Das Opfer hat nur knapp überlebt. Vor der Jugendkammer der dritten Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart müssen sich zwei junge Erwachsene seit Freitag wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie sollen mit zwei weiteren Komplizen versucht haben, am Abend des 20. September 2025 einen Mann in Nürtingen-Rossdorf zu töten. Zu den Hintergründen der Tat schwiegen die Angeklagten auf Anraten ihrer Anwälte am ersten Verhandlungstag. Allerdings haben beide Anwälte erklärt, dass sich ihre Mandanten im Zuge der weiteren Verhandlungstage zu den ihnen vorgeworfenen Taten äußern würden.
Laut Staatsanwaltschaft soll die 18-Jährige den Lebensgefährten ihrer Mutter zunächst für ein Gespräch an eine Garage gelockt haben. Dort habe sie den Mann zu einem Spaziergang in ein nahe gelegenes Waldstück überredet. Rund hundert Meter im Wald sei dem Opfer von drei Tätern zunächst mit einem Baseballschläger gegen den Kopf geschlagen worden sein. Anschließend soll der Mann weiter mit Schlägen gegen den Kopf traktiert sowie gewürgt worden sein. Während der Attacke habe die Angeklagte die Täter laut Staatsanwaltschaft noch mit „Tötet ihn“ angefeuert.
Nürtingen: Angeklagte verstrickt sich in Widersprüche
Nach dem Angriff sei das schwer verletzte Opfer weiter in den Wald hineingezogen worden. Die Täter hätten sich auf Türkisch, dessen sowohl Täter als auch Opfer mächtig sind, darüber unterhalten, dass der Angegriffene die schweren Verletzungen wohl nicht überleben werde. Kurz nach dem Mordversuch hat sich einer der Täter, der nun neben der Frau auf der Anklagebank sitzt, der Polizei gestellt.
Über das Motiv der Tat wurde am ersten Verhandlungstag nicht gesprochen. Dafür beleuchtete das Gericht die persönlichen Lebensverhältnisse der Frau, die bis zu ihrer Verhaftung im Nürtinger Teilort Rossdorf bei ihrer Mutter lebte und dort nach eigenen Angaben viele unterschiedliche Drogen zu sich nahm. Allerdings verstrickte sich die Angeklagte nach mehreren Nachfragen in Widersprüche. Rund hundert Euro habe sie im Monat für Drogen ausgegeben, für Marihuana, Kokain, MDMA und Amphetamin. „Gekifft habe ich jeden Tag“, sagte sie.

Mann machte Ausbildung bei der Deutschen Bahn
Dass dieser Drogenkonsum nicht zu den angegebenen Ausgaben dafür passte, konnte sich die Angeklagte auch nicht so recht erklären. Der Vorsitzende Richter legte der Angeklagten nahe, die Angaben nochmals mit dem Verteidiger zu besprechen. In der Untersuchungshaft habe sie jedenfalls rund zwei Monate unter Entzugserscheinungen gelitten, berichtete die Frau. Und obwohl sie im Gefängnis eine Drogenberatung mache, sei das Verlangen nach den Drogen immer noch da, wie sie unter Tränen gestand.
Der weitere Angeklagte ist der 19-jährige Freund der 18-Jährigen. Ob die Beziehung nach der Verhaftung der beiden weiter besteht, darüber waren sich die Angeklagten am ersten Verhandlungstag nicht sicher. Schließlich ist die Kommunikation im Gefängnis nur sehr eingeschränkt möglich. Kennengelernt hätten sie sich über die App Snapchat, wie die Frau erklärte. Mit Unterbrechung seien sie dann seit September 2023 ein Paar gewesen. Der Mann wohnte vor seiner Verhaftung in Wiesbaden. Er machte bis zu seiner Verhaftung eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn als „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“.
Es sind sechs weitere Verhandlungstage geplant. Ein Urteil wird am 23. Juni erwartet.