Nürtingen Aufsichtsbeschwerde gegen Denkmalamt

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Der Nürtinger Hölderlinverein wehrt sich gegen den Umbau des Hölderlinhauses.

Das  Hölderlinhaus soll ein Teil eines neuen Bildungszentrums werden. Foto: Horst Rudel
Das Hölderlinhaus soll ein Teil eines neuen Bildungszentrums werden. Foto: Horst Rudel

Nürtingen - Das Nürtinger Hölderlinhaus steht nicht auf der Liste der geschützten Kulturdenkmale des Landes. Doch nach Überzeugung des Vereins Hölderlin-Nürtingen ist das Gebäude, in dem der Dichter Friedrich Hölderlin aufgewachsen ist, sehr wohl ein Kulturdenkmal. Deshalb will sich der Verein auch nicht mit den Modernisierungsplänen der Stadt Nürtingen abfinden. Vorgesehen ist, das Gebäude zu entkernen, das Innere durch eine Holzkonstruktion zu ersetzen, das Haus aufzustocken und es als Teil eines künftigen Bildungszentrums für die Volkshochschule zu nutzen. Da der Verein Behördenfehler- und -versäumnisse sieht, hat er jetzt beim Wirtschaftsministerium eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Denkmalbehörde eingereicht, wie die Vereinsvorsitzende Ingrid Dolde am Donnerstag bekannt gab.

Verein warnt vor der Zerstörung eines Kulturdenkmals

Der Streit um das Hölderlinhaus dauert nun schon ein Jahrzehnt. „Der ,worst case‘ wäre der Abriss gewesen, und die Totalentkernung ist der ,zweite worst case‘“, warnt Ingrid Dolde. Würden die Pläne der Stadt tatsächlich umgesetzt, so käme dies der Zerstörung eines Kulturdenkmals gleich, ist sie überzeugt. Über die Aufsichtsbeschwerde will der Verein die Entkernung nun abwenden. Gleichzeitig fordert er eine eingehende Überprüfung der Bausubstanz des Hauses in der Neckarsteige und verweist auf ein baugeschichtliches Gutachten von Johannes Gromer. Der Bauhistoriker kam 2009 unter anderem zu dem Ergebnis, dass von dem barocken Gebäude aus dem Jahr 1751 „auf etwa 650 Quadratmeter Fassade etwa 75 Prozent baugeschichtlich relevante Fassadenflächen aus den ersten drei Bauphasen“ übrig seien.

Das Haus ist im Laufe seiner Geschichte mehrfach umgebaut worden. Errichtet auf einem Schickhardt-Bau, gehörten das Areal und die Vorgängerbauten des Hölderlinhauses einst zum Nürtinger Schloss, das vom Haus Württemberg als Witwensitz genutzt wurde. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute wurde das Hölderlinhaus dann als Schulhaus genutzt. Der Entertainer Harald Schmidt etwa hat dort sein Abitur gemacht.

Zum Jahresende soll mit den Bauarbeiten begonnen werden

Trotz der baulichen Veränderungen ist das Gebäude laut dem Verein Hölderlin-Nürtingen „noch immer das originale Haus und eine authentische Wohn- und Wirkungsstätte dieses Dichters von Weltrang“. Statt einer Entkernung kämpft der Verein für eine „behutsame Sanierung“ im Bestand. Der Nürtinger Oberbürgermeister Otmar Heirich indessen verteidigt die Modernisierungspläne der Stadt. Doldes Vorwurf, Behörden hätten es versäumt, das Hölderlinhaus auf eine Liste von Kulturdenkmalen zu setzen oder Fehler dabei gemacht, weist er zurück. „Das Landesamt für Denkmalpflege entscheidet darüber, ob ein Bauwerk diesen Status erhält. Wir haben seit 2009 mehrfach dort angefragt und im Jahr 2016 wurde uns zuletzt wiederholt bestätigt, dass das Hölderlinhaus die erforderlichen Kriterien nicht erfüllt. Von daher ist diese Unterstellung völlig absurd“, so Otmar Heirich.

Der Gemeinderat soll den Baubeschluss im Herbst fassen, die Arbeiten sollen dann Ende des Jahres beginnen. Im Erdgeschoss ist auf einer Fläche von 120 Quadratmetern eine Hölderlin-Dauerausstellung geplant. „Wie Lauffen und Tübingen konzipieren auch wir eine neue Dauerausstellung. Allerdings sanieren wir das Hölderlinhaus nicht einfach, sondern unterziehen es einer Modernisierung, durch die das Haus in die Zukunft weist und in der Verbindung von Hölderlin mit dem Thema Bildung ein Alleinstellungsmerkmal unter den Hölderlinstädten aufweist“, erklärt der Nürtinger OB Otmar Heirich.

Im nächsten Jahr ist der 250. Geburtstag des Dichters

Der Hölderlinverein fordert jedoch ein Umdenken: „Ansonsten würde demnächst ein einzigartiger Hölderlin-Erinnerungsort einfach so, von einer größeren Öffentlichkeit praktisch unbemerkt, für immer ausgelöscht werden.“ Der 250. Geburtstag in einem Jahr „würde somit in Nürtingen in der Ruine des historischen Gebäudes begangen“, warnt der Verein.