Notrufzentralen Unter 112 soll immer jemand erreichbar sein

Von gig 

Der Notruf wird künftig weitergeleitet, wenn alle Leitungen belegt sind. Die Kreise Böblingen und Ludwigsburg haben eine Kooperation vereinbart. Wartezeiten sollen vermieden werden, damit die Einsatzkräfte schnell helfen können.

Die Landräte Rainer Haas und Roland Bernhard lassen sich von Andreas Leutwein (hinten von rechts), dem Leiter der Integrierten Leitstelle in Böblingen, die  Technik und die Arbeit  in der Einsatzzentrale erklären. Foto: factum/Granville
Die Landräte Rainer Haas und Roland Bernhard lassen sich von Andreas Leutwein (hinten von rechts), dem Leiter der Integrierten Leitstelle in Böblingen, die Technik und die Arbeit in der Einsatzzentrale erklären. Foto: factum/Granville

Weil im Schönbuch - Der Kampf gegen die Uhr wird jetzt gemeinsam geführt. Mitunter verstreichen zurzeit noch wertvolle Sekunden, bis im Notfall die Einsatzkräfte auf den Weg geschickt werden. Dann nämlich, wenn in den Integrierten Leitstellen die Notrufnummer 112 besetzt ist. Das soll sich in den Kreisen Böblingen und Ludwigsburg nun ändern. Die Landräte Roland Bernhard (Böblingen) und Rainer Haas (Ludwigsburg) unterzeichneten am Montag einen Kooperationsvertrag. Mit ihm soll sichergestellt werden, dass es für die Anrufer keine Wartezeiten mehr gibt. Um ihre Anliegen kümmern sich künftig sowohl die Mitarbeiter in der Leitstelle Böblingen als auch in Ludwigsburg.

Datenabgleich der Kreise

„Es ist wichtig, die Kräfte zu bündeln und die personellen Ressourcen gegenseitig besser zu nutzen“, erklärte Roland Bernhard. Dabei freilich seien nach wie vor die Ortskenntnisse ausschlaggebend. Damit die Mitarbeiter in den Einsatzzentralen bei einem weitergeleiteten Anruf aus dem anderen Kreis sofort im Bilde sind, wo sich der Einsatzort für die Feuerwehr und die Rettungskräfte genau befindet, sollen die erforderlichen Daten in die Computersysteme eingespeist werden und mit wenigen Klicks abrufbar sein. Dieser Datenabgleich wird demnächst vorgenommen. „Wir wollen damit bis Ende des Jahres fertig sein“, unterstrich Gerhard Fuchs, der Böblinger Leiter des Rettungsdienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). „Bis wann das gemeinsame Informationssystem zur Verfügung steht, hängt von den Firmen ab, die den Auftrag dafür bekommen“, erklärte Fuchs weiter.

An der Dringlichkeit des Vorhabens gebe es überhaupt keinen Zweifel, betonte der Landrat Haas. „Die Anforderungen in der Leitstelle sind in den letzten Jahren immer höher geworden, weil die Bereitschaft der Bürger wahnsinnig gewachsen ist, einen Notarzt zu holen“, sagte der Ludwigsburger Landrat. In immer mehr Fällen sei das eigentlich nicht nötig. „Der Disponent in der Leitstelle kann das aber nicht beurteilen und muss im Zweifelsfall einen Rettungswagen losschicken“, sagte Haas.

Zahl der Einsätze deutlich gestiegen

Die Zahl der von der Leitstelle in Ludwigsburg initiierten Einsätze lag 2003 bei 59 745 und hat sich bis zum vergangenen Jahr fast verdoppelt. 104 836 Mal rückte der Rettungsdienst aus, die Feuerwehr 4741 Mal. Noch drastischer gestiegen ist die Zahl der Einsätze im Kreis Böblingen in diesem Zeitraum. Vor 15 Jahren wurden die Rettungskräfte und die Feuerwehr noch insgesamt 29 493 Mal benötigt. Im vorigen Jahr kam der Rettungsdienst auf 73 996 Einsätze, die Feuerwehr auf 2519. „Die Lage spitzt sich zu“, resümiert Landrat Bernhard.

Nach den gesetzlichen Vorgaben soll ein Rettungswagen in 95 Prozent der Fälle nicht länger als 15 Minuten brauchen, um vor Ort zu sein. Laut Manfred Hormann dem DRK-Geschäftsführer des Kreises Ludwigsburg, wird das Ziel in seinem Sprengel knapp verfehlt. Seinen Angaben zufolge erfüllte die Notfallrettung zuletzt in 93,6 Prozent der Fälle die Vorgabe. Lediglich 92,4 Prozent der Notarzteinsätze waren noch im Zeitrahmen. Und auch der Kreis Böblingen hat Verbesserungsbedarf, zumindest was die Anfahrtszeit des Notarztes anbetrifft. „Da liegen wir bei knapp 94 Prozent“, bilanzierte der DRK-Rettungsdienstleiter Fuchs. Immerhin liegt bei ihm die Notfallrettung mit 96,7 Prozent im grünen Bereich.

Einsatzkräfte sollen schneller vor Ort sein

Der Landrat Bernhard sprach davon, dass man ein gemeinsames, „intelligentes und effizientes Konzept“ erarbeiten und auch die Technik ausbauen könne, damit die Notrufe noch rascher an die Helfer weitergeleitet werden und die Einsatzkräfte wertvolle Sekunden gewinnen. An den Kompetenzen hier wie dort solle jedoch nicht gerüttelt werden. Bernhard geht auch bei einer engen Kooperation weiterhin von eigenständigen Leitstellen aus. „Das, was wir vorhaben, ist keine Fusion“, untermauerte der Böblinger Landrat. Die nun vereinbarte Zusammenarbeit solle nicht eine Vorstufe zu einer künftigen regionalen Leitstelle sein. Sowohl die Einrichtung in Ludwigsburg als auch die in Böblingen funktioniere gut. Man wolle sich aber helfen, „wenn Not am Mann ist“.