Notunterkünfte in Filderstadt OB Traub: „Flüchtlingszelt ist nicht menschenwürdig“

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Bei der Notunterkunft auf dem Festplatz in Bonlanden pocht das Rathaus schon aus Platzgründen auf eine Containerlösung. Die Stadt erwartet, dass die provisorische Bleibe länger als ein Jahr besteht. Gespräche über ein Sicherheitskonzept laufen.

Die Bürgerinfo in der Uhlberghalle stieß auf großes Interesse – auch wenn es nicht auf alle Fragen eine Antwort gab. Foto: Sascha Schmierer
Die Bürgerinfo in der Uhlberghalle stieß auf großes Interesse – auch wenn es nicht auf alle Fragen eine Antwort gab. Foto: Sascha Schmierer

Filderstadt - Bei der Bürgerversammlung zur geplanten Notunterkunft auf dem Festplatz in Bonlanden hat Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub deutliche Kritik am behördlichen Umgang mit den auf Landkreise und Kommunen verteilten Flüchtlingen geübt. „Ein winterfestes Zelt sehen wir nicht als menschenwürdige Unterbringung an“, erklärte der im Juli gewählte Rathauschef am Dienstagabend vor gut 150 interessierten Besuchern in der Uhlberghalle. Statt einer Zeltstadt favorisiert die Verwaltung offenbar für alle drei diskutierten provisorischen Standorte eine Containerlösung.

Beim Festplatz in Bonlanden wird eine Unterbringung der etwa 100 erwarteten Asylbewerber in einem Zelt oder einer Traglufthalle aus Platzgründen sogar ausdrücklich abgelehnt. Hintergrund ist ein im Rathaus erstelltes Flächenlayout zum Festplatz, bei dem nicht nur die Apfelsaftpresse fürs Streuobst, sondern auch Laufwege zu Kindergärten und Schulen eingezeichnet sind.

Eine Zeltstadt würde deutlich mehr Platz beanspruchen

Laut Baubürgermeister Reinhard Molt beansprucht ein zweistöckig aufgebautes Containerdorf eine geschätzte Fläche von etwa 40 Meter Länge und rund 15 Meter Breite. Bei einer aus mindestens einem Schlafzelt und einer überdachten Kücheneinheit bestehenden Unterkunft würde sich der Platzbedarf nach den vom Landkreis gemeldeten Mustergrößen auf gut 50 Meter Länge und 20 Meter Breite erhöhen. Die technische Konstruktion der über ein Mehrkammersystem mit Luft befüllten Behausungen verglich Reinhard Molt beim Infoabend mit einer Hüpfburg.

Ob der Landkreis bei der Detailplanung auf die Wünsche der Stadt eingeht oder eigene Vorstellungen entwickelt, ist allerdings nach wie vor offen. Erst in der kommenden Woche soll es ein Gespräch zwischen Rathaus und Kreisbehörde über die konkrete Gestaltung der drei Notunterkünfte geben. „Wir nehmen die Sorgen und Nöte der Bürger auf“, erklärte Oberbürgermeister Christoph Traub – und versprach, die Anwohner der drei betroffenen Standorte notfalls jede Woche mit neuen Infos zu den geplanten Notunterkünften zu ver-sorgen.

Eine Fehlbelegungsabgabe schließt der Rathauschef aus

„Die Menschen in Filderstadt haben ein Recht, zeitnah zu erfahren, wie wir mit dem Flüchtlingsthema umgehen“, stellte der Rathauschef fest. Beifall erhielt Traub für die Ankündigung, städtische Festsäle und Sporthallen nur im äußersten Notfall mit Asylbewerbern belegen zu wollen. Auch eine Fehlbelegungsabgabe für leer stehenden Wohnraum nach Stuttgarter Vorbild schloss der CDU-Politiker aus.

Bekanntlich muss Filderstadt noch bis zum Jahresende etwa 300 Flüchtlinge in vom Landkreis organisierten Notunterkünften unterbringen. „Diese Menschen kommen nicht erst, sie sind schon da“, betonte der Rathauschef. Wann exakt mit der Ankunft der Flüchtlinge zu rechnen ist, welche Sprachen und Herkunftsländer sie haben und wie lange sie im provisorischen Quartier ausharren müssen, ist völlig unklar. Die Stadt rechnet jedenfalls nicht damit, dass es sich bei den drei Notunterkünften um wirklich kurzfristige Lösungen handelt. „Ich will keine Hoffnungen machen, dass die Dauer von einem Jahr unterschritten wird“, gab der OB zu.

„Ist denn die Moste wichtiger als unsere Kinder?“

Kritik am geplanten Standort auf dem Festplatz kam in Bonlanden am Dienstagabend durchaus zur Sprache. Eltern ist die unmittelbar an den Spielplatz des Kindergartens grenzende Lage des Containerdorfs ein Dorn im Auge. „Ist denn die Moste wichtiger als unsere Kinder?“ fragte eine besorgte Mutter. Druck aus der Debatte nahm die Stadt, als sie ein mit Polizei, Ordnungsamt und Kreis abgestimmtes Sicherheitskonzept ankündigte. Offenbar ist an rund um die Uhr eingesetzte Security gedacht, als Ansprechpartner ist zumindest tagsüber eine Sozialarbeiterin vor Ort.

Bei der Versammlung meldeten sich aber auch etliche Bürger zu Wort, die von positiven Erfahrungen mit Asylbewerbern berichteten. Eine als Mutter zweier Kinder einst selbst besorgte Anwohnerin erinnerte etwa an die 90er Jahre, als der Festplatz in Bonlanden wegen der Flüchtlinge aus dem Balkankrieg schon einmal mit einem Containerdorf belegt war. „Damals hatte ich auch Angst – und kann mich im Rückblick an keinen einzigen negativen Vorfall erinnern“, erklärte sie. Laut der auch fürs Flüchtlingsheim in der Sielminger Seestraße zuständigen Sonja Sambeth-Weber von der Arbeiterwohlfahrt belegt auch die polizeiliche Kriminalstatistik keinen Zusammenhang zwischen Flüchtlingsheimen und Belästigungsfällen.




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