Norovirus in Stuttgart Wie gefährlich ist die neue Variante GII.17 – und was schützt vor Ansteckung?

Wer sich mit Noroviren angesteckt hat, sollte während des Krankheitsverlaufs möglichst viel Flüssigkeit zu sich nehmen Foto: New Africa - stock.adobe.com

US-Forscher warnen vor einer sich schnell ausbreitenden Noro-Virus-Variante – auch in Deutschland. Wie groß die Gefahr der Ansteckung tatsächlich ist und was vor Infektionen schützt.

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Regine Warth (wa)

Die Übeltäter sind überall. Sie mögen es kühl und gern auch ein bisschen verschmutzt: Meist, dort, wo sich viele Menschen gern die Klinke in die Hand geben. Auch tummeln sie sich mitunter in zubereiteten Speisen. Und wo sich diese Vertreter der Noroviren auch nur in kleinen Grüppchen befinden, ergeht es einem schlecht: Durchfall und Erbrechen von jetzt auf gleich.

 

Derzeit warnen US-Forscher vor einer ganz besonders aggressiven Variante des Durchfallerregers: Der Stamm GII.17 treibt die Infektionszahlen in den USA derzeit in die Höhe und beginnt auch, sich in Europa und damit auch in Deutschland auszubreiten. Noch halten sich allerdings die Infektionszahlen im jährlich erwartbaren Rahmen: 5580 Norovirus-Fälle gab es bundesweit bis Mitte Dezember 2025 (zum Vergleich: im Jahr 2024 waren es 4297). Das geht aus Daten des Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch Instituts (Stand 12. Dezember 2025) hervor. Die tatsächlichen Zahlen dürften deutlich höher liegen, da viele Betroffene während der akuten Krankheitsphase meist zuhause bleiben.

In Stuttgart gibt es derzeit keine besondere Krankheitswelle zu verzeichnen: Im Klinikum Stuttgart sei man aber auf mögliche Ausbrüche der neuen Variante vorbereitet, bestätigt Andreas Lienig, Leitender Oberarzt der Infektiologie und Krankenhaushygiene. „Wir haben insbesondere bei der Hände-Desinfektion darauf geachtet, dass die verwendeten Mittel auch Noroviren erfassen“, so der Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie. Auch seien Tests direkt im Klinikum möglich, um mögliche Verdachtsfälle schnell zu diagnostizieren und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. „Tatsächlich erwarten wir einen Anstieg der Fallzahlen gegen Januar und Februar“, sagt Lienig.

Wie ansteckend sind Noroviren?

Erkrankte sollten möglichst Kontakt zu anderen vermeiden. Denn das Norovirus ist extrem ansteckend. Nach Aussagen von Wissenschaftlern aus den USA, die Studien der vergangenen 24 Jahren in Sachen Noroviren ausgewertet haben, reichen schon 18 Viren aus, um eine Erkrankung auszulösen. Zum Vergleich: In einem Gramm Stuhl eines Infizierten stecken eine Milliarde Noroviren. Um sich davor zu schützen, ist eine gründliche und regelmäßige Händehygiene sinnvoll, sagt der Infektiologe Lienig. Wer zudem chronisch krank oder älter als 65 Jahre ist oder als immungeschwächt gilt, sollte seine Hände regelmäßig desinfizieren. „Am besten mit einem entsprechenden gegen Noroviren wirksamen Mittel aus der Apotheke“, sagt Lienig. Das gilt auch für deren Angehörige.

Gibt es Medikamente gegen das Norovirus?

Nein. Betroffene müssen die Krankheit aussitzen. Wichtig ist laut Angaben des Robert-Koch-Instituts, dass die Erkrankten möglichst viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Zusätzlich seien Elektrolyte empfehlenswert, eine Mischung aus Salzen wie Kochsalz, Natriumcitrat sowie Kaliumchlorid und zusätzlich Traubenzucker (Glucose), die es in der Apotheke gibt. So könne ein Austrocknen des Körpers vermieden werden.

Was gilt es für Mitbewohner oder Angehörige zu beachten?

Für die Familienmitglieder oder pflegenden Angehörigen gilt: Handschuhe tragen und häufiges Händewaschen – beziehungsweise Hände desinfizieren mit einem Mittel aus der Apotheke – nach jedem Kontakt mit einer infizierten Person. Viel mehr kann und muss man auch nicht machen: Der Körper bildet von sich aus eine effektive Immunantwort gegen das Virus – aber er braucht seine zwei bis drei Tage. Allerdings wird das Norovirus auch nach Abklingen der akuten Krankheitssymptome noch ein bis zwei Wochen im Stuhl ausgeschieden. Daher sollte man in dieser Zeit weiterhin streng auf Hygiene achten.

Wann ist bei einer Norovirus-Infektion ein Arztbesuch nötig?

Bei schweren Verläufen mit starkem Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen und Durchfall sollten vor allem Kleinkinder, ältere Patienten und Menschen mit Grunderkrankungen einen Arzt kontaktieren: Nach Möglichkeit ist es besser, den Hausarzt vorher telefonisch informieren um die Infektion nicht weiter zu tragen. Auch Notaufnahmen sollten nur aufgesucht werden, wenn es gar nicht mehr anders geht, um die Ausbreitung hier zu vermeiden.

Wie viel Hygiene im Haushalt gegen Noroviren?

Da man sich am häufigsten durch direkten Kontakt zu Erkrankten oder indirekt über verschmutzte Flächen wie Waschbecken, Fußböden oder Türgriffe ansteckt, sollte man stets Händewaschen und diese desinfizieren. Auch sollte darauf geachtet werden, dass Bad, die Toilette und andere Dinge, die im direkten Kontakt mit dem Erkrankten sind, regelmäßig gereinigt werden – am besten mit Gummihandschuhen und Einwegtüchern. Kleidung und Bettwäsche sowie Handtücher und Spüllappen werden wieder frei von Noroviren, wenn sie mit einem Vollwaschmittel bei Temperaturen von mindestens 60 Grad gewaschen werden.

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