Oase in Untertürkheim Ti Amo, Inselbad

Rutschen im Inselbad Foto: Bäderbetriebe Stuttgart/Inselbad
Rutschen im Inselbad Foto: Bäderbetriebe Stuttgart/Inselbad

Für unseren Autor ist ein Besuch im Inselbad Untertürkheim ein perfekter Kurzurlaub im Kessel. Auch und gerade in traurigen Corona-Sommern.

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Stuttgart - Das Inselbad heißt Inselbad weil es auf einer Insel liegt. Genauer gesagt auf einer künstlich angelegten Halbinsel zwischen Untertürkheim und Wangen. Das Insele, wie seine Fans es nennen, könnte aber auch Inselbad heißen, da es eine Insel im grauen Alltag ist.

In keinem anderen Stuttgarter Freibad habe ich dieses Gefühl der totalen Trennung von der gewöhnlichen Umgebung, das Urlaubsfeeling für einen Nachmittag. Und das, obwohl immer wieder infernalischer Lärm herüberschallt, aus den Industrieanlagen auf der gegenüberliegenden Ufer des Neckarärmchens (das übrigens urig aussieht wie ein kleiner Amazonas-Ableger). Aber diese Geräusche verstärken erst recht das Gefühl, aus dem Alltag enthoben zu sein. 

Bunter Fleck im traurigen Corona-Sommer

Ich habe das Inselbad im traurigen Corona-Sommer 2020 neu für mich entdeckt. Ich war gerade wieder aus Hamburg zurück nach Stuttgart gezogen und war seit Ewigkeiten in keinem Freibad mehr, weder in der Hansestadt noch im Kessel. Das Inselbad hatte ich aus der Kindheit vage als überfüllt und krawallig im Kopf. Doch eine Freundin hat mich zum Glück überredet. Es war natürlich eine spezielle Situation. Durch die pandemiebedingte Einlassbeschränkung war es nicht so voll wie sonst (habe ich mir von Stammgästen sagen lassen).

Da ich aufgrund der beschränkten Auftragslage als Freelancer viel Zeit hatte, kam ich oft hier her, mit Freund:innen, die ebenfalls Freiberufler oder Lehrer:innen oder sonstwie viel Zeit hatten. Leisten konnte ich es mir trotz coronabedingter Flaute, da der Eintritt mit 3,30 Euro schön niedrig ist. Das Insele ist der ehrliche Gegenentwurf zu den Mineralbädern der Stadt. Die Einrichtung der Umkleidekabinen ist zwar nicht mehr ganz taufrisch, strahlt dadurch aber Charme aus. 

Größtes und ältestes Freibad im Kessel

Ein paar Fakten gefällig? Das Inselbad ist mit fünf Schwimmbecken Stuttgarts größtes Freibad. Es gibt ein Sportbecken, ein Springerbecken mit sechs Sprungbrettern von einem bis zehn Meter Höhe, ein "Erlebnisbecken" mit zwei Rutschen, dazu je eins für Kinder und FKK-Anhänger (abgestrennt als Safe Space). Die Liegewiese ist großzügig geschnitten und reicht, sich verjüngend, bis zur Spitze der Insel. Hier, weit weg von den Schwimmbecken, findet sich auch an vollen Tagen Platz und Ruhe. Für Sportfreaks gibt es Tischtennis, ein Volleyballnetz und einen Basketballkorb.

Das Insele ist zudem das älteste Freibad der Stadt. 1924 wurde es eingeweiht, bis 1929 erweiterte es Mr. Bahnhof Paul Bonatz.

Hoffen auf 2022

Der Sommer 2021 ist für mich leider ins Wasser gefallen, nicht nur wegen des Wetters. Bei einem Fahrradunfall hatte ich mir den Arm gebrochen, an schwimmen war nicht zu denken. Jetzt, beim letzten Aufflackern des Sommers, habe ich das Insele nochmal besucht. Es war noch leerer als im Corona-Sommer, fast gespenstisch. Rutschen und Sprungtürme waren fast völlig verwaist. Es war zwar genug Platz zum Schwimmen, ein allzu leeres Freibad fühlt sich aber auch falsch an, oder?

Ich freue mich schon auf den Sommer 2022. Dann werde ich versuchen, einen neuen persönlichen Rekord an der 90-Meter-Rutsche aufzustellen... 

 

 

Das Inselbad bietet auch einen abgetrennten Save Space für Anhänger der Freikörperkultur (zu denen ich übrigens nicht zähle), mit eigenen 




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