Die Stadt Winnenden schlug Mitte der Woche Alarm: Eltern, deren Kinder in einer der 20 städtischen Kitas betreut werden, müssten sich aufgrund des krankheitsbedingten Personalmangels auf Notbetreuungen und kürzere Öffnungszeiten einstellen. Bis zu 40 Krankheitsfälle pro Tag und mehr seien nicht mehr zu kompensieren. Fast jede der 20 kommunalen Einrichtungen sei von Ausfällen betroffen.
Das Notprogramm sei unumgänglich: „Hintergrund sind hier rechtliche Vorgaben bezüglich der Mindestpersonalbesetzung, die in den einzelnen Kindertageseinrichtungen gewährleistet sein müssen. Sind diese unterschritten, muss die Stadt als Träger der Kindertageseinrichtungen Einschränkungen im Betrieb vornehmen“, erklärte eine Sprecherin der Stadt. Dies können dann verkürzte Öffnungszeiten in Ganztagsbetreuungen sein, aber auch die Zusammenlegung von Gruppen zu einer „Notgruppe“. Dort würden nur diejenigen Kinder aufgenommen, deren Eltern keine Möglichkeit haben, ihr Kind selbst zu betreuen oder zum Beispiel durch Großeltern, Freunde und andere Kindergarteneltern. „Hier ist natürlich eine Solidarität unter den Eltern gefragt“, so die Sprecherin weiter.
Der Stadtverwaltung und den Kindertageseinrichtungen sei bewusst, dass – insbesondere eine kurzfristig angekündigte – Einschränkung des Kitabetriebs berufstätige Eltern vor große Probleme stelle. „Es wird deshalb vonseiten der Kitas alles versucht, dies zu vermeiden. Allerdings übersteigen die derzeit derart hohen Ausfallzahlen die Möglichkeiten, die durch Vertretungseinsätze, Dienstplanverschiebungen, Einsatz von Teilzeitkräften ansonsten bestehen.“
In Winnenden werden rund 750 Kinder in städtischen Einrichtungen betreut. Es sind etwa 210 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – allerdings zum Teil mit sehr geringen Beschäftigungsumfängen – beschäftigt. In dieser Zahl sind Auszubildende, Sprachförderkräfte und Integrationskräfte zur Eingliederung von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf ebenfalls aufgeführt.
Notfallplan in Backnang
Auch Backnang ist von Krankheitsfällen beim Personal betroffen. Dort betreuen in der Regel 233 Fachkräfte (inklusive Ausbildung und Integration) 940 Kinder in 23 Kitas. Während man in den vergangenen Wochen noch über die Runden kam, spitzte sich die Situation in den vergangenen Tagen zu: „Seit 30. November fallen uns derzeit täglich über 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter krankheitsbedingt aus“, teilt ein Sprecher der Stadt mit. Am Nikolaustag musste wegen des hohen Krankenstandes in Backnang eine städtische Einrichtung komplett geschlossen werden, eine Kita wurde teilweise geschlossen. Am Freitag gab es immerhin nur eine Teilschließung.
Um die Betreuung möglichst gut aufrechtzuerhalten, gebe es mittlerweile mit 22 Springkräften einen großen Vertretungspool. „Außerdem haben wir in allen Kindertagesstätten einen Notfallplan zum Personalausfall, welcher an die Eltern kommuniziert wurde.“ Gesonderte Notgruppen würden in Backnang keine gebildet. Prekäre Situationen werden dem Kommunalverband für Jugend und Soziales mit der Bitte um Hilfestellung gemeldet.
Springkräfte in Schorndorf
In Schorndorf zieht man die Bildung von Notgruppen der Schließung von Einrichtungen vor, teilt ein Sprecher der Verwaltung mit. Die Stadt Schorndorf hat 15 eigene Kitas und betreut dort mehr als 700 Kinder. Aktuell sind 141 Fachkräfte im pädagogischen Bereich angestellt. Zusätzlich sind noch Personen im Freiwilligendienst und weitere Unterstützungskräfte für die Essenszubereitung im Einsatz. „Als städtischer Träger haben wir vereinzelt Kürzungen der Öffnungszeit – zweimal in den vergangenen Wochen – vornehmen müssen.“ In einer Einrichtung habe die Stadt aktuell eine Notbetreuung eingerichtet. „Wir sind dankbar über die Flexibilität unserer Mitarbeitenden und sind hier auch im Austausch mit den Führungskräften“, heißt es vonseiten der Stadt. „Darüber hinaus setzen wir wie auch andere Träger Springkräfte ein, um akute Ausfälle auszugleichen.“ Bei einer extrem hohen Anzahl an Ausfällen sei jedoch auch dies nicht mehr möglich. „Das ist abhängig von der Personenanzahl, die ausfällt. Die Führungskräfte in den Kitas passen je nach Situation die Dienst- und Personaleinsatzpläne an“, so der Sprecher weiter: „Darüber hinaus setzen wir Springkräfte ein oder passen die pädagogischen Angebote an und legen Gruppen, sofern konzeptionell möglich, zusammen.“ Die weiteren Schritte seien dann die Anpassung von Öffnungszeiten und nachfolgend die Einrichtung einer Notbetreuung, sofern notwendig. Teil- und Gruppenschließungen seien der letzte Schritt ebenso wie die Verschiebung von Eingewöhnungszeiten.
Keine Schließung in Waiblingen
Auch die städtischen Kindertageseinrichtungen in Waiblingen verzeichnen nach den Angaben der Pressesprecherin Gabriele Simmendinger einen hohen Krankenstand. Schließungen gebe es derzeit aber dennoch keine. „Der Einsatz von Spring-Fachkräften und Unterstützungskräften gewährleistet in vielen Einrichtungen noch die regulären Betreuungszeiten.“ Derzeit habe man lediglich in zwei Einrichtungen die Betreuungszeit auf 15 Uhr kürzen müssen. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Einrichtungen dem Beispiel folgen müssen. „Wir hoffen jedoch, dass die Krankheitswelle demnächst wieder abebbt.“
Welle spürbar in Weinstadt
Die Krankheitswelle sei spürbar, sagt eine Sprecherin der Stadt Weinstadt. Alle verfügbaren Vertretungs- und Springkräfte seien derzeit im Einsatz. Angebotseinschränkungen müssten Eltern in den städtischen Kitas aktuell aber nicht in Kauf nehmen. Sie sollen in Extremfällen auch nur das letzte Mittel sein. Zuvor würden Teilzeitkräfte gebeten, vorübergehend aufzustocken und Gruppen in Randzeiten zusammengelegt.
Anstieg in Fellbach
Grundsätzlich steigen auch in Fellbach die Infektionen, und der Krankenstand erhöht sich, heißt vonseiten der Stadtverwaltung: „Bisher konnten wir aber komplette Schließungen vermeiden. In Einzelfällen kam es aber kurzfristig zu verringerten Öffnungszeiten – dann meist an einzelnen Tagen um 30 oder 60 Minuten.“ Alle Erzieherinnen und Erzieher appellierten an die Eltern, kranke Kinder nicht in die Einrichtungen zu schicken. Das würde dazu beitragen, die Infektionen nicht noch mehr anzukurbeln und damit allen nutzen.