Nürtingen Hotel mit Skybar, Biergarten und Wellness am Neckar wird bald eröffnet

Die Bauleiterin Carla Single und der Bauherr Christer Belser fiebern der Eröffnung des Nürtinger Hotels entgegen. Foto: Markus Brändli

Der Innenausbau ist voll im Gang. Der Nürtinger Gastronom Christer Belser erfüllt sich und seiner Familie den Traum vom Hotel direkt am Neckarufer – samt Biergarten.

Region: Corinna Meinke (com)

In wenigen Wochen soll das neue Natur-Hotel am Nürtinger Neckarufer seine Pforten öffnen. Bevor aber die ersten Übernachtungsgäste die neuen Betten testen können und die Küche richtig unter Dampf stehen wird, gibt es für das Gastronomenpaar Christer und Lydia Belser samt Team noch eine Menge zu tun.

 

„Das hier ist keine normale Baustelle“, stellt Architektin und Bauleiterin Carla Single in der künftigen Küche von Belsers Hotel lächelnd fest. Denn familiär betrachtet, hängt bei diesem Nürtinger Vorzeigeprojekt, das direkt am Neckar liegt, alles mit allem zusammen. Der Onkel Gunther Single hat als Architekt die Pläne für den dreigliedrigen Bau erdacht, am Innendesign sind Innenarchitekt Reiner Single und die Schreinerei Single beteiligt und Carla Single gehört auch zur Großfamilie.

Mir ging es nicht um den Invest, sondern um die Nachhaltigkeit.

Christer Belser, Nürtinger Gastronom

Nicht so normal sei auch das Engagement von Christer Belser, der sich einbringe wie ein zweiter Bauleiter, wobei er im Hauptberuf das Belsers Restaurant und Brasserie am Marktplatz umtreibt. Bei seinem Herzensprojekt Hotelküche habe er richtig rangeklotzt. Die Rede ist vom 200 Quadratmeter großen Herzstück des Hauses, zu dem weitere 200 Quadratmeter Kühl- und Lagerräume gehören. „Das wird mein Reich“ sagt Christer Belser strahlend und streicht über den neun mal 2,5 Meter großen und eine Tonne schweren Küchenblock.

„Hier möchte ich ganz viele Lenzrosen pflanzen, Euphorbia

„Hier können die Gäste morgens ihr Ei bestellen und hier kann man uns bei der Arbeit zusehen,“ erklärt der künftige Hotelier und zeigt auf die küchenbreite Öffnung, die nur durch eine Theke abgetrennt ist. „Da sieht man dann gleich, wer am Herd steht“, freut sich Belser, der alle Edelstahltheken in der Küche selbst zusammengeschweißt hat.

Neue Gastro in Nürtingen

Normalerweise sei eine Gastroküche Maßarbeit, hier sei es anders gewesen, berichtet Carla Single, denn Belser habe einer gebrauchten Küche, die früher im Rössle in Waldenbuch stand, neues Leben eingehaucht, nachdem das gute und erst sechs Jahre alte Stück wegen der Geschäftsaufgabe dort nicht mehr gebraucht wurde.

Diese Nachhaltigkeit spielt für Belser eine zentrale Rolle. „Mir ging es nicht um den Invest, sondern um Nachhaltigkeit“, sagt er auch mit Blick auf die zusätzlichen Grauwasserleitungen, die das Wasser aus den Zisternen zu den Toiletten transportieren. Photovoltaik („der eigene Strom reicht immerhin für die Küche aus“), Luft-Wärmepumpe und Wärmerückgewinnung gehören laut dem Bauherrn genauso zum umweltgerechten Konzept wie der Einsatz von Holz bei Fassade und Innenausbau sowie schadstofffreie Kabel und Silikonfugen im ganzen Objekt.

Das Hotel reiht sich in drei Baukörpern entlang der Bundesstraße auf. Foto: Markus Brändli

Biergarten und Spielplatz in Nürtingen

Belser zeigt auf den Boden, wo Parkett aus österreichischer Asteiche verlegt wurde. Weißtanne aus dem Schwarzwald für die Möbel sowie sibirische Lärche für die Lamellenelemente sollen den Hotelzimmern ein luftiges Ambiente verpassen. „Gute Arbeit, Männer“, ruft er den Elektrikern zu, die seit einem Jahr auf der Baustelle Kabel ziehen.

Es brummt und summt rund ums Haus. Die Fahrzeuge von Bauarbeitern und Handwerkern verstopfen die Zufahrt hinterm Hotel und auf der anderen Seite planieren Bagger den Weg zum Haupteingang. Vor der Rezeption sollen bald die Fahnenmasten stehen und Richtung Neckar wird ein weitläufiger Biergarten entstehen – aber der dauert noch. Und gleich daneben soll ein Spielplatz mit Wasserelementen von der Stadt Nürtingen gebaut werden.

Unverbaubarer Blick auf den Neckar: Skybar und Wellnessbereich

„Wir öffnen Schritt für Schritt“ erklärt der Chef das Prozedere für Belsers Hotel. Als erstes müssen das Restaurant Melchior samt Terrasse und die Ebene 1 fertig werden. Auch bei Melchior ist der Name übrigens eine Verbeugung vor der Nachbarschaft, denn die Familie Melchior hatte den einstigen Industriekomplex geleitet, bevor der Künstler Karl Heinz Türk 1977 auf dem Gelände die heutige Freie Kunstakademie einrichtete.

Die zweijährige Bauzeit sei dicht gedrängt, berichtet Belser. Allein eine Woche daure es, um den handwerklich sehr aufwendigen Terrazzoboden, der gegossen und geschliffen werden muss, beispielsweise im Restaurant und in der Skybar aufzubauen. Wichtig sei ihm die Beauftragung lokaler und regionaler Firmen und Dienstleister. „Wir wollen die Region stärken und das geht am besten mit Gegenseitigkeit“, beschreibt der Gastronom sein Credo.

Für ein hochwertiges und naturnahes Ambiente in den drei Hotelgebäuden sollen tannengrünee Teppiche aus Denkendorf in den Fluren und dunkelgrüne Kacheln in den Bädern sorgen. Außerdem gibt es schwäbische Massivholz- und deutsche Designmöbel und ein puristisches Beleuchtungssystem aus Vorarlberg, erklärt der Hausherr beim Rundgang durch die Zimmer, deren Größe von 23 bis 40 Quadratmeter variiert. Wenn alles fertig ist, stehen 49 Zimmer sowie mehrere Suiten und Mini-Apartments für die Gäste bereit. „Das wird richtig lässig“, zeigt sich Belser überzeugt und meint damit auch den Kontrast zu den leicht marmoriert wirkenden Sichtbetondecken und dem Cortenstahl an den Treppenhausbrüstungen.

Neben der Skybar 1816 mit Weinkabinett, Tanzfläche, Lounge und einem freien Blick auf Neckar und Nürtinger Altstadt freut sich Belser auch auf den kleinen Wellnessbereich mit Sauna samt einer begrünten Bali-Außendusche und einem Ruhebereich zum Fluss hin. „Und hier möchte ich ein Kuschelnest mit Heu wie im Hotel Gams zu zweit“ kündigt Belser mit Blick auf ein Hotel in Vorarlberg an.

Hotelpläne gab es schon lange

Vorgeschichte
Schon unter Alt-OB Otmar Heirich gab es Pläne für ein Hotel am Neckar. Eine Bürgerinitiative und der Gemeinderat verhinderten damals aber den Bau, der als zu großer Klotz am Fluss auf Ablehnung stieß. Genauso wenig wollte die Bürgerschaft dort einen auswärtigen Investor ein Businesshotel bauen lassen.

Erfolg
Schließlich machte Heirich-Nachfolger Johannes Fridrich die Hotelfrage zur Chefsache, nachdem er die angeblich in einer Rathausschublade vergessenen Pläne entdeckte, die Christer Belser wohl schon Jahre zuvor eingereicht hatte. Dank der Biergartenidee und dem Konzept eines Hotels mit Gastronomie für alle und noch dazu von einem Nürtinger Investor, konnte das Projekt schließlich verwirklicht werden.

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