Nürtingen Eine Robinie soll jetzt verschont bleiben

Von  

Nach Protesten von Bürgern gibt es einen neuen Vorschlag für die Gestaltung des Nürtinger Schillerplatzes. Doch vier von fünf Robinien werden dennoch gefällt.

Jetzt ist der Kirchturm zu sehen, mit Laub verstellen die Bäume den Blick. Foto: Horst Rudel
Jetzt ist der Kirchturm zu sehen, mit Laub verstellen die Bäume den Blick. Foto: Horst Rudel

Nürtingen - Statt der zunächst vorgesehenen Fällung von fünf Bäumen auf dem Nürtinger Schillerplatz sollen jetzt noch vier Robinien der Motorsäge zum Opfer fallen. Mit diesem neuen Vorschlag reagieren die Stadtverwaltung und das Büro Bresch-Henne-Mühlinghaus auf Kritik aus der Bevölkerung. Mehr als 1000 Bürger haben mit einer Unterschriftenaktion bekräftigt, dass sie die Bäume erhalten wollen.

Die Robinie, die verschont werden soll, ist laut den Planern zwar „nur mäßig gewachsen“ und die Kronenform „leicht unterentwickelt“. Allerdings geht das Büro davon aus, dass der Baum noch eine Lebenszeit von mehr als 20 Jahren haben kann. Sollte die Robinie aus der Baumgruppe vor der Kreuzkirche stehen bleiben, wäre indessen der Blick auf den Kirchturm vom Ochsenbrunnen her gesehen weiterhin verstellt. Mit ihrem ursprünglichen Vorschlag hatten die Stadt- und Landschaftsplaner eine Blickbeziehung zum Kirchturm herstellen wollen.

Baumart nicht für den Straßenraum geeignet

Keine Chance wird nach wie vor zwei weiteren Robinien gegeben. Fäule hat diesen Bäumen zugesetzt. Weniger als fünf Jahre Lebenszeit gibt ein Baumgutachten den Robinien. Mit der Note „gut“ schneiden zwei weitere Robinien zwar deutlich besser ab, doch trotz einer Lebenserwartung von mehr als 20 Jahren sollen sie abgesägt werden. Anstelle der gefällten Bäume sieht die Planung Neupflanzungen vor – allerdings keine Robinien mehr.

Diese Baumart wird für den Straßenraum als nur „bedingt geeignet“ eingestuft. Robinien sind windbruchgefährdet und bilden im Alter verstärkt Totholz aus. Entsprechend hoch ist der Kontroll- und Pflegeaufwand verbunden mit höheren Kosten. Als Ersatz schlagen die Landschaftsplaner die Pflanzung von Gleditschien vor. Diese Baumart hat den Vorteil, dass sie anspruchslos ist sowie Hitze und Trockenheit verträgt. Weil die Bäume eine breite, schirmförmige Krone ausbilden, spenden sie viel Schatten.

Langfristige Strategie wird verfolgt

Die Planer betonen, dass sie mit der Verjüngung des circa 70 bis 80 Jahre alten Baumbestands – neben dem Ersatz für die Fällkandidaten sind noch weitere Neupflanzungen geplant – eine langfristige Strategie verfolgen. Mit Blick auf kommende Generationen soll so für ein gutes Stadtklima gesorgt werden. Das Pflanzkonzept ist Teil des zweiten Bauabschnitts für die Umgestaltung der Fußgängerzone.

Unter anderem soll auch der Ochsenbrunnen zur Platzmitte hin verlegt und auf den umrandeten Ring verzichtet werden. Während der Künstler damit einverstanden ist, gibt es im Gemeinderat allerdings noch Diskussionsbedarf. Angestoßen hatte die Unterschriftenaktion zur Rettung der Bäume die Nürtinger SPD. Die Aktion sei „richtig“ gewesen, so die SPD-Vorsitzende Bärbel Kehl-Maurer. Denn ohne sie würde es jetzt keine modifizierte Planung geben, in der sie einen Fortschritt sieht. „Allerdings würden wir uns wünschen, dass noch mehr Bäume stehen bleiben. Warum soll man gesunde Bäume abschneiden?“, fragt sich Bärbel Kehl-Maurer mit Blick auf die beiden Robinien, die trotz ihres guten Zustands keine Zukunft mehr haben sollen.