Nürtingen Beitrag zum Klimaschutz schont auch den Geldbeutel

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Nürtingen will mit einer Software den Energieverbrauch in städtischen Gebäuden um 30 Prozent senken.

Die Inselhalle in Zizishausen soll drei Jahre lang als Test-Gebäude dienen. Foto: Horst Rudel
Die Inselhalle in Zizishausen soll drei Jahre lang als Test-Gebäude dienen. Foto: Horst Rudel

Nürtingen - Nicht mit neuen Fenstern und einer Wärmedämmung, sondern mit einer speziellen Software zur Steuerung der Heizungsanlage und der Stromversorgung will Nürtingen den Energieverbrauch in städtischen Gebäuden um bis zu 30 Prozent reduzieren. Der Bauausschuss des Gemeinderats hat jetzt zugestimmt, dass die Stadt bei diesem geplanten Pilotprojekt des Steinbeis Zentrums für Innovationsmanagement teilnimmt .

Eingesetzt werden soll die Software in der Inselhalle im Teilort Zizishausen. Der Veranstaltungsort ist als sogenanntes Referenzgebäude besonders geeignet. Im jährlichen Monitoring weist die Halle einen Energieverbrauch auf, der laut dem städtischen Klimaschutzmanagers Thomas Kleiser erheblich über dem Verbrauch von Hallen in ähnlicher Größenordnung und Nutzungsfrequenz liegt. Rund 20 000 Euro betragen die durchschnittlichen jährlichen Energiekosten im Fall der Inselhalle. Der Grund dafür ist nicht nur in der Bausubstanz und der älteren Hallentechnik zu suchen. Die fehlende Möglichkeit, den Gebäudebetrieb energieeffizient und bedarfsgerecht zu regeln, treiben den Verbrauch ebenfalls in die Höhe.

System wird bisher von Mittelständlern eingesetzt

Hier setzt nun die neue Software an. Das System mit der Bezeichnung Emsyst 4.0 ist, so Thomas Kleiser, ein „digitaler Knotenpunkt“, der individuell an Gebäude und Gebäudegruppen angepasst werden kann. Die Software erlaube das Messen und die Auswertung von Verbräuchen, das Monitoring und die Optimierung der Anlagensteuerung. Das jetzt für die Inselhalle vorgesehene System werde bisher vor allem in mittelständischen Firmen verwendet.

In den meisten Kommune gebe es gemeinhin keine zentrale Steuerung, Regelung und zeitnahe Überwachung der Anlagen und der Verbräuche. Teil erhebliche Mehrkosten seien die Folge. Insofern biete sich der Einsatz der Software in kommunalen Gebäuden besonders an, warb Thomas Kleiser schließlich erfolgreich für die Teilnahme Nürtingens an dem Pilotprojekt, für welches das Steinbeis Zentrum einen Förderantrag beim Wirtschaftsministerium des Bundes gestellt hat.

BUND will Ausstoß von Kohlendioxid drastisch verringern

Das Projekt ist für Nürtingen mit Kosten von 12 000 Euro verbunden. Reduziert sich der Energieverbrauch in der Inselhalle tatsächlich um die erhofften 30 Prozent, wären Einsparungen in Höhe von rund 18 000 Euro die Folge. Damit würden sich die Projektkosten amortisieren. Ein weiterer Vorteil sei, dass städtische Mitarbeiter von der betreuenden Firma auf der Software geschult würden. Ein weiterer Einsatz in städtischen Gebäuden sei daher problemlos möglich, nannte Thomas Kleiser einen weiteren Pluspunkt.

Doch sind es nicht nur die Kosten, die für das Projekt sprechen. „Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz“, betont der Klimaschutzmanager. Der BUND hat für Nürtingen die Vision einer Solarstadt entwickelt: Bis 2046 soll dort die Umstellung auf eine umweltfreundliche und nachhaltige Energieversorgung erfolgen. Dann soll der Kohlendioxidausstoß nur noch eine Tonne pro Kopf und Jahr betragen, derzeit sind es in Deutschland elf Tonnen.