Nur fünf Jahre im Landtag Scheerer (FDP): „Werde nicht die Füße hochlegen“
Die FDP fliegt aus dem Stuttgarter Landtag – und damit auch Hans Dieter Scheerer aus Weil der Stadt. Wie es nun für ihn weiter geht.
Die FDP fliegt aus dem Stuttgarter Landtag – und damit auch Hans Dieter Scheerer aus Weil der Stadt. Wie es nun für ihn weiter geht.
Am Morgen nach der Landtagswahl hört sich Hans Dieter Scheerer noch geknickter an als am Wahlabend. „Am Sonntagabend war das noch eher Schock. Jetzt wird es aber so richtig real“, sagt der 68-Jährige aus Weil der Stadt, der im Wahlkreis 6 Leonberg für die FDP kandidiert hat.
Da die Liberalen mit nur 4,4 Prozent den Wiedereinzug in den Landtag verpasst haben, ist auch Scheerer draußen. Wobei die FDP schon ein sehr gutes Ergebnis hätte einfahren müssen, damit es für ihn mit Listenplatz 15 gereicht hätte.
Doch eben mit genau diesem Gefühl seien er und seine Mitstreiter in den Wahltag gegangen. „Wir hätten eigentlich mit sechs Prozent plus x gerechnet“, sagt er am Montagmittag. Er selbst ist in seinem Wahlkreis auf 5,9 Prozent der Erststimmen gekommen. Sein bestes Ergebnis fuhr in seinem Wohnort Weil der Stadt ein (9,4 Prozent).
Die FDP erhielt im Wahlkreis Leonberg, der sich von Weissach im Norden bis Bondorf im Süden erstreckt, insgesamt 5,1 Prozent der Zweitstimmen. Die ausführlichen Ergebnisse der Landtagswahl, aufgeschlüsselt nach Kommunen, finden Sie hier.
Ende April ist für Hans Dieter Scheerer nach nur fünf Jahren im Landtag Schluss. Bis dahin stehen keine Plenarsitzungen mehr auf dem Programm, vielleicht noch eine Sitzung des Wirtschaftsausschusses. Dafür muss er nun sein Büro auflösen, Akten und Daten sichern, seinen Mitarbeitern dabei helfen, eine neue Beschäftigung zu finden.
Ab Mai wird dem 68-Jährigen dennoch nicht langweilig werden. „Ich werde die Füße nicht hochlegen“, verspricht er. „Ich werde weiter machen mit meiner Anwaltskanzlei. Und ich bin auch weiterhin im Kreistag und Gemeinderat aktiv“, sagt Scheerer, der außerdem Präsident des Deutschen Roten Kreuzes im Kreis Böblingen ist sowie Vorstand der Stiftung Unamonos, die Kindern in Peru hilft.
Und da ist natürlich auch noch seine Familie. „Ich habe in der letzten Zeit Albrecht Stickel und Peter Seimer häufiger gesehen als meine Frau“, gelingt ihm trotz gedrückter Stimmung ein Scherz. Seine Frau habe ihn am Sonntag getröstet, aber auch gesagt: „Jetzt hast du wieder mehr Zeit für dich.“
„Christoph 41 muss in Leonberg bleiben.“
Hans Dieter Scheerer, FDP-Landtagsabgeordneter, über die geplante Verlegung des Rettungshubschraubers nach Tübingen.
Neben seinen Ehrenämtern und der Kanzlei wolle er auch weiterhin unterrichten, aktuell an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). „Dort gebe ich aktuell Vorlesungen in Handelsmarketing“, berichtet der 68-Jährige. Denn bevor er sich als Rechtsanwalt in Weil der Stadt niedergelassen hatte, arbeitete er unter anderem für den Handelskonzern Metro. „Ich will es nicht missen, mich mit den jungen Menschen auseinanderzusetzen, was sie bewegt. Ihnen aber auch meine Erfahrungen weiterzugeben“, sagt Scheerer.
Und er will weiter für „seine Themen“ kämpfen. Da wäre vor allem der Verbleib des Rettungshubschraubers Christoph 41 am Krankenhaus Leonberg. „Der muss in Leonberg bleiben, davon bin ich felsenfest überzeugt“, sagt Scheerer. Die bisherigen Vertreter von Grün-Schwarz aus dem Wahlkreis Leonberg, Peter Seimer und Sabine Kurtz, hatte sich bei dem Thema eher bedeckt gehalten und waren der Linie des CDU-geführten Innenministeriums gefolgt.
Nach fast 40 Jahren Stationierung am Leonberger Krankenhaus soll der Rettungshubschrauber nach Tübingen verlegt werden, um eine Versorgungslücke am Rande der Schwäbischen Alb zu schließen. Die Versorgung der Region Leonberg soll dann der Hubschrauber übernehmen, der aktuell in Pattonville (Kreis Ludwigsburg) stationiert ist.
Auch der Erhalt eines starken Krankenhauses Leonberg liegt dem Rechtsanwalt aus Weil der Stadt am Herzen. „Das geht gar nicht, wie das Krankenhaus derzeit systematisch ausgehöhlt wird“, meint er mit Blick auf die Geburtshilfe, die nach Ablauf des März schließt. „Ein Landkreis mit 400 000 Einwohnern und dann gibt es nur noch eine Klinik, in der man sein Kind kriegen kann?“, fragt er ungläubig. Zumal diesen einen Dominoeffekt nach sich ziehe. „Sind die Leute einmal weg nach Stuttgart, Tübingen oder Pforzheim, dann kommen die nicht wieder.“
Doch so viel Engagement noch in ihm steckt, eines schließt er kategorisch aus: in fünf Jahren erneut für den Landtag zu kandidieren. „Es gibt genug junge Menschen. Die sollen sich jetzt engagieren.“