Nürtingen bewirbt sich Landesgartenschau „von unten“

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Bei der Bewerbung Nürtingens um eine Landesgartenschau sind die Ideen der Bürger gefragt. Eine Initiative kämpft indessen gegen Baupläne am Neckarufer.

Der Neckar wird einen Schwerpunkt im Bewerbungskonzept spielen. Der Fluss soll erlebbarer als bisher werden. Foto: Horst Rudel/Archiv
Der Neckar wird einen Schwerpunkt im Bewerbungskonzept spielen. Der Fluss soll erlebbarer als bisher werden. Foto: Horst Rudel/Archiv

Nürtingen - Städtische Leihfahrräder am Bahnhof, begrünte Dachgärten, ein Ausbau des Radwegenetzes, ein Gastronomie- oder Kulturschiff auf dem Neckar, eine Rutschbahn am Galgenberg, ein Park mit Wildpflanzen zum Essen, ein Baumwipfelpfad oder Badeseen – die Liste der Ideen, die Nürtinger Bürger für eine Landesgartenschau bisher eingebracht haben, ist lang. Mehr als 500 Anregungen sind mittlerweile im Rathaus eingegangen.

Die Entscheidung fällt im nächsten Jahr

Im Dezember will die Stadt Nürtingen ihre Bewerbungsunterlagen einreichen, um im Zeitraum zwischen 2031 und 2035 eine Landesgartenschau an Land zu ziehen. In den nächsten Monaten wird der Beteiligungsprozess weitergehen. Die Bürger sollen eine zentrale Rolle einnehmen, das Konzept soll in enger Abstimmung mit der Bürgerschaft entwickelt werden. „Die Bewerbung kann nur erfolgreich sein, wenn sie von der Mehrheit der Nürtingerinnen und Nürtinger getragen wird. Daher wird die Konzeption auch ihre Handschrift tragen“, erklärt der Oberbürgermeister Otmar Heirich. Der mit dem Planungsprozess beauftragte Johann Senner vom gleichnamigen Büro bezeichnet dies als „Gartenschau von unten“.

Die Bürger sind aufgerufen, im ersten Workshop am 21. März die eingereichten Vorschläge vertiefend zu diskutieren und erste Schwerpunkte festzulegen. Im zweiten Workshop Mitte April sollen die Ideen dann konkretisiert werden, um in ein Bewerbungskonzept zu münden. Voraussichtlich im Juni 2020 kommt eine Kommission nach Nürtingen. Die Entscheidung über die Vergabe der Gartenschauen soll danach rasch fallen. Ein vorläufiges Logo für die Bewerbungsphase ist für Nürtingen bereits entwickelt.

Der Neckar soll als „Lebensader“ in den Mittelpunkt rücken

Laut Johann Senner wird der Neckar als „dominierender Landschaftsraum“ einen Schwerpunkt im Konzept bilden. Er soll als „Lebensader“ in den Mittelpunkt des öffentlichen Lebens rücken. Aber auch andere Bereiche wie der Galgenberg, der Saubach über die Bahnstadt ins Tiefenbachtal und die Teilorte kommen darin vor. Ein Ziel besteht darin, grüne Zonen zu schaffen und miteinander zu vernetzen. Für die Bewerbung wird nicht nur der Ideenreichtum der Bürger angezapft, sondern auch das Know-how der örtlichen Hochschule mit ihrem Fach Landschaftsarchitektur.

Indessen adressiert gleichzeitig mit dem Aufbruchsignal des Rathauses die Bürgerinitiative Nürtingen am Neckar einen offenen Brief an die Stadträte. Diese sollen in der Sitzung am 12. Februar nach dem Willen der Verwaltung einen Architekten- und Investorenwettbewerb auf den Weg bringen, der an der Fischtreppe am Neckar auf die Schaffung von Gastronomie, Biergarten, Gewerbe und Wohnen abzielt. Die überarbeitete Planung ist eine Abwandlung der Hotelpläne, gegen welche die Initiative 4701 Unterschriften gesammelt hatte.

Bürgerinitiative will auf dem Wochenmarkt informieren

Aus Sicht der Initiative sind die neuen Pläne keinen Deut besser als die ursprünglichen. Sie will am 9. Februar von 9 bis 13 Uhr auf dem Schillerplatz die Bürger darüber informieren. Für den Technischen Beigeordneten Andreas Neureuther kann die Planung an der Fischtreppe separat erfolgen. Sie müsste dann mit der Gartenschaubewerbung in Einklang gebracht werden. Andreas Neureuther hofft, dass Nürtingen nach der gescheiterten Bewerbung im Jahr 2009 im zweiten Anlauf nun zum Zug kommt. „Wir sind zuversichtlich, dass es diesmal klappt“, sagt er.