Nürtingen Damit Trauernde nicht frieren

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Auf dem Friedhof des Teilorts Raidwangen wird die Aussegnungshalle erweitert.

Die Aussegnungshalle ist ein offener und entsprechend zugiger Ort. Foto: Ines Rudel
Die Aussegnungshalle ist ein offener und entsprechend zugiger Ort. Foto: Ines Rudel

Nürtingen - Trauerfeiern auf dem Friedhof in Raidwangen sind bei schlechtem Wetter eine nasse und windige Angelegenheit. Die Trauerhalle der Aussegnungshalle besteht aus einer Überdachung, die von drei Seiten umhaust ist. Die Fassade nach Nordosten ist jedoch offen. „Raidwangen ist in weitem Umkreis die einzige Ortschaft, in der die Trauerfeiern sowohl im Sommer als auch im Winter im Freien stattfinden und somit dem Wetter und dem Lärm der Umwelt ausgesetzt sind“, beklagte jüngst der Raidwangener Ortsvorsteher Willi Mistele.

Die Kosten liegen deutlich über dem ersten Ansatz

Das wird sich nun ändern. Der Gemeinderat hat beschlossen, die Aussegnungshalle in dem Nürtinger Teilort zu erweitern. Dieser Schritt wird gemeinhin als überfällig angesehen. Der CDU-Stadtrat und Highland-Games-Kraftsportler Andreas Deuschle ist nicht als übermäßig empfindlich bekannt. Aber in Raidwangen hat auch er schon gefroren. „Ich war dort selber mal auf einer Beerdigung, als es geregnet und geschneit hat – es ist höchste Zeit“, betonte Andreas Deuschle die Dringlichkeit einer Erweiterung der Aussegnungshalle.

Eine Diskussion lösten allerdings die Kosten aus. Der städtische Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft Nürtingen (GWN) rechnet mit 350 000 Euro. Das sind 100 000 Euro mehr als ursprünglich angesetzt. Wie es zu dieser Diskrepanz kommt, wollten mehrere Stadträte fraktionsübergreifend wissen. „Wir haben in den letzten Jahren massive Kostensteigerungen gehabt“, erklärte dazu der Nürtinger Architekt Volker Pfeiffer mit Blick auf die Preisentwicklung am Bau. Vom „Fluch der ersten Zahl“ sprach der kaufmännische Geschäftsführer der GWN, Steffen Schultheiß. Die Erweiterung sei bei der Einstellung des Postens in den Haushalt noch nicht im Detail durchgerechnet gewesen.

Bis zu 80 Trauergäste finden einen Sitzplatz

Für das Geld bekommt Raidwangen einen Anbau mit begrüntem Flachdach und einer durchgängigen Verglasung mit drei doppelflügeligen Türen. Derzeit bietet die Aussegnungshalle bis zu 50 Sitzplätze, nach der Erweiterung werden circa 80 Trauergäste sitzend Platz finden. Außerdem wird in der Hall eine barrierefrei zugängliche Behindertentoilette eingebaut. Infrarotheizkörper werden während der Nutzungszeit dafür sorgen, dass keiner friert. Bei Bedarf kann zusätzlich die auf dem Vorplatz stehende Trauergemeinde über die weit geöffneten Glastüren in die Feier eingebunden werden.

Die im Vergleich zum ersten Kostenansatz noch fehlenden 100 000 Euro werden in Zeiten knapper Kassen aus dem GWN-Etat heraus finanziert. So konnten die Flüchtlingsunterkünfte am Raigerwald deutlich günstiger realisiert werden, sodass aus diesem Budget Deckungsmittel zur Verfügung gestellt werden können.