OB-Kandidaten stellen sich vor Weber und Till bei Applaus gleichauf

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Ein Schreiben des Baubürgermeisters an den Regierungspräsidenten überschattet die Kandidatenvorstellung für die Göppinger OB-Wahl. Derweil macht der Grüne Weber Boden gut.

  Foto: Horst Rudel
  Foto: Horst Rudel

Göppingen - Knapp 1000 Göppinger haben die Chance genutzt, sich bei der offiziellen Vorstellungsrunde der Stadt ein Bild der sieben Bewerber für die Oberbürgermeisterwahl am 14. Oktober zu machen. Sie erlebten einen Abend, bei dem es um kommunalpolitische Erfolge, aber auch um die umstrittene Amtsführung des jetzigen Rathauschefs ging.

Guido Till Für den OB, der von CDU, FDP und Bürgerallianz unterstützt wird, war es ein „komisches Gefühl“, nach acht Jahren wieder an derselben Stelle zu stehen und um weiteres Vertrauen zu werben. Nicht immer sei das Amt einfach gewesen. Doch man müsse sagen, was man wolle. „Zunächst erntet man eine Welle der Empörung, dann muss man überzeugen“, beschrieb er seine Vorgehensweise. Den Schwerpunkt seiner Arbeit habe er auf die Sicherung der Arbeitsplätze gelegt. Als Beispiel nannte der 57-Jährige die Umsiedlung der Firma Kleemann und die Ansiedlung des Rieger-Zentrallagers. Nur so könne die Stadt die Mittel erwirtschaften, um die gute Infrastruktur in Kultur, Sport, Schulen und Sozialbereich zu erhalten und auszubauen. Applaus: 17 Sekunden.

Hartmut Hering Der 60-jährige Theologe und Radkurier möchte bei einem Sieg im Rathaus wohnen. Dann sei er Tag und Nacht verfügbar und ein „Oberbürgerdiener zum Anfassen“, versprach er. Den OB-Dienstwagen nehme er, Till könne dann sein altes Fahrrad haben. Applaus: 9 Sekunden.

Stefan Sünwoldt Der 51-jährige Ex-Bürgermeister von Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein) ist SPD-Mitglied und wünscht sich in Göppingen einen Neustart. In Kaltenkirchen sei er nach sechs Jahren wegen unüberbrückbarer Differenzen zu den Stadtverordneten abgewählt worden. „Das ist ein Makel, aber ich habe auch vieles richtig gemacht.“ So habe er mit Amtskollegen ein gemeinsames Forum für die Wirtschaftsförderung gegründet und sich für die Integration ausländischer Jugendlicher eingesetzt. Sünwoldt ist mit einer Afghanin verheiratet. Applaus: 10 Sekunden.

Christian Stähle „Viele sind gespannt, was der böse Linken-Stadtrat wieder vom Stapel lässt“, begann der 53-Jährige, um sich dann als eingeborenen Göppinger vorzustellen, der in der Jugend bei Frisch Auf gespielt habe. Er sehe sich als soziales Gewissen, sagte der Theologe und Schultherapeut. Er verteidigte seine Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Till und verlas einen Brief des Baubürgermeisters Olav Brinker, der dessen fortdauerndes Zerwürfnis mit dem OB dokumentiert. Die vom Regierungspräsidium verordnete Mediation sei nach eineinhalb Tagen abgebrochen worden, heißt es darin. Applaus: 9 Sekunden.

Christoph Weber Der Grünen-Fraktionschef entwarf die Vision einer Stadt des Miteinanders. Göppingen brauche eine Führungspersönlichkeit mit wertschätzender Haltung für die Mitarbeiter, aber auch für Bürger und Ehrenamtliche. „Ich weiß, wie eine Stadt sensibel entwickelt werden kann“, sagte der Chemiker, der beim Regierungspräsidium arbeitet. Man müsse nicht alles plattmachen. Er wende sich gegen jede Form von Extremismus, „und zwar nicht erst im Wahlkampf“, so der 52-Jährige. Er wünsche sich einen Citybus für alle Stadtteile und ein Stadtfest, das wieder ein Fest der Stadt sei. Applaus: 17 Sekunden.

Joachim Hülscher Als Göppinger Ex-Baubürgermeister könne er sofort durchstarten, sagte der Stadt- und Regionalrat der Freien Wähler. Er wolle einen fairen und offenen Umgang. „Es muss Schluss sein mit den Reibereien im Rathaus. Sie kosten Geld und Zeit.“ Auch gegenüber Ehrenamtlichen forderte der 60-Jährige eine andere Umgangskultur. Investoren müssten klare Vorgaben gemacht werden, dann sei auch die Erhaltung des Apostelhotels möglich. Applaus: 10 Sekunden.

Holger Weiß Die Stadtpolitik bedürfe eines Korrektivs aus der Bevölkerung, sagte der ehemalige Geschäftsführer der Baufirma Leonhard Weiß. Für die Konsolidierung des Haushalts forderte der 59-Jährige ein extern begleitetes Verfahren. Dies hat der Gemeinderat aber auf Vorschlag Tills schon beschlossen. Applaus: 11 Sekunden.