Nürtingen Poesie und Artistik gehen Symbiose ein

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Die Jonglierconvention übt über Ostern den Brückenschlag zwischen Bewegung, Lyrik und Komik. Bei dem viertägigen Treffen steht der Gemeinschaftsgedanke im Mittelpunkt. Am Sonntag zeigen bei einer Gala-Show die Artisten der Öffentlichkeit ihr Können.

Wie hier bei der Convention im Jahr 2010, darf sich das Publikum bei der Gala-Show wieder auf artistische Leckerbissen freuen. Foto: Rudel/Archiv
Wie hier bei der Convention im Jahr 2010, darf sich das Publikum bei der Gala-Show wieder auf artistische Leckerbissen freuen. Foto: Rudel/Archiv

Nürtingen - Über Ostern fliegen wieder die Keulen. „Lyricon“ ist die nunmehr 9. Nürtinger Jonglierconvention überschrieben, die vom 18. bis zum 21. April in der Rudolf-Steiner-Schule stattfindet. Das viertägige Artistentreffen steht ganz im Zeichen der Poesie. „In Worte gefasste Artistik, mit Bewegungen umgesetzte Lyrik und eine ordentliche Portion Komik“ sind laut den Veranstaltern kennzeichnend für die internationale Gala-Show der Lyricon, die am Sonntag um 20 Uhr im Festsaal der Schule beginnt und zu der die Öffentlichkeit eingeladen ist.

Die Entscheidung, Poesie in den Mittelpunkt der Jonglierconvention zu stellen, lag nahe. Schließlich verstehe sich Nürtingen als Hölderlinstadt, erklärt Verena Rau vom Organisationsteam. Neben dem Dichter Friedrich Hölderlin haben weitere Autoren in Nürtingen gelebt oder zumindest dort literarische Spuren hinterlassen, etwa Peter Härtling oder Eduard Mörike. Die Jonglierconvention folgt damit einem Weg, den Künstler und Kulturschaffende schon vor einem Jahrzehnt gewiesen hatten.

Vision von der poetischen Stadt am Neckar

Wie berichtet, hatten im Jahr 2004 in einem Leitbildprozess Künstler und kulturinteressierte Bürger die Vision von einer „poetischen Stadt am Neckar“ formuliert. Die Initiativgruppe Kunst und Kultur legte ein Konzept vor, das unter anderem Ideen für eine jährliche „Poesie-Nacht“ und einen „Nürtinger Kunstpfad“ enthielt. Das Papier verschwand jedoch in der Schublade. In den vergangenen Jahren gab es lediglich sporadische Versuche, Nürtingen als Literaturstadt zu positionieren.

Der poetisch-artistische Dialog bei der Gala-Show am Sonntagabend richtet sich an ein breites Publikum. Ein Poetry Slam am Samstag ist hingegen für die Teilnehmer der Convention, also die Jongleure selbst, reserviert. Diese trainieren an den vier Tagen gemeinsam bei verschiedenen Workshops im Festsaal.

Abschauen bei den anderen ist erwünscht

Bei dem Treffen steht nicht der Wettbewerbsgedanke im Vordergrund. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 250 Teilnehmern vorrangig aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die untereinander Tricks austauschen und sich in der Gruppe inspirieren lassen. „Jeder bringt dem anderen das bei, was er kann, getreu dem Motto: ,Von Jongleuren, für Jongleure‘“, erklärt Verena Rau den Geist einer jeden Jonglierconvention. Das Treffen wird ehrenamtlich auf die Beine gestellt, um eine Plattform für das gemeinsame Hobby zu bieten.

Verena Rau zufolge kann jeder teilnehmen, der möchte. Weder gebe es Altersbeschränkungen, noch Mindestanforderungen an das Können. Anfänger sind ebenso willkommen wie Experten. Übernachten können Teilnehmer in Klassenzimmern der Nürtinger Waldorfschule. Rund um die Uhr wird freies Training angeboten. Das bedeutet, dass im Festsaal auch nachts die Keulen durch die Luft wirbeln und die Diabolos die Schnur hinauf und hinunter flitzen.

Jongliert wird auch nachts

Den nächtlichen Übungsstunden sind denn auch die Frühstückszeiten geschuldet, die sich an den vier Tagen jeweils von 9 bis 13 Uhr erstrecken. „Vor 12 Uhr ,beißen‘ die Keulen“, zitiert Verena Rau eine Jonglierweisheit. Will sagen, das Sportgerät führt bis Mittag bisweilen ein Eigenleben und gehorchen nicht dem Jongleur, daran ändert auch alle Poesie nichts.