Notfallvorsorge in Fellbach Eine Dose gibt Sicherheit

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Der Stadtseniorenrat Fellbach verteilt kleine Behälter, die alle wichtigen medizinischen und rechtlichen Informationen für Ersthelfer und Notärzte bereitstellen sollen.

Christine Hug, Rainer Strauß  (v. li.) und Vertreter des  Stadtseniorenrats präsentieren 1000  Notfall-Rettungsdosen. Foto: Patricia Sigerist
Christine Hug, Rainer Strauß (v. li.) und Vertreter des Stadtseniorenrats präsentieren 1000 Notfall-Rettungsdosen. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Opa liegt reglos auf dem Boden, der Notarzt stürmt in die Wohnung. Jetzt muss es schnell gehen, aber der Notfallmediziner und die Rettungssanitäter brauchen wichtige Informationen, nicht nur Name und Adresse des gestürzten Patienten. Bestehende Erkrankungen, Allergien und Unverträglichkeiten sind zu beachten. Und wer ist der Hausarzt und wer sind die nächsten Angehörigen, haben sie vielleicht eine Patientenverfügung?

Opa lebt alleine, kann sich nicht äußern. Für solche Notfälle sind die Rettungsdosen gedacht. Den Fellbacher Stadtseniorenrat hat das Konzept überzeugt. Am 13. und 14. Juli wird das erste Kontingent von 1000 Stück auf den Märkten in Fellbach und seinen Teilorten Schmiden und Oeffingen zum Selbstkostenpreis verteilt. Zwei Euro kostet das Gefäß aus Plastik mit dem vielleicht lebensrettenden Inhalt.

Die Idee zu den Notfalldosen kommt aus England

Das Konzept der Rettungsdosen ist einfach. Sie enthalten ein Datenblatt, auf dem die lebenswichtigen Informationen eingetragen sind: alles, was Erstversorger wissen müssen, vor allem die Medikamente, die der Patient einnimmt. „Man muss nicht fragen, muss nicht suchen. Oft bringt der Patient im Notfall gar nicht mehr alles zusammen“, sagt der Vorsitzende des Seniorenrats, Edwin Schmidt.

Etwas kurios ist der einheitliche Platz, an dem die Rettungsdosen in der Wohnung jedes teilnehmenden Menschen zu finden sein sollen. „Die Dosen sollten in der Innenseite der Kühlschranktür aufbewahrt werden“, sagt Christine Hug, die Leiterin der Stabstelle Senioren, Integration und Inklusion der Stadtverwaltung Fellbach. Dieser zentrale Ort wurde gewählt, damit Ersthelfer nicht in jeder Wohnung nach einem anderen Ort suchen müssen. „Kühlschrank gibt es nur einen in der Wohnung, Schränke dagegen viele“, sagt Edwin Schmidt. Mit der ungewöhnlichen Notfalldose in der Größe eines Gewürzstreuers geht es den Ersthelfern aber nicht so wie Liedermacher Reinhard Mey in „Ankomme Freitag, den 13.“, der – neben anderer Unordnung in der Wohnung – auf der Suche nach Lebensmitteln überraschend nur seinen Wecker im Kühlschrank fand. Dem Rettungsdienst weisen je ein Aufleber an der Wohnungstür und am Kühlschrank darauf hin, dass es gerade hier eine solche ­Dose gibt, am besten gut sichtbar in einem Seitenfach.

Das Angebot richtet sich nicht nur an Senioren

Die Idee zu den Notfalldosen kommt aus England, sagt der stellvertretende Vorsitzende Karl-Heinz Häußermann. In Schorndorf, als offenbar erster Stadt im Landkreis, ist sie aber auch schon eingeführt worden. „Wir haben vor einem Jahr ein Musterpäckchen erhalten und wie auch das Rote Kreuz die Döschen als sinnvoll angesehen“, sagt er. Also gingen die Seniorenvertreter auf Sponsorensuche und fand die Volksbank am Württemberg, die eine erste Tranche an Döschen finanziert hat.

Deren Mitarbeiter Rainer Strauß hat das Konzept überzeugt: „Es gibt den Menschen Sicherheit zu wissen, dass etwas vorhanden ist für den Notfall. Das beruhigt.“ So sieht es auch Christine Hug: „Der Zettel darin enthält wichtige medizinische Hinweise, eigentlich alles, was der Notarzt auf die Schnelle wissen muss. Die Notfalldose füllt eine Lücke ganz niederschwellig.“ Das beginnt schon beim Preis: „In Apotheken habe ich die Notfalldose zwischen fünf und neun Euro gesehen“, sagt der Vorsitzende des Seniorenrats Edwin Schmidt.

Wenn auf den Wochenmärkten nicht schon alle Notfallbehälter gekauft werden und einen Platz in einem Kühlschrank finden, soll ein Teil der ersten 1000 Exemplare in den Seniorenbegegnungsstätten, im Rathaus und den Verwaltungsstellen erhältlich sein. Wobei sich das Angebot nicht nur an Senioren richtet: „Jeder kann eine Dose erwerben, unabhängig vom Alter.“ Weil die Volksbank den Selbstkostenpreis bereits gedeckt hat, dienen die Einnahmen aus der Verteilung, um weitere Dosen zu besorgen und wiederum unter die Leute zu bringen.




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