NS-Gedenkstätte in Stuttgart Hotel Silber wird kleiner

Das Hotel Silber vor der Baustelle im Dorotheenquartier. Foto: Zweygarth
Das Hotel Silber vor der Baustelle im Dorotheenquartier. Foto: Zweygarth

Das NS-Dokumentationszentrum im Hotel Silber schrumpft weiter, plötzlich benötigt die Haustechnik 200 Quadratmeter Fläche. Bürgerrechtler Roland Ostertag will das nicht hinnehmen.

Politik/ Baden-Württemberg: Thomas Faltin (fal)
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Stuttgart - Ursprünglich sollte das geplante NS-Dokumentationszentrum im Hotel Silber an der Dorotheenstraße rund 1500 Quadratmeter Fläche erhalten, dann einigten sich Stadt und Land auf eine reduzierte Größe mit 1000 Quadratmetern. Wie jetzt bekannt wurde, schmilzt diese Fläche weiter: Da bestimmte Anlagen für das gesamte Haus in den Räumen der Gedenkstätte untergebracht sind, stünden an Nutzfläche nur noch rund 800 Quadratmeter zur Verfügung, heißt es jetzt.

Das zuständige Finanzministerium wollte die Zahl von 800 Quadratmetern nicht bestätigen. Es sei aber immer klar gewesen, dass Lüftung und Heizung zwar erneuert, aber weiter im Untergeschoss blieben; deren Platzbedarf müsse von der Gesamtfläche abgezogen werden. Außer der Ausstellung und einem Veranstaltungsraum blieben nun fast keine Räume mehr übrig, kritisiert die Bürgerinitiative zum Hotel Silber. Das vergleichbare NS-Dokumentationszentrum in Köln, das ebenfalls in einer ehemaligen Gestapozentrale untergebracht ist, verfügt über 2850 Quadratmeter. In München steht ein ähnliches Haus kurz vor der Eröffnung. Dort umfasst allein die Ausstellung 1000 Quadratmeter.

Apell von Roland Ostertag

Dieses Missverhältnis hat der Stuttgarter Architekt und Bürgerrechtler Roland Ostertag zum Anlass genommen, in einem Brief nochmals an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne) zu appellieren, die Entscheidung zu überdenken. Es müssten mindestens die ursprünglich vorgesehenen, doppelt so hohen Mittel in die Haushalte von Stadt und Land eingestellt werden: „Die bestehenden Dokumentationszentren in anderen Städten beweisen, dass sie nicht nur angenommen werden, sondern zu den bestbesuchten Museen der jeweiligen Städte werden“, schreibt Ostertag. Stuttgart müsse deshalb in dieser Hinsicht aus „der Position Schlusslicht“ herauskommen.

Seinem Vorstoß werden aber auch in der Bürgerinitiative zum Hotel Silber, der Ostertag selbst angehört, keine großen Chancen zugerechnet. Der Vertrag zwischen Stadt und Land soll auch demnächst unterzeichnet werden. Auf eine Anfrage von SPD und SÖS/Linke antwortete OB Kuhn übrigens, dass der Gemeinderat „im Laufe des Herbstes“ vor der Unterzeichnung informiert werde – das bedeutet, dass der Gemeinderat danach also gar nicht über den Vertrag abstimmen soll.




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