Stadtbalkon in Nürtingen Autofreie Flaniermeile am Neckar mit Preis ausgezeichnet

Der Stadtbalkon bietet mehr Aufenthaltsqualität in der Stadt. Foto: 7aktuell.de/Daniel Jüptner

Nürtingen hat vor wenigen Jahren ein Stück einer Straße am Neckar für den Verkehr gesperrt und zum Stadtbalkon umgewandelt. Aus einem Test wurde eine Dauerlösung. Dafür gibt es nun eine Auszeichnung.

Region: Corinna Meinke (com)

Autos raus und Vorfahrt für Fußgänger und Radler – auf diesen Nenner lässt sich der Nürtinger Stadtbalkon bringen. Der Name Stadtbalkon steht für das autofreie Teilstück der Nürtinger Alleenstraße, das direkt am Neckar entlangführt. Die unkonventionelle Straßensperrung hat im Land und in der Region für Aufsehen gesorgt. Nun wurde die mutige Entscheidung von Gemeinderat, Verwaltung und Anliegern mit einem Preis ausgezeichnet.

 

Bei der Fußverkehrskonferenz Baden-Württemberg in Ulm hat die Idee einen zweiten Platz in der Kategorie Infrastruktur ergattert. Initiatoren vom Landespreis Fußverkehr sind das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg und die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg. Die Gemeinde Nußloch erhielt einen ersten Preis, ein weiterer zweiter Preis ging nach Bad Mergentheim.

Mutige Idee umgesetzt

Die Fachjury, die in Ulm auch Preise für Partizipation und Fußverkehr-Vernetzung vergab, würdigte den Schritt, in Nürtingen eine wichtige Verkehrsachse für den Autoverkehr zu sperren und in eine Flaniermeile umzuwandeln: „Der so entstandene ‚Stadtbalkon’ generiert mehr Platz für den Fußverkehr und die Begegnung auf der Straße und steigert die Aufenthaltsqualität in der Nürtinger Innenstadt. Zusätzlich wurden neue Sitzgelegenheiten aufgestellt und die Zugänglichkeit zum Neckar verbessert.“ Beeindruckt zeigten sich die Juroren auch vom schrittweisen Vorgehen in Nürtingen, wo sich das zunächst auf die Sommermonate angelegte Projekt von einem Test zu einer dauerhaften Lösung wandelte. Dem vorausgegangen waren eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger und eine Evaluation. Diese zeigte, dass die Belebung des Neckarufers von der Mehrheit positiv gesehen wird. Wie Stephan Maul vom Nürtinger Tiefbauamt erklärte, hat sich der Stadtbalkon bei der Jury gegen 13 Einreichungen durchgesetzt. Die Bewerbung erfolgte auf Initiative des Tiefbauamtes. „Wir wollten der auslobenden Jury zeigen, dass man aus einer befahrenen Straße eine Flaniermeile gestalten kann“, betonte Stephan Maul.

„Der Stadtbalkon ist unser mutigstes Projekt und Vieles ist noch im Fluss und unvollendet“, erklärt Oberbürgermeister Johannes Fridrich mit Blick auf die aktuellen Baustellen durch den Neubau und die Sanierung der angrenzenden Gebäude. Umso erfreulicher sei die überregionale Wertschätzung durch den Fußwegepreis Baden-Württemberg. Als erfreulich wertete Fridrich auch die Entwicklungen am Stadtbalkon, die „einen positiven Einfluss auf das Quartier haben“. Auch an der benachbarten Zeppelinstaffel unterhalb der Stadtkirche sei inzwischen ein schöner, neuer Aufenthaltsort entstanden. „Nürtingen als die Stadt am Fluss in der Metropolregion Stuttgart wird immer mehr von der Vision zur Realität“, erklärte der Verwaltungschef. Weitere Bausteine neben dem Stadtbalkon seien dabei der belebte Platz am Stadtmuseum, der zukünftige Biergarten am Ruderclub sowie die geplante Neugestaltung des Neckarufers mit großzügigem Spielplatz im Zuge der Bauarbeiten des Hotels am Neckar. „Wir können alle stolz sein auf unsere wunderschöne Stadt am Fluss“, sagte der Oberbürgermeister, „manchmal tut es gut, dies auch von extern durch einen Preis bestätigt zu bekommen.“

Neue Auszeichnung

2024 wurde erstmalig ein Landespreis Fußverkehr Baden-Württemberg verliehen. Damit sollen besonders innovative und nachahmenswerte Projekte für den Fußverkehr ausgezeichnet werden. Der Landespreis Fußverkehr will beitragen, diesen Projekten und Aktivitäten zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen, heißt es in der Ausschreibung .

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