Nürtinger Weihnachtszirkus Theater zwischen Zirkus und Stadt

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Weil es der Nürtinger Weihnachtszirkus mit der Plakatierung zu gut meinte, hat das Ordnungsamt nicht genehmigte Plakate abhängen lassen. Die Zirkuschefs sorgen sich zwar, dass ihr Geschäft leiden könnte, zeigen sich aber versöhnlich.

Alexandra (links) und Aaliyah Riedesel vom Circus Piccolo präsentieren die Werbung für den Nürtinger Weihnachtszirkus. Foto: Ines Rudel
Alexandra (links) und Aaliyah Riedesel vom Circus Piccolo präsentieren die Werbung für den Nürtinger Weihnachtszirkus. Foto: Ines Rudel

Nürtingen - Ich kann kein Weihnachtszirkus-Plakat mehr sehen“: Birgit Herz, die Leiterin der Straßenverkehrsbehörde im Nürtinger Ordnungsamt, ist ziemlich genervt – und das ausgerechnet in der eigentlich beschaulichen Adventszeit. Auf die Nerven geht ihr der Nürtinger Weihnachtszirkus. Dieser hat nämlich so viele Plakate für seine Vorstellungen aufgehängt, dass es dem Ordnungsamt sprichwörtlich zu bunt geworden ist. Die Behörde hat überzählige Plakate mit dem farbenfrohen, lachenden Clown mit Weihnachtsmannmütze abhängen lassen. Dafür ist viel Zeit drauf gegangen, und den Zirkusbetreibern droht jetzt eine saftige Rechnung und ein Plakatierungsverbot für das nächste Jahr.

Zirkus missachtet die Aufforderung des Ordnungsamts

Auf den Wildwuchs aufmerksam gemacht hat das Nürtinger Rathaus die Straßenmeisterei des Landkreises. Deren Mitarbeitern waren irgendwann die zahllosen Zirkusplakate ins Auge gesprungen. Bei einer Kontrollfahrt kam der Nürtinger Gemeindevollzugsdienst (GVD) dann auf mindestens 200 bis 300 Plakate im Stadtgebiet. Per Satzung sind jedoch nur 100 erlaubt. Am 14. November forderte der GVD die Zirkuschefin Monika Riedesel auf, nicht genehmigte Plakate abzuhängen. Insgesamt beanstandete der GVD 129. Ein Teil dieser Plakate hätten keine oder nicht ausreichend Plakatkleber gehabt. Diese Kleber zum Stückpreis von rund 1,50 Euro pro Woche kommen auf jedes genehmigte Plakat.

Das Rathaus gab dem Zirkus Zeit, nicht genehmigte Plakate zu entfernen und auf anderen „nachzukleben“. Doch nach knapp einer Woche sei immer noch nichts passiert, sagt Birgit Herz. Am 20. November stattete der GVD dem Zirkus auf dem Oberensinger Festplatz einen Besuch ab. Die beiden Chefs, das Ehepaar Monika und Alexander Riedesel, seien zwar nicht da gewesen, dafür aber der für die Plakatierung zuständige Sohn Jean. „Er machte meinen Kollegen gleich verbal an und meinte zusätzlich, er habe alles erledigt und abgehängt – was natürlich nicht stimmte“, gab ein GVD-Mitarbeiter hernach zu Protokoll. Dem Sohn sei dann gesagt worden, dass der GVD nun Plakate entfernen werde. Durch diese Aktion würde der Zirkus „kaputt gemacht“, soll Jean Riedesel darauf entgegnet haben.

Menschen fragten sich, ob der Zirkus abbreche

Die Nürtinger Ordnungshüter machten sich ans Werk und knipsten unerlaubte Werbung mit dem Seitenschneider ab. Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Am 21. November entfernte der GVD 30 Plakate und fuhr sie zum Bauhof. Kurze Zeit später sammelte der Zirkus sie dort wieder ein. Tags darauf wurden vom GVD 52 unerlaubte Plakate abgehängt. Am selben Tag, sagte ein Ordnungshüter, „stellten wir fest, dass sämtliche Stellen, an denen wir Plakate abgemacht hatten, wieder neu und unerlaubt plakatiert worden ist, teils mit Klebern von 2015, 2016 und 2017“. Das Katz-und-Maus-Spiel brachte bei Birgit Herz das Fass endgültig zum Überlaufen. Die Verkehrsbehördenleiterin ordnete an, alle unerlaubten Plakate rigoros zu entfernen.

Monika und Alexander Riedesel vom Circus Piccolo, die bis zum 16. Dezember nicht nur den Nürtinger, sondern vom 24. Dezember bis zum 8. Januar dann auch den Fellbacher Weihnachtszirkus veranstalten, zeigten sich am Mittwoch indessen versöhnlich. „Unser Sohn Jean hat es eben gut gemeint“, sagen sie. Zu gut, wie sie einräumen. „Das Ordnungsamt ist im Recht“, sagt Monika Riedesel, „wenn sie alles durchgehen lassen würden, wär’s ja auch doof.“ Auf der anderen Seite bittet sie um Verständnis für den Weichnachtszirkus, der jetzt schon seit 14 Jahren nach Nürtingen kommt. Dieser habe hohe Unkosten, und die Artisten müssten bezahlt werden. Werbung sei daher wichtig. Und nach dem Abhängen hätten Leute angerufen und gefragt, ob der Zirkus seine Vorführungen beende. Die Riedesels versprechen, dass im nächsten Jahr ein anderer Sohn, René, mit dem Aufhängen der Plakate betraut werde.

Das Rathaus denkt über ein Plakatierungsverbot nach

Ob es dazu kommt, ist fraglich. Das Rathaus denkt über ein einjähriges Plakatierungsverbot für den Zirkus nach. Aus Sicht der Leiterin des Amts für Stadtmarketing, Bärbel Igel-Goll, schadet der Zirkus mit dem Wildwuchs-Theater nicht nur seinem Image, sondern auch dem der Stadt.

Auf jeden Fall kämen Kosten auf die Betreiber zu. 18,5 Stunden Arbeitszeit haben die Plakate den GVD gekostet, 147 Kilometer legten die Mitarbeiter mit ihren Fahrzeugen zurück. Die fällige doppelte Gebühr bei unerlaubter Sondernutzung stehe mit 1300 Euro bereits fest. Doch das sei noch nicht alles. Der Zirkus müsste mit weiteren Kosten rechnen, sagt Birgit Herz.