Nürtingen Mehr Leben auf der Oberensinger Höhe

Kunst und Architektur reichen sich in der Villa Domnick die Hand. Foto: Archiv Rudel
Kunst und Architektur reichen sich in der Villa Domnick die Hand. Foto: Archiv Rudel

Die Kunstsammlung Domnick, im Zusammenklang mit der Architektur der Villa, der zeitgenössischen Einrichtung und dem künstlerisch gestalteten Garten ein hochkarätiges Kulturensemble, soll aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden. Als wachküssender Prinz sind die Staatlichen Schlösser und Gärten vorgesehen, die den Hausschlüssel vom scheidenden Kurator Werner Esser übernehmen.

Esslingen: Thomas Schorradt (adt)
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Nürtingen - Schlüsselübergabe in der Villa Domnick: Werner Esser, der das Erbe des Stuttgarter Nervenarztes und Kunstsammlers Ottomar Domnick 21 Jahre lang als Kurator verwaltet hat, geht in den Ruhestand. Die Sammlung in dem repräsentativen Gebäude auf der Oberensinger Höhe über der Stadt Nürtingen wird künftig von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg betreut. Mit dem Wechsel ist auch eine inhaltliche Neuausrichtung verbunden.

„Nachdem der Schwerpunkt bisher auf dem klassisch-kurativen Feld und der wissenschaftlichen Erfassung des Nachlasses gelegen hat, wollen wir das Ensemble künftig mehr im Sinne der Bürger bespielen“, sagt eine Sprecherin des Finanzministeriums Stuttgart, das den in das Landesvermögen überführten Nachlass des Neurologen verwaltet. „Es wird mehr los sein in der Villa“, so lautet das Versprechen aus der Stuttgarter Finanzverwaltung.

Öffnungszeiten werden ausgeweitet

Obwohl ein konkretes Konzept noch in der Entwicklung ist, steht eines schon fest. „Wir werden die Öffnungszeiten ausweiten“, sagt Andreas Falz, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten, die seit diesem Monat das Sagen in der Bauhaus-Villa hat. Bisher war der klassische Betonbau mit seinem für Baden-Württemberg einmaligen Schatz an Werken der klassischen Moderne lediglich an den Sonntagsnachmittagen geöffnet. „Die Besucherzahlen könnten besser sein“, sagt denn auch Andreas Falz. Der intime Charme des Ensembles ist in der Tat nur einem überschaubaren Kreis von Kunstfreunden bekannt. Rund 3000 Besucher im Jahr haben durchschnittlich den spannenden Dialog zwischen strenger Architektur und abstrakter Kunst genossen.

Allerdings, so schränkt Falz ein, seien dem Besucherstrom auf der Oberensinger Höhe natürliche Grenzen gesetzt. Falz: „Die Sammlung ist wertig und wertvoll. Ihr Charme liegt in der Kleinteiligkeit. Großveranstaltungen können wir dort nicht machen“, sagt er. Den Spagat hinzubekommen, zeigt sich Falz zuversichtlich – auch im Wissen um die Erfahrung, die sein Haus mit „öffentlich relevanten Auftritten“ hat. Im Jahr 2015 haben die von Bruchsal aus verwalteten Schlösser und Gärten des Landes, dazu zählen unter anderem das Heidelberger Schloss und das Kloster Maulbronn, rund 3,8 Millionen Besucher angezogen.

Mehr Kooperationen mit der regionalen Kultur angestrebt

Geht es nach den Vorstellungen von Falz, dann wird die Sammlung Domnick künftig stärker in ihrer Bedeutung als Gesamtmonument vermittelt werden. Gleichzeitig soll das Ensemble aus Kunstsammlung, Architektur, zeitgenössischer Einrichtung und künstlerisch gestaltetem Garten als „besonderes Ausflugsziel in der Region“ etabliert werden. Um die Villa Domnick in die Kulturlandschaft im Land einzubinden, wollen Falz und sein Geschäftsführerkollege Michael Hörrmann verstärkt mit den wichtigen regionalen Kultureinrichtungen ins Gespräch kommen.

Wie sich die Neuausrichtung konkret auf die Arbeit der Sammlung Domnick auswirken wird, wollen die Staatlichen Schlösser und Gärten im März der Öffentlichkeit erläutern. Dann beginnt traditionell die Saison auf der Oberensinger Höhe. Auf das aktuelle Veranstaltungsprogramm hat der Wechsel keine Auswirkungen. Am Sonntag, 22. Januar, treten Laura Wiek (Violoncello) und Andy Miles (Klarinette) mit ihrem Programm „DuoScope – The Clarinet Cello Project“ in den Räumen der Villa auf. Die winterliche Matinée beginnt um 11.30 Uhr. Sie ist das Ergebnis einer Kooperation der Stiftung mit dem Kulturamt der Stadt.

Bedauern im Rathaus

Dort, im Nürtinger Rathaus, wird der Abschied von Werner Esser bedauert. „Herrn Esser behalte ich als einen sehr engagierten Kurator in Erinnerung. Wir haben viele gemeinsame Projekte umgesetzt“, sagt Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich unter Verweis auch auf die Nürtinger Jazztage. Der scheidende Kurator habe die Stiftung wesentlich stärker in der Stadt verankert als es vorher der Fall war. „Durch sein Wirken hier ist auch das öffentliche Ansehen der Stiftung sehr gefördert worden“, sagt Heirich.

Esser selbst hat sich in einer Abschiedsmail direkt an die „verehrten Freunde der Stiftung Domnick“ gewandt. Mit ihrem lebendigen Interesse hätten sie seine Programmlinie auf ermutigende Weise über die Jahre mitgetragen und bewiesen, „dass auch das künstlerisch Anspruchsvolle seinen festen Platz behaupten kann.“




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