NSU-Zeuge Florian H. Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen wieder auf

Bei den Ermittlungen zum Tod von Florian H. wurde geschlampt. Foto: dpa
Bei den Ermittlungen zum Tod von Florian H. wurde geschlampt. Foto: dpa

Am 16. September 2013 verbrennt Florian H. in seinem Auto am Cannstatter Wasen - die Polizei legt den Fall rasch als Suizid zu den Akten. Doch bei den Ermittlungen wurde geschlampt. Jetzt rollt die Staatsanwaltschaft den Fall wieder auf.

Stuttgart - Die Polizeipanne im Fall des früheren Neonazis und möglichen NSU-Zeugen Florian H. ruft die Staatsanwaltschaft Stuttgart erneut auf den Plan. Die Anklagebehörde nimmt das im April 2014 eingestellte Todesermittlungsverfahren wieder auf, teilte eine Behördensprecherin am Montag mit. Grund seien neue Erkenntnisse, die im NSU-Untersuchungsausschuss zutage gefördert worden waren.

Florian H., der aus der rechten Szene ausgestiegen war, starb im September 2013 in einem brennenden Auto in Stuttgart. Die Ermittler gehen seither von einer „Suizid“-These aus. Der Landtagsausschuss soll Kontakte und Aktivitäten des NSU im Südwesten sowie die Aufklärungsarbeit der Behörden beleuchten.

Spurensicherung übersieht Machete und Pistole

Die Familie hatte den Wagen vor der Verschrottung bewahrt und darin einige Gegenstände gefunden, die die Polizei offenbar übersehen hat. Die Sachen wurden dem NSU-Ausschuss übergeben. Darunter sind eine Pistole, eine Machete, ein Feuerzeug und ein seit langem vermisstes Schlüsselbund. Die Polizei muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, bei ihren Ermittlungen zum angeblichen Suizid des früheren Neonazis schlampig gearbeitet zu haben.

Florian soll gewusst haben, wer die Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn getötet haben soll. Der Mord wird den Rechtsterroristen des NSU zugerechnet. Am Tag seines Todes sollte Florian eigentlich noch einmal von der Polizei befragt werden.

Opposition greift Gall an

Auch Innenminister Reinhold Gall (SPD) steht unter Druck: CDU und FDP forderten ihn auf, eine Fehleranalyse vorzunehmen und daraus Schlüsse zu ziehen, damit so etwas nicht wieder passiert.

#Innerhalb der Polizei gibt es schon erste Konsequenzen. Landespolizeipräsident Gerhard Klotter sprach von einem „eklatanten Vorwurf“. Eine neu eingerichtete Interne Revision werde die Ermittlungen des Polizeipräsidiums Stuttgart lückenlos aufarbeiten, kündigte er in der vergangenen Woche an.




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