Not macht erfinderisch Darum wechseln die Bietigheimer Handballer so oft den Trikotsponsor

Von Andreas Eberle 

Der Hemdenhersteller Olymp ist bei den Bietigheimer Handballern als Hauptsponsor ausgestiegen. Deshalb müssen die nun neue Geldgeber suchen – und scheuen dafür keinen Aufwand.

Ob das Maskottchen Viaduck  den Handballern auch Glück bei der Sponsorensuche bringt? Foto: Baumann
Ob das Maskottchen Viaduck den Handballern auch Glück bei der Sponsorensuche bringt? Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen - Die Beflockungsfirma der SG BBM Bietigheim hat in der neuen Spielzeit alle Hände voll zu tun: 17-mal, zu jedem Heimduell der Herren, muss das Asperger Unternehmen AR Sport die Trikots der Zweitliga- Handballer neu bedrucken – mit den Namen vieler verschiedener Sponsoren. Der Grund für den Aufwand ist eine Vermarktungsidee der SG.

Nach dem Abstieg der Mannschaft und dem Ausstieg von Olymp als Hauptsponsor rief der Verein das Konzept „74321 – gemeinsam Hauptsponsor“ ins Leben. 74321 ist die Postleitzahl von Bietigheim-Bissingen. Für 7432,1 Euro also können Firmen in dieser Saison für einen Spieltag als Hauptsponsor auftreten. Zu den Gegenleistungen zählen die Trikotwerbung, LED-Bandenwerbung, ein Pro­motionstand, VIP-Karten, eine Präsenz in der Arena und auf der Homepage sowie Werbematerialien. „Von den Vorteilen eines Hauptsponsors profitieren und den Aufwand auf mehrere Schultern verteilen – das ist die Idee, die dahintersteckt“, erklärt Geschäftsführer Bastian Spahlinger.

Eine vielseitige Postleitzahl

Die Aktion kam bisher gut an. Die Vorrunde ist bereits komplett vermarktet, nur für eine Handvoll Rückrundenpartien sucht der Zweitligist noch nach Partnern. Durch die Kampagne hat die Spielgemeinschaft auch einige neue Förderer gewonnen. Die Einzelhandelskette Aldi Süd ist sogar gleich als Premiumpartner eingestiegen. Doch auch kleinere Sponsoren hat der Zweitligist im Blick. So können Firmen die Aktion schon ab einem Betrag von 743,21 Euro (für ein Kartenkontingent) unterstützen. „Damit sich die SG und auch die Sportstadt Bietigheim perspektivisch in der ersten Liga etablieren können, ist eine breite Unterstützung wichtig“, betont Spahlinger. „Als gebürtigen Bietigheimer macht es mich stolz zu sehen, welche Power in meiner Heimatstadt und der Region steckt.“

Pro und Kontra: Kann Sponsoring der Kultur schaden?

Etwa 150 Unternehmen umfasst der Sponsorenpool der SG BBM aktuell, aufgeteilt in Hauptsponsoren (Bietigheimer Wohnbau, Stadtwerke), Exklusivpartner (Kreissparkasse, Wiesbauer, Südwert), Premiumsponsoren und weitere Team-Werbepartner. Spahlinger zufolge decken die Sponsorengelder im Männer-Profibereich zwei Drittel des Etats von rund zwei Millionen Euro ab. Der Rest stammt aus Zuschauereinnahmen und Merchandising.

Leidgeprüfte Steelers

Wie es ist, plötzlich keinen Hauptsponsor mehr zu haben, wissen auch die Bietigheim Steelers – aus leidvoller Erfahrung. Fast 15 Jahre befand sich der Eishockeyclub dank Porsche und dessen wirtschaftlichem Umfeld in der Komfortzone. Zwei Millionen Euro flossen Jahr für Jahr in den Etat der Zweitligaprofis – bis der Autobauer 2009 ausstieg und sich der Club finanziell völlig neu und vor allem breiter aufstellen musste. Heute steuern 110 Sponsoren etwa 1,3 Millionen Euro zum Gesamtbudget von drei Millionen Euro bei. Anders als bei den SG-Handballern machen hier also die Zuschauereinnahmen den Löwenanteil aus.

Erst vor zwei Wochen hat Geschäftsführer Volker Schoch die Chefs von 777 Unternehmen in der Region persönlich angeschrieben, mit dem Ziel, die Sponsorenbasis zu verbreitern. „Wir sind dankbar über jeden, der uns unterstützt – besonders über die Partner, die seit Jahren treu zum Verein stehen“, sagt Schoch. Dennoch sucht er nach wie vor einen Hauptsponsor – und setzt dabei ganz besonders auf ein Argument: Ab der Saison 2020/21 ist die Deutsche Eishockey-Liga keine geschlossene Gesellschaft mehr, ein Aufstieg in die erste Liga ist dann endlich möglich. Deshalb kann Geschäftsführer Schoch durchaus zuversichtlich sagen: „Wir hoffen, dass sich dadurch etwas bewegt.“