Nordschwarzwald Am Nationalpark scheiden sich die Geister

Refugium für Tiere und Pflanzen: ein Nationalpark im Nordschwarzwald wäre der erste seiner Art in Baden-Württemberg. Foto: dapd
Refugium für Tiere und Pflanzen: ein Nationalpark im Nordschwarzwald wäre der erste seiner Art in Baden-Württemberg. Foto: dapd

Diskussion um Nationalpark im Nordschwarzwald: Gegner und Befürworter erarbeiten einen Fragenkatalog für eine Studie zum Schutzgebiet.

Landespolitik: Andrea Koch-Widmann (akw)
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Bad Wildbad - Die Debatte über einen möglichen Nationalpark im Nordschwarzwald ist in der Region bereits in vollem Gange. Die Befürworter halten sich allerdings eher zurück, während sich die Gegner formieren. Sie bombardieren die örtlichen Medien mit Leserbriefen und sind im Internet zu finden.

Dabei könnte man beinahe den Eindruck haben, dass gezielt Desinformation betrieben wird und Ängste geschürt werden. Da ist von "Totholzzahnstochern" die Rede, von Fichten also, die vom Borkenkäfer skelettiert wurden; andere führen ins Feld, dass der Wald dann Sperrgebiet würde und nicht mehr betreten werden dürfe, und dass andererseits aber die grün-rote Landesregierung nun sogar Windräder im Nationalpark zulassen werde.

"Das stimmt alles nicht", sagt der für Naturschutz zuständige Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde (Grüne). Er sieht noch große Informationsdefizite in der Region. Deshalb habe er auch allen betroffenen Gemeinden Fachleute für Bürgerversammlungen angeboten, die jegliche Fragen beantworten können.

Alleinstellungsmerkmal: "Nationalpark"

Die Meinung der Bürger ist Bonde wichtig. Sie sollen in breitem Umfang gehört werden. Deshalb hat er vor Kurzem auch eine Informationsbroschüre an 120.000 Haushalte in der Region versandt, in der etliche Themen angesprochen werden. So soll der angestrebte "Zauber der Natur" nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, sondern die Bürger können auch in einem Nationalpark weiterhin wandern, Rad fahren, Ski laufen. Baden-Württemberg hat als einziges Bundesland noch kein solches Großschutzgebiet.

Für den Tourismus hingegen, der im Nordschwarzwald im Vergleich zum Süden deutlich abgehängt ist, wäre ein Nationalpark ein "wichtiger Impulsgeber". Mit dem Alleinstellungsmerkmal "Nationalpark" könnte sich die Tourismusdestination Nordschwarzwald als Premiummarke stärker profilieren. Für Einzelhandel und Gewerbe erwartet Bonde ebenfalls positive Impulse.

Die Ängste der Sägereien, dass sie künftig zu wenig Holz verarbeiten könnten, versucht Bonde zu entkräften. Der Nationalpark sei als Entwicklungsgebiet angelegt auf 30 Jahre und nur hundert Quadratkilometer groß. In der Endplanung würden 75 Prozent dieses Gebiets aus der Bewirtschaftung genommen. Den Sägereien fehlten dann vielleicht 45- bis 50.000 Festmeter Holz, was Bondes Meinung nach im Bezug zum jährlichen Holzeinschlag im Land von rund sieben bis zehn Millionen Festmetern marginal wäre. Die angeschriebenen Bürger jedenfalls können mit der der Broschüre beigefügten Postkarte "Dialog zum Nationalpark" Fragen und Anregungen nach Stuttgart schicken.

Tagung als Auftakt für Diskussion

Bei der Vorstellung des Jahresberichts des Landesbetriebs ForstBW würdigte der Grüne in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Verdienste der schwarz-gelben Vorgängerregierung. Die damaligen Minister Rudolf Köberle (CDU) und Tanja Gönner (CDU) hätten den Suchlauf nach einem Gebiet für einen Nationalpark durchgeführt. Sie identifizierten ein rund 17.000 Hektar großes Gebiet im Nordschwarzwald, das komplett im Staatswald liege und zudem einen hohen Anteil von Bann- und Schonwäldern und EU-geschützten Natura-2000-Gebieten habe. Das ausgewählte Gebiet solle 10.000 Hektar umfassen.

Auf einer Tagung am Samstag in Bad Wildbad sollen nun im Kreis von interessierten Gruppen - insbesondere auch der Kritiker, betont Bonde - und Fachleuten, Kommunalpolitikern und Vertretern der Region ein Fragenkatalog für ein Gutachten erarbeitet werden. Über die Fragestellung und Ausschreibung der Studie soll ein Lenkungskreis entscheiden.

Er ist besetzt mit den Landräten aus den Kreisen Calw, Freudenstadt, Rastatt und dem Ortenaukreis sowie dem Oberbürgermeister der Stadt Baden-Baden und den Präsidenten der Regierungspräsidien Freiburg und Karlsruhe. Die Studie werde frühestens in einem halben Jahr vorliegen, meint der Minister. Dann habe man wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse, ob ein Nationalpark im Nordschwarzwald machbar sei. Insofern ist die Tagung für ihn der Auftakt für eine breit und langfristig angelegte Diskussion, in der alle gehört werden können.

Die Debatte kann hier am Samstag live im Internet verfolgt werden.

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