OB-Kandidat im Porträt Werner Ressdorf will Sprechstunden im Rathaus einführen

Werner Ressdorf bei einem Videodreh auf dem Hoppenlaufriedhof. Foto: Decksmann

Schaut man auf das Wahlprogramm des OB-Einzelkandidaten Werner Ressdorf, dann stößt man dort auf Punkte, die bei seinen Konkurrenten nicht auftauchen. Und das hat einen Grund.

Lokales: Tom Hörner (hör)

Stuttgart - Bei der Frage nach seinen herausragenden Eigenschaften muss Werner Ressdorf, 66, nicht lang überlegen. „Ich kann gut auf Leute zugehen“, sagt der Mann, der als Einzelkandidat ohne den Rückhalt einer Partei bei der OB-Wahl in Stuttgart an diesem Sonntag antritt.

 

Mehr Outdoor-Tischtennisplatten

Ressdorfs Begegnungen mit den Menschen finden hin und wieder sogar ihren Niederschlag in seinem OB-Wahlprogramm. Auf einem Flyer, den der Kandidat gern Passanten in die Hand drückt, steht Weiß auf Blau über dem Konterfei des Bewerbers: „Mit den Bürgern, für die Bürger“. Auf der Rückseite geht der in Brasilien geborene Kandidat ins Detail, dort erfährt man etwa, dass er als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt mehr Outdoor-Tischtennisplatten aufstellen lassen würde – und das, obwohl Ressdorf selbst den Sport gar nicht betreibt. Den Tipp, sagt er, habe er von zwei jungen Männern erhalten, denen er im Stuttgarter Süden begegnet sei, als er dabei war, die 250 Unterstützerunterschriften zu sammeln, die er für seine Kandidatur brauchte.

Für ein Videointerview haben wir uns auf dem Hoppenlaufriedhof verabredet. Der gelernte Industriekaufmann mag die parkähnliche Anlage, seit er nebenan die Technische Oberschule besuchte. Am liebsten aber hätte er sich mit uns im Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses getroffen, weil er dort sein politisches Aha-Erlebnis hatte – bei der von Heiner Geißler geleiteten S-21-Schlichtung. „Der Mann war unglaublich“, sagt Ressdorf, der fast alle Sitzungen live im Saal verfolgte. „Gegen den kam keiner an.“ Damals beschloss Werner Ressdorf, selbst in die Politik einzusteigen. Zur Bundestagswahl 2013 trat er im Wahlkreis Stuttgart I gegen politische Prominenz wie Ute Vogt (SPD), Cem Özdemir (Grüne) und Stefan Kaufmann (CDU) an. Der Wahlslogan des Kandidaten, der kaum Wahlplakate und keine Chance hatte, war so einfach wie treffend: „MdB: Ich mach’s!“ Erhört wurde er nicht.

Tempel der Demokratie aus griechischem Marmor

Sollte der Außenseiter Ressdorf wider Erwarten ins Rathaus einziehen, würde sich dort der Publikumszustrom dramatisch erhöhen. „Ich würde jeden Morgen eine Sprechstunde für die Bürger abhalten. Deren Input und Kreativität sollte man nicht unterschätzen.“ Ressdorf eigener Kreativität ist ein anderer Plan entsprungen: Als OB will er auf dem Birkenkopf einen „Tempel der Demokratie aus griechischem Marmor“ errichten lassen. Wobei, beim Material wäre er kompromissbereit. Zur Not gingen auch Holz oder Beton.

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