NS-Raubkunst in Stuttgart Landesbibliothek gibt 14 Bücher zurück

Von Armin Friedl 

Die Landesbibliothek Stuttgart hat 14 Bände an den Urenkel der jüdischen Familie Baruch zurückgegeben.

Baruch-Urenkel Lior Loren (M.), Projektmitarbeiterin Maria Nüchter und Galerieleiter Jörg Petersen Foto: Maria Nüchter
Baruch-Urenkel Lior Loren (M.), Projektmitarbeiterin Maria Nüchter und Galerieleiter Jörg Petersen Foto: Maria Nüchter

Stuttgart - Materiell ist der Wert überschaubar, in ideeller Hinsicht ist er jedoch sehr hoch anzusetzen: Die Württembergische Landesbibliothek hat an diesem Dienstag 14 Bände aus ihrem Bestand an den Urenkel des jüdischen Ehepaars Irma und Georg Baruch in Hamburg übergeben.

Das Kaufmanns-Ehepaar wurde am 8. September 1941 mit der Tochter Marion nach Minsk deportiert, der Sohn wurde in Auschwitz ermordet, lediglich die zweite Tochter konnte nach Israel emigrieren. Die Herkunft der Bücher, die jetzt wieder nach Hamburg gingen, ist zweifelsfrei: In allen befindet sich das Exlibris des Ehepaars, also eine Art Stempel. Ein Förderprogramm vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und des Landesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst macht es möglich, dass seit drei Jahren knapp 100 000 Bände nach dem Aspekt NS-Raubgut untersucht werden. Darunter wurden nun die 14 Bände des Ehepaars Baruch entdeckt.

Klassische Bildungsliteratur

Dazu die Projektmitarbeiterin Maria Nüchter: „Es handelt sich um klassische Bildungsliteratur des Bürgertums aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, hauptsächlich Belletristik und Gedichte. Das sind hier etwa die gesammelten Werke von Richard Dehmel und Detlev von Liliencron, Bücher von Hugo von Hofmannsthal, von Johannes Schlaf über den Schriftsteller Maurice Maeterlinck oder ein Essay über Aristoteles – also Bücher, die etwa zwischen 1906 und 1911 neu erschienen sind.“ Das Ehepaar Baruch hat diese Bücher nicht nur gesammelt, sondern auch gelesen. Nüchter: „Wir finden da immer wieder Gebrauchsspuren, an manchen ziemlich deutlich“. Das sind freilich alles Bücher, die in der einen oder anderen Auflage dieser Zeit heute noch gut bei den Antiquaren erhältlich sind. „Die gibt es heute dort für etwa 100 Euro“, schätzt Nüchter.

Viel Austausch in den Nachkriegsjahren

In die Landesbibliothek gekommen sind diese Bücher erst nach dem Zweiten Weltkrieg. „Im September 1944 wurde die Bibliothek samt Bestand nahezu komplett zerstört“, so Nüchter, „danach war das Bestreben groß, den alten Bestand wieder aufzubauen, etwa durch Ankäufe.“ Der Stuttgarter Apotheker Paul Braun, in dieser Zeit der Landesbibliothek verbunden, steuerte etwa die Baruch-Bücher bei. Generell tauschten sich die Bibliotheken in den Nachkriegsjahren viel aus, da ja bei allen der Bestand mehr oder weniger stark geschrumpft war.

Dieses Restitutions-Projekt läuft jetzt im September aus. Drei Rückgabe-Termine hat es nun gegeben, darunter gingen 100 Bände an eine Loge in Ludwigsburg. Einige weitere werden noch folgen, doch bei diesen geht es nur noch um einzelne Bücher.

Die Übergabe der Baruch-Bücher war an diesem Dienstag in der Hamburger Galerie Morgenland. Und sie werden nun wieder dafür genutzt, wofür sie einst erworben wurden: Für das private Lese- und Bildungsvergnügen.

Sonderthemen