OB-Kandidaten der CDU Schlammschlacht befürchtet

Von Jörg Nauke 

In den Bezirksgruppen halten sich die Anhänger von Renner und Turner die Waage. Auf der Zielgeraden werden wohl die Auftritte der beiden entscheidend sein.

Die CDU in Stuttgart nominiert am Samstag ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart. Foto: Steinert 2 Bilder
Die CDU in Stuttgart nominiert am Samstag ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart. Foto: Steinert

Stuttgart - Nach vier Vorstellungsrunden und Besuchen bei den CDU-Bezirksgruppen entscheidet die Parteibasis am Samstag, wer für die Kreispartei in den OB-Wahlkampf zieht. Ob es Andreas Renner sein wird oder Sebastian Turner, kann bei der CDU niemand vorhersagen. Die Bezirksgruppenvorsitzenden sprechen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen, das auf der Zielgeraden entschieden werde. Eine Einschätzung fällt auch deshalb schwer, weil nach der Abkehr vom Delegiertensystem in der Partei niemand weiß, welche Mitglieder überhaupt zur Wahl gehen. Was alle eint, ist die Sorge vor einer Schlammschlacht der Unterstützergruppen mit der Folge, dass die Partei gespalten bliebe und sich eine Sündenbockdebatte über den Kreischef Stefan Kaufmann anschließen könnte.

„Aggressive Vorgehen“ von Turners Unterstützerkreis

Dass erstmals mehr als die erwarteten 700 bis 800 Mitglieder statt der bisher etwa 300 Delegierten die Personalentscheidung treffen, ist auch das Verdienst des Cannstatter „Fürsten“ Roland Schmid. „So gesehen haben wir unser Ziel bereits erreicht“, sagt er. Der Vorstand und er selbst würden für den Parteifreund Renner stimmen; wie es die übrigen etwa 50 Cannstatter hielten, vermöge er nicht zu sagen. Schmid glaubt, am Samstag gewinne der bessere Redner. Dass Renner die Geldstrafe wegen des zu Unrecht verwendeten Mastertitels schade, glaubt er eigentlich nicht. Viel mehr stört ihn das „aggressive Vorgehen“ von Turners Unterstützerkreis bei den Vorstellungsrunden. Dass das städtische Rechtsamt beauftragt worden sei, sich mit einer Stellungnahme zum Titelmissbrauch in den Streit einzumischen, empfindet er gar als skandalös.

Beide Kandidaten „zufriedenstellend geantwortet“

„Sachlich und fair, es gab keine Demontage.“ So beschreibt der Botnanger Bezirksgruppenchef Juergen R. Spingler eine von ihm moderierte Veranstaltung mit den Bewerbern. Beide hätten „zufriedenstellend geantwortet“. Renner sei trotz seiner Probleme „gut drauf gewesen“; er sei der grö­ßere Pragmatiker. Turner gebe mehr den Bürger; er habe kühne Visionen wie die ­Zwischennutzung des Stammheimer Ge­fäng­nisses vor einem Abriss als Studentenwohnheim. Spingler sagt, es sei auch Mitgliedern aufgefallen, dass sich das Turner-Lager „deutlicher und lautstärker“ bemerk­bar mache. „Warten Sie erst mal bis Samstag“, habe einer gesagt. Spingler fürchtet, dass manche nicht über den 17. März hinausschauten. „Es ist nur die erste Hürde“, warnt auch Hansjörg Peters von der Bezirksgruppe Plieningen-Birkach. Die CDU sei im Wahlkampf „gegen das Grünen-Schwergewicht Fritz Kuhn“ auf die Mitglieder beider Lager angewiesen. Eine Prognose wagt er nicht. Turner setze auf den gesunden Menschenverstand, Renner punkte mit seiner politischen Erfahrung.

CDU-Pressesprecher für Renner

„Die Reden werden entscheidend sein“, sagt Matthias Mitsch aus Untertürkheim. Die Titel-Affäre „macht es für Renner nicht einfacher“, so der Bezirksgruppenchef; zumal die Turner-Seite ihren Bewerber besser inszeniere. Mitsch bevorzugt aber den Bewerber „mit großer Führungserfahrung im öffentlichen Dienst“: „Renner ist der bessere OB-Kandidat.“ Das würde Hendrik Warda sofort unterschreiben. Der CDU-Pressesprecher und Sillenbucher Bezirksvorsitzende unterstützt Renner aktiv im Wahlkampf. Die Parteifreunde vor Ort habe er aber nicht zu überzeugen versucht, so Warda. Es gibt im Stadtbezirk schließlich auch Gegenströmungen: Sein Vorgänger, der Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann, hat Sebastian Turner empfohlen.

Das freut Karl-Christian Hausmann von der Gruppe im Osten. Er zählte zu den ersten Unterzeichnern auf der Turner-Unterstützerliste, obwohl ihn danach Andreas Renner „mit seiner großen Kompetenz positiv überrascht“ habe. Der Berliner Unternehmer Turner sei aber für ihn „das interessantere Angebot“. Es habe eben Charme, einen Nichtpolitiker mit vielfältiger Lebenserfahrung gegen einen Politprofi wie Kuhn ins Rennen zu schicken.