Nur in wenigen Städten Steuersenkung macht den Nahverkehr kaum billiger

Von dpa 

Mit einer niedrigeren Mehrwertsteuer will der Bund die Bürger zum Geldausgeben gegen die Krise bringen. Denn ohne Steuer wird vieles billiger. Für Bus- und Bahnfahrkarten aber gilt das nur bedingt.

Straßenbahnen in der Karlsruher Innenstadt. Von der niedrigeren Mehrwertsteuer profitieren nur weniger Kunden im Nahverkehr. Foto: picture alliance / dpa Foto: dpa
Straßenbahnen in der Karlsruher Innenstadt. Von der niedrigeren Mehrwertsteuer profitieren nur weniger Kunden im Nahverkehr. Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Trotz der Mehrsteuersenkung in diesem Sommer ist das Bus- und Bahnfahren in den meisten deutschen Städten nicht billiger geworden.

In mehreren Regionen wurden nach Branchenangaben geplante Tariferhöhungen verschoben. Mancherorts gibt es Gutschriften und Freifahrten für Stammkunden. Eine Tarifsenkung auf breiter Front ist aber nicht in Sicht.

"Wir können nicht wie der Einzelhandel von heute auf morgen die Preise umstellen, unabhängig davon, ob es weniger oder mehr wird", sagte Ingo Wortmann, der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen. Dafür seien politische Beschlüsse und behördliche Genehmigungen nötig. Dies sei zeitaufwendig. Regional habe man deshalb unterschiedliche Wege gefunden, die Steuersenkung an die Kunden weiter zu geben.

So mussten etwa Kunden in Karlsruhe, Chemnitz und Teilen des Schwarzwalds zum August anders als vorgesehen doch nicht tiefer in die Tasche greifen. Ausgesetzt sind geplante Preiserhöhungen etwa auch in Aachen und Nürnberg.

Um in der Corona-Krise den Konsum anzukurbeln, hatte der Bund die Mehrwertsteuer ab Juli für ein halbes Jahr gesenkt. Beim Kauf eines Bus- oder Bahntickets zahlen die Kunden sonst sieben Prozent Steuer, nun sind es fünf. Wer ICE oder Intercity fährt, bekommt die Fahrkarten entsprechend billiger. Im Nahverkehr ist es komplizierter.

Kritik war kürzlich laut geworden an einigen Verbünden, die keine Preise senken oder Sondertarife einführen. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar sagte bei RTL und ntv, mindestens 100 Millionen Euro würden nicht weitergegeben. Den Eindruck, dass sie die Situation zulasten der Fahrgäste ausnutzen, weisen die Verkehrsunternehmen jedoch zurück.

Sie wurden von der Krise hart getroffen: Im bundesweiten Durchschnitt sitzen nach VDV-Schätzung heute gut halb so viele Fahrgäste in Bussen und Bahnen wie vor der Seuche. Ein Ende der Flaute wird in diesem Jahr nicht mehr erwartet.

Viele Unternehmen nutzten die Steuersenkung auch, um für mehr Corona-Sicherheit zu sorgen, hieß es - etwa durch mehr Fahrten, häufigere Reinigung, Angebote zur Desinfektion, Schutzwände für die Fahrer. Auch davon profitierten die Kunden."Der Ticketpreis ist nicht unbedingt das entscheidende Kriterium, weshalb sich Menschen für oder gegen die ÖPNV-Nutzung entscheide", sagte Wortmann.

Groß wäre die Ersparnis ohnehin nicht. Bei einer 80-Euro-Monatskarte entspräche der Steuernachlass um zwei Prozentpunkte knapp 1,50 Euro, bei einem Einzelfahrschein für 2,50 weniger als fünf Cent.

Gegen eine vorübergehende Tarifsenkung um wenige Cent spricht vielerorts auch die aufwendige Umstellung unterschiedlicher Automaten und anderer Vertriebskanäle. In und um München sollen deshalb einfach Abonnenten eine Gutschrift erhalten. In Baden-Württemberg erhalten sie in den Sommerferien landesweit Freifahrten.

Regensburg macht Einzeltickets billiger, die in der App gekauft werden. Abonnenten können auf ihrem Ticket jemanden mitnehmen. In Braunschweig wird Abo-Kunden weniger abgebucht, Erwachsene können am Wochenende mit Kinderfahrkarte fahren.

Dass sich die Steuersenkung weitergeben lässt, zeigte sich indes an Rhein und Ruhr. Im einwohnerstärksten Verbund Nordrhein-Westfalens zwischen Kleve und Unna sind die meisten Fahrkarten zum August etwas günstiger geworden. Dabei wurde gerundet, auf volle fünf oder zehn Cent. In Westfalen sollen ab Oktober die Fahrkarten billiger werden - früher habe sich die Umstellung nicht bewerkstelligen lassen, hieß es.

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