NS-Geschichte auf dem Killesberg Reise in den Tod: Gedenken an Judendeportation

Vier Tage lang waren jüdische Männer, Frauen und Kinder im Höhenpark auf dem Killerberg eingepfercht, am 1. Dezember 1941 wurden sie deportiert. Foto: Stadtarchiv Stuttgart
Vier Tage lang waren jüdische Männer, Frauen und Kinder im Höhenpark auf dem Killerberg eingepfercht, am 1. Dezember 1941 wurden sie deportiert. Foto: Stadtarchiv Stuttgart

Am 1. Dezember 1941 starteten vom Nordbahnhof die Deportationstransporte von jüdischen Männern, Frauen und Kindern. Zuvor waren sie vier Tage auf dem Killesberg eingepfercht gewesen. Am dortigen Gedenkstein findet am Freitag, 30. November, eine Feierstunde statt.

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Killesberg - Der 1. Dezember 1941 ist ein schwarzer Tag in der Stuttgarter Stadtgeschichte: An jenem Montag vor 77 Jahren verließ ein Zug mit 1000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern den Nordbahnhof in Richtung Riga. Es war der Start der Deportationen. Für fast alle war es eine Reise in den Tod. Um an die schrecklichen Ereignisse zu erinnern, findet am Freitag, 30. November, eine Feierstunde im Höhenpark Killesberg statt. Sie steht unter dem Motto „Zukunft braucht Erinnerung“.

Ziel des Transports war die lettische Stadt Riga. Dort gab es das Lager Jungfernhof. Die Bedingungen waren unerträglich: Die Scheunen und Ställe, aus denen das Lager bestand, befanden sich in sehr schlechtem Zustand, zum Teil fehlten sogar die Dächer. Bei zweistelligen Minustemperaturen mussten viele Menschen im Freien liegen. Einige der Deportierten kamen wohl auch in das Ghetto von Riga, zahlreiche Männer in das Lager Salaspils 18 Kilometer südöstlich von Riga. Auch dort dürften die Zustände kaum besser gewesen sein.

Eine viertägige Zugfahrt in die Hölle

Das Martyrium der Verschleppten hatte allerdings schon früher begonnen: Seit dem 27. November 1941 waren Männer, Frauen und Kinder jüdischen Glaubens im Höhenpark auf dem Stuttgarter Killesberg zusammengepfercht worden. Sie kamen aus Stuttgart, aber auch aus vielen anderen Orten in Württemberg. Vorausgegangen war der Aktion ein Erlass der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) vom 18. November 1941 an Landräte und Polizeidirektoren. Darin heißt es unter anderem: „Im Rahmen der gesamteuropäischen Entjudung gehen zur Zeit laufend Eisenbahntransporte aus dem Altreich [...] nach dem Reichskommissariat Ostland. Württemberg ist daran zunächst mit einem Transport von 1000 Juden beteiligt, der am 1.12.1941 von Stuttgart aus abgeht.“

Vier Tage lang waren die Menschen in der so genannten Blumenhalle auf dem Killesberg eingesperrt, weitere vier Tage dauerte ihr Transport, bis sie am 4. Dezember schließlich Riga erreichten. Wie viele bereits unterwegs zugrunde gingen, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Fest steht aber, dass von den 1000 Juden des Transports keine 50 die NS-Zeit überlebten. Dem Transport vom 1. Dezember 1941 folgten noch elf weitere in Richtung Osten. Insgesamt sind etwa 2500 Menschen jüdischen Glaubens von Stuttgart aus verschleppt worden. In Stuttgart selbst lebten im Jahr 1933 laut den Angaben der Stadt 4876 Juden. 2106 von ihnen emigrierten von 1933 bis 1939. Nach Kriegsende gab es noch 150 Juden in der Stadt.

Damit all dies nicht vergessen wird, gibt es am Freitag, 30. November, von 12 Uhr an eine öffentliche Feierstunde am Gedenkstein im Höhenpark (Zugang über die Haltestelle Killesberg). Gestaltet wird sie von der evangelischen Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Isabel Fezer, dem Leiter der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Nord Pfarrer Jochen Maurer, Michael Kashi aus dem Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg sowie Schülerinnen und Schülern der Freien Waldorfschule am Kräherwald.




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