Nürtingen „Rhapsody in School“ auf dem Stundenplan

Von Gunther Nething 

Der Klaviervirtuose Florian Uhlig gibt ein amüsantes Gastspiel im Max-Planck-Gymnasium. Mit seinem virtuosen Spiel ebnet er den Buben und Mädchen den Weg zu einem musikalischen Markt der Eitelkeiten.

Florian Uhlig, der  Meister auf der Klaviertastatur, und sein andächtig lauschendes Publikum im Musiksaal des Max-Planck-GymnasiumsFoto:Horst Rudel Foto:  
Florian Uhlig, der Meister auf der Klaviertastatur, und sein andächtig lauschendes Publikum im Musiksaal des Max-Planck-Gymnasiums Foto:Horst Rudel

Nürtingen - Wo der Musiksaal des Nürtinger Max-Planck-Gymnasiums ist, lässt sich am Gesang und Klavierspiel stets leicht „heraushören“. Gestern Vormittag freilich hatte es mit diesem Umstand vorübergehend seine ganz besondere Bewandtnis – und das Klavierspiel war von ganz besonderer Güte: Florian Uhlig, Professor an der Dresdener Musikhochschule, nutzte seine Teilnahme an der Meisterkonzertreihe, um sich in der Klasse 5a umzuhören, wie es um die musische Befindlichkeiten der Elf- bis Zwölfjährigen steht, welche Instrumente favorisiert werden, und was sonst noch im Leben der Youngsters interessant scheint. Schließlich zählt der Meisterpianist zur Organisation „Rhapsody in School“, die ihren Namen bewusst an George Gershwins „Rhapsody in Blue“ anlehnt und – so der Gast – mit Vorliebe „die tollen jungen Leute“ aufsucht.

Mit Lady Gaga steigt Florian Uhlig im Ansehen der Schüler

Florian Uhlig macht sich indes nicht nur in Klassenzimmern Gedanken, wie „verstaubt“ oder auch nicht, die Klassiker unter den Musikschaffenden und ihre heutigen Interpreten von außen wahrgenommen werden, sondern auch bei seinen häufigen Flugreisen hört er per Kopfhörer mal bei Jennifer Lopez und Lady Gaga rein, um auf dem Laufenden zu sein. Mit solch einer Lockerheit punktete der 39-Jährige vorab schon mal kräftig im Kreis der knapp 30 Buben und Mädchen.

Und diese waren auch nicht faul, kaum dass die Musiklehrerin Christine Burghard den Gast begrüßt hatte und in der ersten Fragerunde zur Instrumentenverteilung unter den Schülern die Gitarristen als Quotensieger hervorgegangen waren, den Spieß herumzudrehen – um den Herrn Professor kräftig zu löchern: In welchem Alter hat er mit dem Klavierspielen angefangen, welches Instrument würde er gerne auch noch beherrschen, wie viele Stunden muss er am Tag üben, wie steht es mit dem Familienstand, der Tierliebe und der Liebe zur Natur, und hat der gute Mann überhaupt einen Spitznamen?

Für das Cowgirl findet sich schnell ein Cowboy

Einen Spitznamen hat Florian Uhlig nicht, aber sein Klavierspiel ist fraglos spitze. Robert Schumanns Komposition „Carnaval“ eröffnete zum Einstieg ein weites Feld lautmalerischer Knobelei und persönlicher Präferenzen in Sachen Karneval, Fasching oder Fasnet. Ob ausgehend von Pierrot, dem notorischen Stolperer über die eigenen Beine, oder vom weit wendigeren und geschickteren Harlekin – rasch war ein fiktiver Markt der Eitelkeiten eröffnet: Die Mädchen sonnten sich in der Vorstellung einer indischen Prinzessin oder eines Topmodels, andere kokettierten mit Hexe oder Katze, Pippi Langstrumpf kam vor oder ein Cowgirl.

Fürs Cowgirl fand sich innerhalb der Männerriege schnell ein Cowboy, einem anderen würde das Bauerndasein genügen oder das Leben eines „alten, brummigen Lehrers“. Hoch hinaus wollte indes ein Klassenkamerad in Gestalt von Albert Einstein – „mit Reagenzglas in der Hand und verstrubbeltem Kopf“. Und unabhängig vom Geschlecht waren alle wieder gefordert, als es galt, über den Notenreigen auf flatterhafte Schmetterlinge („Papillons“) oder auf ein ausdauernd keifendes Menschenpaar zu schließen.

Mit einem Schlaflied klingt die außergewöhnliche Stunde aus

Auch wenn Florian Uhlig kein Auto besitzt, ist seine persönliche Umweltbilanz nicht allzu rosig. Schließlich hat er außer Australien per Flugzeug schon alle Kontinente bereist; und weil da einiges an Treibstoff zusammenkommt, setzt er jetzt auf künftiges „Bio-Kerosin“. Für den Abstecher nach Nürtingen hat sich der Weitgereiste jedenfalls gut vorbereitet, nannte und kannte als Sohn der Stadt auch TV-Dampfplauderer Harald Schmidt – doch im Kreise der Fünftklässler war der Name gänzlich unbekannt.

Dafür wünschte sich Jasmina unbedingt noch ein getragenes Schlaflied à la Schumann, Samuel dagegen wollte mit einem „virtuosen Stück“ den Schlusspunkt der Visite gesetzt sehen. Mit beidem konnte der virtuose Gastprofessor umgehend dienen.