Nürtinger Brandfall Die Staatsanwaltschaft sieht keinen Hinweis auf eine Straftat

In allen drei Gebäuden auf dem Foto hat es gebrannt. Am verheerendsten wütete das Feuer ganz rechts. Dort starben zwei Bewohner in der Nacht des 1. November 2020. Foto: Ines Rudel

Die Ermittlungen zum Brand in der Schafstraße 4 in Nürtingen sind eingestellt. Wegen fahrlässiger Tötung im Nachbarhaus wird aber weiter ermittelt.

Region: Corinna Meinke (com)

Die Mühlen der Justiz mahlen langsam. Mehr als zwei Jahre lang hat es gedauert, bis eine erste Entscheidung zu den Bränden in der Schafstraße in Nürtingen getroffen wurde. Nun steht nach Angaben der Stuttgarter Behörde fest: Die Brandursache für das Feuer im Haus Nummer 4 Anfang November 2020, bei dem rund 18 Bewohnerinnen und Bewohner obdachlos wurden, konnte nicht ermittelt werden.

 

Damit sind die Untersuchungen samt den Zeugenbefragungen für diesen Fall zu den Akten gelegt worden. Einen Hinweis auf eine Straftat konnten die Ermittler nicht erkennen, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde.

Die Zahl stieg inzwischen auf drei Brände

Allerdings ist der Fall äußerst komplex, denn es handelt sich spätestens nach einem dritten Brand am 5. November 2022 in der Hausnummer 6 um eine Brandserie in drei unmittelbar benachbarten Häusern, die sich bereits vor den Feuern alle in einem ähnlich verwahrlosten und maroden Zustand befunden haben. Die beiden ersten Brände in der Schafstraße ereigneten sich bereits am 1. und 2. November 2020.

Weiter ermittelt wird im allerersten und folgenschwersten dieser drei Brandfälle, bei dem zwei Menschen starben. Dieser Brand hatte sich in der Nacht des 1. November 2020 in der Schafstraße 2 zugetragen und nahm einen besonders dramatischen Verlauf. Als die Rettungskräfte damals eintrafen, schlugen die Flammen bereits aus dem Dach. Der Weg durch das Treppenhaus ins Innere des Gebäudes war für die Rettungskräfte versperrt, deshalb waren die Rettungsarbeiten nur noch über die Leitern möglich. Für zwei Bewohner im Alter von 37 und 53 Jahren kam damals jede Hilfe zu spät, die beiden Männer konnten nur noch tot geborgen werden. Außerdem mussten vier Bewohner und drei Feuerwehrleute mit Brandvergiftungen in eine Klinik gebracht werden. Insgesamt wurden so 18 Menschen von 90 Einsatz- und 88 Rettungskräften in Sicherheit gebracht. Der Schaden an dem auf rund 100 Jahre geschätzten Hauses wurde damals von der Polizei mit mehreren Hunderttausend Euro angegeben.

Die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gehen weiter

Die Ermittlungen zur Brandursache und zum genauen Hergang der Brandkatastrophe dauern weiterhin an, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Der Verdacht der fahrlässigen Tötung steht weiterhin im Raum. In dem Verfahren findet derzeit eine Begutachtung durch einen Sachverständigen statt. Wann Ergebnisse vorliegen, ist nach Worten des Ersten Staatsanwalts Aniello Ambrosio nicht absehbar. Vor dem Hintergrund der fortdauernden Ermittlungen könnten aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Einzelheiten mitgeteilt werden.

Da das Dach- und das Obergeschoss damals verwüstet wurden, musste die Brandruine statisch gesichert werden, bevor Kriminaltechniker der Kriminalpolizei Esslingen die Brandruine überhaupt betreten konnten. Brandermittler des Landeskriminalamtes hatten Gegenstände zur genauen Untersuchung mitgenommen. Das Haus gilt als einsturzgefährdet und wurde für die Ermittlungsarbeiten eigens eingerüstet.

Bewohner hatten schwere Vorwürfe erhoben

Nach dem Feuer erhoben ehemalige Bewohner zum Zustand der Elektroinstallationen schwere Vorwürfe. Dabei ging es auch um die Frage, ob es ausreichend viele Rauchmelder in dem Gebäude mit der Nummer 2 gegeben hat. Die Kriminalpolizei Esslingen richtete angesichts der großen Zahl an Zeugen, darunter mindestens 31 Bewohner, eine 19-köpfige Ermittlungsgruppe ein. Die Ermittler beschäftigten sich auch mit der Frage, wie viele Menschen tatsächlich in dem Haus gewohnt hatten, der Vorwurf der Überbelegung steht im Raum.

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