Ingrid aus Ludwigsburg und ihr Hund Simba sind schwer krank. Die Rente reicht nicht für den Tierarzt. Doch es gibt Hoffnung: Die Tiertafel organisiert Patenschaften.
Wenn man die Wohnung betritt, in der Ingrid L. für das Pressegespräch bei ihrer Cousine zu Besuch ist, fällt der Blick zuerst auf Simba. Der braune Mischlingshund sitzt friedlich direkt neben ihr auf dem Sofa, hebt neugierig den Kopf, wedelt vorsichtig mit dem Schwanz. Er wirkt ruhig, fast ein wenig erschöpft – und dennoch strahlt er das aus, was sein Frauchen so sehr an ihm schätzt: Sanftmut. Liebe. Vertrauen.
Ingrid, die ihren Besucher sofort ins Du nimmt, sagt ehrlich: „Wenn ich ihn nicht hätte, würde ich vielleicht nicht mehr leben.“ Immer wieder umfasst sie Simba und hält ihn bei sich. Ingrid hat es nicht leicht, und man hört, wie viel Kraft sie diese Aussage kostet. Sie ist 64 Jahre alt, lebt seit einiger Zeit im Vorruhestand. Doch die Rente reicht kaum zum Leben – schon gar nicht für all das, was Simba braucht.
Denn der Hund ist schwer krank. Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Anämie, Herzklappeninsuffizienz. Immer wieder bricht er, hat Durchfall, kollabiert gelegentlich. Seit etwa neun Monaten muss Ingrid ihn regelmäßig zum Tierarzt bringen, zu Blutuntersuchungen und Kontrollen. „Er ist schon zweimal umgefallen, er hat zu wenig Blut – ich will doch nur, dass es ihm gutgeht“, sagt sie. Doch die Rechnungen sind hoch. Sehr hoch. „Allein für die Laborkosten waren es neulich 370 Euro.“
„Ich liebe ihn über alles“ – Ingrids unzertrennliche Bindung zu Simba
Simba hebt manchmal den Kopf, als verstehe er, dass gerade über ihn gesprochen wird. Er bleibt bei seinem Frauchen, rollt sich ein und scheint auch schon wieder ein bisschen auszuruhen. Ingrid streichelt ihn. Es ist ein Bild voller Nähe. Der Sohn eines Pinschers und einer Pekinesen-Chihuahua-Mama gehöre ihr seit seiner Geburt vor zwölf Jahren. „Ich liebe ihn über alles.“ Sogar ins Bett nehme sie ihren Schatz mit.
Ohne Hilfe wäre das alles für Ingrid kaum zu schaffen. Die Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn ist für sie zur Rettung geworden. Futter, Arztrechnungen, Beratung – all das übernimmt die Einrichtung für Menschen, die ihre Tiere lieben, aber finanziell am Limit leben. An der Spitze steht Bettina Reichel, die Vorsitzende. Für sie ist das eine Herzenssache, wie sie sagt. Jemand aus dem Team prüfe die Ansprüche, sie die Arztrechnungen. Die Vorsitzende trägt letztlich die Verantwortung dafür, dass die Unterstützung dort ankommt, wo sie wirklich gebraucht wird.
Doch die Hilfe hat auch ihre Grenzen. „Wir können nicht alles finanzieren“, erklärt Bettina Reichel. „Aber dringende Notfälle übernehmen wir, und auch regelmäßige Untersuchungen – zumindest bei schwer erkrankten Tieren.“ Zu diesen gehört Simba ohne Zweifel. Reichel wirft aber nicht nur ein Auge auf die Unterlagen der Tierärzte, sondern auch auf die Menschen dahinter. „Wir sehen, wie viel ein Tier manchen Personen bedeutet. Und wir wissen, dass ein Tier manchmal das Einzige ist, was Halt gibt.“
Ingrids Kampf: Knochenerkrankung erschwert den Alltag
Das merkt man bei Ingrid ganz deutlich. Denn auch sie kämpft mit gesundheitlichen Problemen. Eine schwere Knochenerkrankung schränkt sie stark ein: Viele Wege und Stufen kann sie nicht mehr bewältigen. „Ich bin froh, dass ich gerade bei einer Bekannten wohnen darf“, sagt sie. Die Wohnung erspare ihr langes Treppensteigen – und tägliche Kraftakte.
Simba spürt ihre Sorgen. Er bleibt dicht bei Ingrid, beobachtet jede Bewegung. Man hat den Eindruck, dass er ihr Halt gibt, genauso wie sie ihm. „Er ist mein Ein und Alles“, sagt die alleinstehende Frau. Es ist dieser Hund, der sie durch schwere Zeiten trägt. Und es sind Menschen wie Bettina Reichel und das Team der Tiertafel, die dafür sorgen, dass diese Bindung nicht an Geldscheinen scheitert.
Tierärzte und Spenden: Hilfe für kranke Tiere in Not
Auch die Tierärzte erkennen die wirtschaftliche Not derer an, die bei der Tiertafel Hilfe suchen. „Wir erhalten einen kleinen Tierschutz-Rabatt von den Ärzten, mit denen wir zusammenarbeiten“, sagt Bettina Reichel. Ohne Spenden würde das nicht gehen. Gut wäre, wenn sich die Geldgeber zu Paten für dauerhaft kranke Tiere erklärten. „Es sind keine Riesenbeträge – vielleicht 25 Euro im Monat.“ Natürlich erhalte jeder eine Spendenquittung.
Dem Fotografen schenkt Simba sein Vertrauen. Lässt sich in aller Ruhe ablichten. Als schiene er zu wissen: Ich bin krank, ja – aber geliebt. Und diese Liebe ist stärker als jede Diagnose, stärker als jede Rechnung, stärker als die Verzweiflung, die Ingrid in den vergangenen Monaten oft heimgesucht hat.
Als die Besucher die Wohnung verlassen, kann es Simba kaum erwarten, ins Freie zu kommen. Er bellt und wirkt auf einmal recht vital. „Simba ist stark, man muss ihn gut festhalten“, sagt die Cousine. Ingrid nimmt ihre Gehhilfe, Bettina Reichel den Hund an die Leine. Auch wenn Frauchen und Simba es gerade nicht leicht haben, bleibt es dabei: Zwei, die einander brauchen – und füreinander kämpfen.
Wie kann man helfen?
Konto
Wer spenden möchte, kann dies unter dieser Bankverbindung: Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn, Kreissparkasse Ludwigsburg, IBAN DE 1160 4500 5000 3019 8762.
Sachspenden
Wer die Tiertafel mit einer Sachspende unterstützen möchte, sollte im Internet unter https://www.tiertafel-lb-hn.de/spenden/ Kontakt aufnehmen.