei – von fortgeschrittenen Bikern ebenso wie von Kindern. Die Zahl der Fahrradfahrer, die dort am Katzenbühl, nahe der ehemaligen Mülldeponie zwischen Esslingen und Kernen-Stetten (Rems-Murr-Kreis), regelmäßig ihrem Sport nachgegangen seien, schätzt Reiser auf mindestens 150. An manchen Wochenenden seien auf dem 1,2 Kilometer langen und rund 90 Höhenmeter überwindenden Trail 70 bis 80 Sportler ihrem Hobby nachgegangen. Es sei eine „flowige und entschärfte“ Strecke gewesen, die für die ganze Familie geeignet gewesen sei. Ein Junge sei ihm am Wochenende weinend im Wald entgegen gekommen, erzählt er. Denn der wisse jetzt nicht, wo er künftig mit seinem vollgefederten Rad zu Tal sausen kann. Zumal es in der näheren Umgebung keine für ihn geeigneten legalen Strecken gebe. Solche Downhills gebe es nur in Korb, Bad Wildbad, Albstadt, Heidelberg und Freiburg.

Natürlich schmerzt und ärgert es auch Johannes Reiser, dass „in drei Stunden platt gemacht wurde“, was er und seine Freunde in drei Jahren mit viel Engagement aufgebaut hätten. „Aber uns war immer bewusst, dass die Strecke illegal ist“, gibt er unumwunden zu, „deshalb fühlen wir uns auch nicht im Recht“. Sie hätten im vergangenen Jahr durchaus noch versucht, in Gesprächen mit Pächtern und Forstverantwortlichen nachträglich eine Legalisierung zu erreichen. Doch das sei offenbar zu spät gewesen, man sei von der Zeit eingeholt worden. Johannes Reiser räumt auch ein, dass die von der Stadt aufgestellten Warnschilder ignoriert worden seien und die Fakten schaffende Maßnahme deshalb „nicht ansatzlos“ daher gekommen sei.

Die Initiatoren wollen eine Vereinsabteilung gründen

Natürlich habe es in der Szene „rumort“, als am Samstagnachmittag in verschiedenen Internetforen Bilder von der zerstörten Strecke aufgetaucht seien. Doch der Gruppe der EsNos-Initiatoren gehe es nicht um Schuldzuweisungen, sondern allein „ums Fahrradfahren“. Ihnen liege daran, im Konsens mit der Stadtverwaltung eine legale Downhill-Strecke im Raum Esslingen umzusetzen. Der erste Schritt sei, im Turnverein Hegensberg eine Radsportabteilung zu gründen, um dann als Verein „mit der Stadt darüber sprechen zu können, wo wir eine genehmigte Strecke hinkriegen können“, erklärt Johannes Reiser. Um die Abteilungsgründung bemühe man sich schon länger.

Dass sich auf diese Weise etwas erreichen lässt, zeigt ein Beispiel, das – nicht weit vom Katzenbühl entfernt – auf der anderen Seite des Remstals liegt. Am Hanweiler Sattel, auf der Gemarkung der Gemeinde Korb, heizen Mountainbiker völlig legal zu Tal. Auch dort hat einst alles mit einer nicht genehmigten Strecke am Korber Kopf begonnen. Doch eine innerhalb des Sportclubs Korb gegründete Radsportabteilung schaffte es vor zweieinhalb Jahren, nach Verhandlungen mit der Kommune und mit dem Forst, eine sehr anspruchsvolle und schwierige Strecke durch den Wald zu bauen, die rechtmäßig und von allen Seiten voll akzeptiert ist. Der Verein hat das Gelände von der Gemeinde Korb gepachtet und Stück für Stück einen Downhill mit einer Länge von rund 750 Metern und einer Höhendifferenz von 120 Metern gebaut. Laut dem zuständigen Revierförster Andreas Münz liegt die Verkehrssicherungspflicht damit beim Verein und die Downhill-Szene „konzentriert sich dort“.

Wie schwierig der Weg hin zu einer legalen Abfahrtsstrecke aber auch sein kann, zeigt das Beispiel Stuttgart. Dort ist das Vorhaben der Arbeitsgemeinschaft Downhill Stuttgart bisher unter anderem am Landschaftsschutz gescheitert.

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