Am Montag haben 100 Flüchtlinge aus dem Kosovo, Nigeria und Gambia die Turnhalle des Backnanger Berufschulzentrums bezogen. In der Notunterkunft sollen sie maximal drei Monate lang bleiben. Die Schule möchte ein Miteinander mit den neuen Nachbarn.

Backnang - Schokotäfelchen sollen den Flüchtlingen ihre Ankunft in der Backnanger Turnhalle versüßen. Auf jedem Bett liegt am Montag die kleine Willkommensgeste des Berufsschulzentrums bereit, zusammen mit Teller und Tasse. Daneben, in Plastik eingeschweißt: ein Paket aus Bettdecke, Kissen, einer Garnitur Bettwäsche sowie einem Topf. Bis zu neun Betten stehen in jedem Raum – soweit man von einem solchen sprechen kann. Mit Bauzäunen sind die einzelnen Abteile voneinander getrennt, umwickelt von einer nicht entflammbaren Plastikplane, die so etwas wie Privatsphäre ermöglichen soll. Türen gibt es keine. „Vieles ist der Eile geschuldet und dem Brandschutz“, sagt Joachim Frey vom Landratsamt. Etwa eine Woche hatte die Behörde Zeit, die Unterkunft einzurichten. „Die Unterbringung in einer Turnhalle ist Neuland für uns, auch wenn wir auf die Erfahrungen aus Esslingen zurückgreifen konnten“, sagt Frey. Dort wohnen seit Herbst rund 100 Flüchtlinge in der Halle eines Berufsschulzentrums.

 

In Backnang sollen die Asylbewerber maximal drei Monate lang in der Sporthalle leben: „Das soll eine Übergangslösung bleiben, denn das ist für uns die schlechteste Alternative“, sagt Joachim Frey. Eine Sozialarbeiterin hat ihr Büro in der Halle bezogen, sie soll sich um die 100 Männer aus Nigeria, Gambia und dem Kosovo kümmern. Zudem ist ein Sicherheitsdienst rund um die Uhr vor Ort. Mit der Schule wurden Regeln für das Zusammenleben auf dem Campus aufgestellt. „Es gibt keinen Zaun. Aber jeder hat seinen Lebensbereich, nur in diesem bewegt er sich. Wir respektieren die Rechte des anderen“, sagt die koordinierende Schulleiterin Isolde Fleuchaus.

Jede Sportstunde kann stattfinden

Für sie und ihre Kollegen hat die Einrichtung der Notunterkunft jede Menge Arbeit mit sich gebracht. Zum einen musste durch den Wegfall der Halle der Sportunterricht für 3500 Schüler umorganisiert werden. „Aber wir haben es geschafft, dass jede Sportstunde stattfinden kann“, sagt Fleuchaus. Teilweise werden dafür Sonderbusse eingesetzt und weite Wege in Kauf genommen – bis nach Waldrems müssen manche Klassen fahren. Zum anderen hat die Schulleitung Schüler, Lehrer und Eltern ständig über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten – auch um möglichen Konflikten vorzubeugen. „Ich habe das Gefühl, dass den Schülern mehrheitlich an einer friedlichen Lösung auf dem Campus gelegen ist“, erzählt sie.

Internationales Café und Sprachunterricht

Ziel ist es aber, dass es nicht nur beim Nebeneinander bleibt, sondern auch ein Miteinander entsteht. „Wir hatten schon ein Treffen mit Schülern und Lehrern, die sich gerne dafür engagieren möchten“, berichtet Fleuchaus. Ein Gruppe aus angehenden Fachinformatikern wolle Computer und W-Lan installieren, um den Flüchtlingen die Kommunikation zu erleichtern. Ein internationales Café sei angedacht. „Und weil ich glaube, dass es ein Schlüssel für Integration ist, würde ich gerne Deutschunterricht anbieten“, erzählt Isolde Fleuchaus. Freiwillige gebe es bereits, der Schul-Förderverein würde die Finanzierung übernehmen, ein konkretes Konzept soll nun erarbeitet werden. „Wir werden mit unseren Aktionen aber erst nach den Faschingsferien anfangen. Jetzt sollen die Flüchtlinge erst einmal ankommen.“