Notunterkünfte in Filderstadt Flüchtlinge sollen in drei Zeltstädten überwintern

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Spätestens bis zum Jahresende sollen in Bernhausen, Plattenhardt und Bonlanden drei provisorische Unterkünfte für insgesamt 300 Asylbewerber entstehen. Oberbürgermeister Christoph Traub spricht von einer „absoluten Notmaßnahme“.

Als Standort für eine Notunterkunft ins Auge gefasst: der Parkplatz am Sportzentrum Weilerhau in Plattenhardt. Foto: Sascha Schmierer
Als Standort für eine Notunterkunft ins Auge gefasst: der Parkplatz am Sportzentrum Weilerhau in Plattenhardt. Foto: Sascha Schmierer

Filderstadt - Bei der Suche nach Standorten für die Unterbringung von Asylbewerbern muss sich die Lokalpolitik in Filderstadt zu einer unliebsamen Entscheidung durchringen. Um den Nachholbedarf der zweitgrößten Kreiskommune bei der Versorgung von Flüchtlingen zeitnah zu decken, soll in den drei Stadtteilen Bonlanden, Plattenhardt und Bernhausen bis Jahresende jeweils eine Zeltstadt für hundert Menschen aus dem Boden wachsen.

Festplatz war auf Druck der Räte in der Schublade gelandet

Als auch kurzfristig mit Wasser und Strom versorgbaren Standort für eine Notunterkunft ins Auge gefasst hat die Stadt den Festplatz im Stadtteil Bonlanden. Das bereits auf der Prioritätenliste für die Erstunterbringung notierte Areal war erst jüngst auf Druck der Stadträte wieder in der Schublade verschwunden. Außerdem soll eine Zeltstadt auf der Parkfläche beim Sportzentrum Weilerhau im Stadtteil Plattenhardt entstehen.

In Bernhausen wird ein Grundstück am Ende der La-Souterrainer-Straße als vorübergehendes Flüchtlingsquartier dienen. Das unmittelbar an den Festplatz beim Jugendzentrum angrenzende Gelände wird aktuell als Sammelplatz von Erdaushub und Baumaterial für die Errichtung der Musikschule Filum genutzt. Auf dem benachbarten Bolzplatz will die Stadt für drei Millionen Euro ein Wohnheim für die Anschlussunterbringung errichten. Frei bleibt mit dem Beschluss der gern als Ausweichparkplatz fürs Kongresszentrum Filharmonie genutzte Festplatz.

Drei Tage nach der Information fiel die Entscheidung

Oberbürgermeister Christoph Traub hatte erst bei der Bürgerversammlung am Freitag betont, dass „auch Filderstadt der Verantwortung gerecht“ werden müsse. Bis zum Jahresende müssten zusätzliche 300 Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf erhalten. Nur drei Tage später machten Rathauschef und Bürgervertreter bereits Nägel mit Köpfen. Hinter verschlossener Türe entschied der Gemeinderat, die drei Standorte für Notunterkünfte anzubieten.

Schließlich hat Filderstadt laut dem Esslinger Landrat Heinz Eininger gerade mal zwei Drittel seiner Aufnahmequote erfüllt. Als Alternative für die drei Zeltstädte als Flüchtlingsquartier wäre offenbar nur die Nutzung von Sporthallen und Festsälen in Betracht gekommen. Den Verdacht, dass die beiden übrigen Stadtteile bei der Standortsuche für Notunterkünfte bewusst ausgespart blieben, wies der Rathauschef am Mittwoch zurück. In der Sielminger Seestraße sind 160 Asylbewerber untergebracht, in Harthausen plant der Kreis ein Wohnheim für 100 Flüchtlinge. Traub: „Wir haben nach geeigneten Plätzen geschaut, nicht nach gleichmäßiger Verteilung“.

Erschließung des Schinderbuckels würde zu lange dauern

Gedacht ist bei den vom Kreis Esslingen organisierten Notunterkünften offenbar an winterfeste Zelte mit Holzfußboden, um den Flüchtlingen über die kalte Jahreszeit wenigstens ein provisorisches Dach über dem Kopf zu verschaffen. Ein Containerdorf scheint nur zweite Wahl zu sein – durch den massiven Anstieg der Asylbewerberzahlen sind nicht nur die Preise für die Stahlboxen in die Höhe geschossen, sondern auch kaum noch Wohncontainer auf dem Markt verfügbar.

Keine Auswirkungen hat die Einrichtung der Zeltstädte übrigens auf die für die Erstunterbringung von Asylbewerbern vorgesehenen Flächen. Erst vor wenigen Wochen hatte das Rathaus dem Landkreis ein Areal am Schinderbuckel am Ortsrand von Bonlanden und eine von privater Seite zur Verfügung gestellte Fläche im Gewerbegebiet Augenloch bei Bernhausen angedient. Für eine kurzfristige Notunterkunft eignen sich beide Grundstücke nicht, weil eine Erschließung mit Wasser, Strom und Kanalnetz mehrere Monate dauern würde.