Notfallhilfe Der Kreis ringt mit den Rettungsfristen

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Seit Jahren ringt der Landkreis darum, die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfristen für Notärzte und Rettungswagen einzuhalten. Nicht-öffentliche Zahlen zeigen: es gibt noch Baustellen, aber der Trend ist positiv.

Schnell in die Klinik! Kein leichter Job für die Notfallretter. Foto: dpa
Schnell in die Klinik! Kein leichter Job für die Notfallretter. Foto: dpa

Ludwigsburg - Götz Geldner ist zwar kein Zahnarzt. Dennoch musste der Chefarzt der Intensivstation am Klinikum Ludwigsburg dem Landrat Rainer Haas bei der Sitzung des Technischen Kreistags-Ausschusses einen Zahn ziehen. Das Landratsamt, hatte Haas am Montag gesagt, arbeite daran, dass bei 95 Prozent aller Notarzteinsätze im Kreis die Hilfe binnen 15 Minuten eintreffe – so, wie es vorgeschrieben ist. Bezogen auf den ganzen Kreis sei das zwar machbar, widersprach Geldner. „Aber ich glaube nicht, dass in jeder Gemeinde die 95 Prozent immer möglich sein werden.“

Aus medizinischer Sicht sei das aber kein Grund zur Panik. „Die Versorgungswerte im Landkreis sind sehr gut.“ Die vorgeschriebenen 15 Minuten als Hilfsfrist für Notärzte und Rettungswagen gebe es nur im Südwesten und seien „eine völlig willkürliche Zahl“, sagte Geldner. Bezogen auf die Rettungswagen werde diese Quote auch praktisch überall zumindest annähernd erfüllt. In den meisten Notfällen, zum Beispiel bei Schlaganfällen, sei es wichtig, dass binnen einer Stunde Hilfe da sei. Entscheidend sei, dass der Patient in das richtige, spezialisierte Krankenhaus komme.

„Überhaupt kein Verständnis!“

Die Statistik zur Einhaltung der Hilfsfrist bekam die Öffentlichkeit allerdings nicht präsentiert. Eine diesbezügliche Initiative beim Innenministerium sei gescheitert, sagte der Landrat. „Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür“, wetterte Haas. Der Kreisverwaltung sei es „jedenfalls nicht egal, wie es im einzelnen Ort aussieht“. Auch wenn die Gesamtzahlen im Kreis laut Gesetz den Ausschlag geben.

Hinter verschlossenen Türen ließ Haas anschließend die ortsbezogene Statistik zwar an die Kreisräte verteilen – sie wurden aber eilig wieder eingesammelt: Haas’ Stellvertreter Utz Remlinger hatte es versäumt, die Einsätze des Rettungshubschraubers aufzuführen. Laut dem Rettungsgesetz muss die Hilfe „bodengebunden“ rechtzeitig da sein. Doch ohne die jährlich rund 300 Einsätze des in Pattonville stationierten Helikopters Christoph 51 sehen die notärztlichen Rettungsfristen in einzelnen schwierigen Ecken – vor allem im Strohgäu – schlecht aus.

Der Hubschrauber schafft Linderung

In Eberdingen wäre der Notarzt im vergangenen Jahr nur in knapp 55 Prozent aller 61 Einsätze rechtzeitig da gewesen. Mit Hubschrauber erhöhte sich die Quote auf mehr als 70 Prozent (siehe Tabelle). In der Praxis interessiere die Betroffenen nicht, woher die Hilfe komme, sagte Götz Geldner. Der Landrat wollte, so ist zu hören, vermeiden, dass die schlechteren Quoten ohne weitere Erläuterungen publik werden.

Die Gesamtquote der eingehaltenen Hilfsfristen ging voriges Jahr zwar leicht zurück auf 90,16 Prozent. Das liegt aber vor allem am deutlichen Anstieg der Einsatzzahlen. Deutliche Verbesserungen der Quote wurden im Bottwartal erreicht. Der in Oberstenfeld niedergelassene Arzt Manfred Frenzel ist faktisch rund 300-mal pro Jahr als Notarzt im Einsatz. Offiziell fließt das aber erst ab 2013 in die Statistik ein. Die Gemeinde Oberstenfeld allein kam schon ohne Frenzels Einsätze auf 68 Prozent und wird sich mit ihnen rapide der gesetzlichen Frist nähern. In den Strohgäu-Kommunen sieht der zuständige Bereichsausschuss, in dem die Krankenkassen und die Rettungsdienste sitzen, noch Verbesserungsbedarf. So soll die Einsatzzeit des Ditzinger Notarztwagens tagsüber deutlich verlängert werden. Die Rede ist von bis zu zwölf Stunden täglich. Zudem wird derzeit mit Stuttgart verhandelt. Denn die Ditzinger Helfer rücken oftmals in Stuttgarts schwierige Ecken, etwa Weilimdorf, aus und fehlen dann manchmal im Strohgäu.

Verbesserungen für Vaihingen

Künftig sollen die Stuttgarter ihre Patienten mit eigenen Ärzten ins Krankenhaus begleiten. Ähnliche Effekte erhofft man sich auch durch Verhandlungen mit dem Enzkreis. So wird mit dem Krankenhaus Mühlacker abgeklärt, wie der dort stationierte Notarzt künftig für die Einsätze rund um Vaihingen/Enz besser und länger verfügbar sein kann.




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