OB-Kandidatur Will er’s wissen? Und will die CDU?

Von und Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Wolfgang Schuster will am Montag erklären, ob er sich noch mal für das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart aufstellen lässt.

Wolfgang Schuster übergibt ein Feuerwehrauto. Foto: factum/Weise
Wolfgang Schuster übergibt ein Feuerwehrauto. Foto: factum/Weise

Stuttgart - Es werden noch Wetten angenommen: Tritt er noch mal an oder hört er auf? Die Frage, ob Oberbürgermeister Wolfgang Schuster für eine dritte Amtsperiode kandidiert, was er am Montag erklären wird, erzeugt Spannung im politischen Stuttgart. Die Aussicht auf eine erneute Kandidatur Schusters löst bei vielen in seiner Partei eher verhaltene Reaktionen aus. Manche hoffen auf ein neues Gesicht und halten mit Kritik nicht hinterm Berg, aber Schuster hat in den Ortsverbänden auch überzeugte Anhänger. Wenn es nach seiner Familie geht, dann nimmt der OB von einer weiteren Kandidatur Abstand: seine Frau und seine Kinder fürchten, die Strapazen einer weiteren Amtszeit könnten seine Gesundheit gefährden. Fest steht einstweilen aber nur: wenn Wolfgang Schuster es noch mal wissen will, wird er der offizielle Kandidat der CDU bei der OB-Wahl im Herbst.

„Schuster macht bestimmt weiter“, sagt einer von der Bürgermeisterbank. Auf der zweifele kaum jemand, dass der Oberbürgermeister noch einmal antreten werde. Schusters neu erwachte Lust auf seine politische Mission macht man im Rathaus an seinen neuerdings häufigeren Auftritten in der Öffentlichkeit fest. Er habe Mitte Dezember der Feuerwehr ein neues Spezialfahrzeug übergeben und im i-Punkt öffentlichkeitswirksam dem 333-millionsten VVS-Fahrgast einen Reisegutschein überreicht. „Der ist doch schon längst im Wahlkampf“, vermutet einer.

Bei Schuster wisse man, wofür er stehe

Dabei scheint unter den Bürgermeistern vor allem der Wunsch nach einem Weiter-so der Vater des Gedankens zu sein. „Jeder hat seine Freiheiten, der OB plagt keinen“, heißt es freimütig. Ein neuer Oberbürgermeister bedeute neben einem Politikwechsel meistens auch einen abrupten Stimmungswandel. Bei Schuster wisse man, für was er stehe. „Und meistens kommt nichts Besseres nach.“

In seiner Partei plagt manche dagegen die Sorge, dass es Schuster beim dritten Mal nicht wieder schaffen könnte. „Es wird für ihn noch schwieriger als beim letzten Mal, die Wahl zu gewinnen“, sagt jemand aus dem Führungskreis der Union überaus skeptisch. Man erinnert sich noch gut an die Zitterpartie vor acht Jahren, vor Schusters Wiederwahl.

Äußerungen sind sehr verhalten

Auch wenn man aus den Spitzengremien der Partei keine offene Kritik hört, dafür Lob für Schusters Verdienste um die Stadt: die Äußerungen über eine mögliche weitere Kandidatur sind sehr verhalten. Auch der OB wisse, dass ein erneuter Wahlkampf „bitter“ für ihn werden könne. „Er wird ausgepfiffen werden“, sagt jemand. Das wisse Schuster, und er werde sich sicher auch fragen, „ob er sich das noch mal antun soll“. Mag sein, dass der Oberbürgermeister selbst eine neue Zuversicht gewinnt aus dem Ergebnis der Stuttgart-21-Volksabstimmung, viele in seiner Partei tun dies nicht. Es ist keine Einzelmeinung, wenn einer sagt: „Jetzt könnte er erhobenen Hauptes aus dem Amt gehen“, ohne Risiko, die Wahl im Herbst womöglich zu verlieren.

Kritiker des Oberbürgermeister unter den Vorsitzenden der 25 Ortsverbände werden deutlicher. Die Zahl der Gegner von Stuttgart 21 sei nach wie vor groß, Schusters Person „verknüpft mit dem Projekt“, sagt einer. „Ein Brückenbauer ist er noch nie gewesen.“ Aber nicht nur Stuttgart 21 und die Folgen führen Kritiker gegen den OB ins Feld, es ist auch sein Profil, sein Auftreten, seine lange Amtszeit. „Schuster ist ein furchtbar spröder Technokrat“, findet einer, der eine Art „Kohl-Effekt“ fürchtet. „Sein Gesicht ist verbraucht.“ Er glaubt, dass es bei einer erneuten Kandidatur Schusters in der Partei schwierig werde, die Reihen zu schließen.

Große Mehrheit steht hinter OB

Das sieht der Vorsitzende eines anderen großen CDU-Ortsverbandes ganz anders. Wenn sich Schuster dem für den 17. März angesetzten mitgliederoffenen Parteitag der Stuttgarter CDU stelle, bei dem der OB-Kandidat der Union erstmals auf diese Weise nominiert werden soll, „dann wird er aus dieser Abstimmung gestärkt hervorgehen“, sagt er. Der Ortsverbandsvorsitzende ist überzeugt, dass die große Mehrheit der Verbände hinter dem Oberbürgermeister steht. Aus den gleichen Gründen, die auch Schusters Wiederwahl aussichtsreich machten: „Er hat die Stadt mit seiner Politik weit nach vorne gebracht.“ Und Schuster stehe für Beständigkeit und Klarheit, was in diesen wechselvollen Zeiten ein Wert an sich sei.

Dass der Oberbürgermeister ein nicht eben begabter Rhetoriker sei, müsse man eben hinnehmen. „Es kann nicht jeder ein begnadeter Entertainer sein wie der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner“, sagt der Parteifunktionär. „Zuletzt zählen Taten und Ergebnisse.“ Zumal er weit und breit für die Union keine Alternative zu Schuster sehe, der oder die das Format und das Zeug für den OB-Posten in Stuttgart habe, außer dem früheren Kreisvorsitzenden Christoph Palmer, der sich aber leider aus der Politik zurückgezogen habe.

Vor dem kommenden Montag lässt sich also nicht viel mit einer gewissen Sicherheit sagen. Eines vielleicht: wenn Wolfgang Schuster noch einmal antreten will bei der OB-Wahl, dann wird er der offizielle Kandidat der CDU Stuttgart. Die Findungskommission, die dem Vernehmen nach Gespräche mit einer Handvoll möglicher Kandidaten geführt hat, wird ihre Aktivitäten dann einstellen. Dass die Schuster-Kritiker bei dem Parteitag im März einen Gegenkandidaten aufbieten werden, ist eher unwahrscheinlich. Welcher ernst zu nehmende Aspirant würde sich dem aussetzen? Manche werden dann zwar „maulen und murren“, schätzen Beobachter. Mit einem richtigen Krach sei aber „mangels durchschlagender Alternativen“ nicht zu rechnen.

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