OB Klopfer verlässt Schorndorf Ein Abschied mit Wehmut

Wehmütig wird Matthias Klopfer, wenn er an den Abschied von seinen Mitarbeitern, den vertrauten Menschen in der Stadt denkt. Foto: Gottfried Stoppel

Noch wenige Tage ist Matthias Klopfer Oberbürgermeister von Schorndorf, dann tritt er sein Amt in Esslingen an. Im Rückblick berichtet er von seinem größten Erfolg.

Schorndorf - In der Ecke steht ein riesiger Papiercontainer, die Regale im Büro sind sichtlich kahler geworden. Das große Aufräumen im Rathaus hat begonnen: Am Freitag wird Matthias Klopfer (SPD) nach 15 Jahren als Schorndorfer Oberbürgermeister offiziell verabschiedet. Schon am Dienstag startet er als neuer Oberbürgermeister von Esslingen: „Um 7. 30 Uhr werde ich im alten Kommandowagen der Feuerwehr von Schorndorf nach Esslingen hinübergefahren“, erzählt er.

 

Die letzte Arbeitswoche, „sie ist noch Alltag mit harten Themen“, sagt der 53-Jährige mit Blick auf seinen Kalender: Gespräche über die Zukunft des Karlsstifts, Mittagessen mit Schorndorfer Unternehmern, Besuch bei der Obdachlosen-Unterkunft der Erlacher Höhe, Jahresgespräche mit Mitarbeitern, eine Aufsichtsratssitzung der Gasnetzgesellschaft – so sah allein der Montag aus. Und trotzdem macht sich natürlich bei vielen Terminen Abschiedsstimmung breit.

Rührende Momente auf der Arbeitgeberversammlung

Wehmut verspürt Matthias Klopfer bei ganz verschiedenen Gelegenheiten: beim Blick vom Büro auf den trubeligen Wochenmarkt, aber auch beim Gespräch mit Unternehmern, „bei denen ich genau weiß, was sie ausmacht“. Besonders hart sei aber die Arbeitgeberversammlung der Stadtverwaltung gewesen. „Da habe ich viel positive Rückmeldung bekommen. Ich selbst konnte nur kurz reden, mir ist dann einfach die Stimme weggeblieben“, erzählt Klopfer, der in der Rückschau immer wieder auf das besondere Team im Rathaus, auf die hohe Qualität der Führungskräfte, auf das große wechselseitige Vertrauen, auf die gute Personalentwicklung in der Verwaltung zurückkommt: „Das wird bleiben.“

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Und was wird nach 15 Jahren Matthias Klopfer noch bleiben? Ein großes Thema sei bei seinem Amtsantritt die Kinderbetreuung gewesen, „da hatten wir bei den großen Kreisstädten im Land die rote Laterne“, erinnert sich Klopfer. Schnell seien erst einmal in einigen bestehenden Einrichtungen Ganztagsgruppen aufgebaut worden, dann ging es ans Bauen neuer Kitas. Die Kindergartenfamilie, sie hat in den vergangenen Jahren stetig Zuwachs bekommen.

Der größte Erfolg ist der Erhalt des Klinikstandorts Schorndorf

„Und wir haben den Sanierungsstau abgebaut“, sagt Matthias Klopfer. Die Rathäuser sind modernisiert, im Bereich der Schulen und Kindertagesstätten hat sich vieles getan, „auch wenn wir da immer noch einiges vor der Brust haben“. Die Baumaßnahmen im Max-Planck-Gymnasium oder auch die Sanierung der Fuchshofschule werden sich durch die 2020er Jahre ziehen. Ein neues Buskonzept, ausgebaute Straßen nach Welzheim und Schlichten, ein städtisches Wohnbauunternehmen mit einem verdoppelten Bestand an Wohnungen – Matthias Klopfer fällt so einiges ein, was erreicht wurde.

Als seinen größten Erfolg stuft er aber den Erhalt des Klinikstandorts ein. „Da hatten wir einen harten Konflikt mit dem Landkreis“, erinnert er sich. Dass das Krankenhaus Schorndorf jetzt sogar um einen neuen Funktionsbau erweitert wird, die Planungsmittel bewilligt sind und der Standort als Schwerpunktversorger klassifiziert wird, das freut Matthias Klopfer umso mehr.

Unerledigt bleiben die Themen Stadtbücherei und Bahnhofsumfeld

Einen Knopf hätte er während seiner Amtszeit gerne noch an den Umzug der Stadtbücherei an den Archivplatz, an den Neubau gemacht. Über den Baubeschluss soll der Gemeinderat nun aber erst im Frühjahr entscheiden. Und auch das Bahnhofsumfeld ist nicht so, wie es sich Matthias Klopfer wünschen würde. „Das ist kein geeignetes Entree für eine große Kreisstadt“, sagt er mit Blick auf Dönerbude und Fast-Food-Filiale. Offene Themen gebe es zudem auch bei den Stadtwerken, der Ausbau einer Infrastruktur für die E-Mobilität sei nicht so weit gediehen wie einmal angepeilt, und ganz grundsätzlich müsse das Unternehmen wieder stabiler werden: „Das wird ein anstrengender Weg.“

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Doch im Großen und Ganzen, da ist der Rathauschef zufrieden mit dem, was in den vergangenen Jahren geleistet wurde: „Ich bin mit mir im Reinen“, sagt er. Was er gerne mit vom Remstal ins Neckartal nehmen würde? Zum einen die Landschaft, das Naherholungsgebiet direkt vor der Tür – und die grüne Infrastruktur, die im Zuge der Remstal-Gartenschau ausgebaut werden konnte. Aber noch etwas anderes wurde im Zuge des Grünevents gefestigt: „Die interkommunale Zusammenarbeit, der Zusammenhalt im Remstal ist etwas ganz Besonders“, sagt Matthias Klopfer und berichtet von ganz anderen Konstellationen im Neckartal. „Aber ich möchte meine Kollegen einladen und auf Augenhöhe kennenlernen“, erzählt er.

Kennenlernen möchte er auch die Esslinger – ob sich ähnliche persönliche Beziehungen wie im viel kleineren Schorndorf aufbauen lassen, da ist sich Matthias Klopfer aber nicht sicher. „Kleine Dinge, wie das kurze Gespräch am Obststand, vertraute Fixpunkte, die werden fehlen.“

Passionierter Skifahrer und leidenschaftlicher Kommunalpolitiker

Persönliches
Matthias Klopfer ist 1968 in Stuttgart geboren. Der passionierte Rad- und Skifahrer ist verheiratet und großer VfB-Fan – er kandidierte 2019 für das Amt des Präsidenten, zog seine Bewerbung aber wieder zurück. Bei einem Skiausflug nach Ischgl infizierte er sich im März 2020 mit dem Coronavirus, er gehörte zu den ersten Fällen im Kreis.

Berufliches
Der Sport- und Politikwissenschaftler war von 2001 an parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Landtag. 2006 wurde er das erste Mal zum Oberbürgermeister von Schorndorf gewählt, 2016 mit 76 Prozent wiedergewählt. Im zweiten Wahlgang wurde Matthias Klopfer am 25. Juli zum OB von Esslingen gewählt. Mit seinem Wechsel ins Neckartal scheidet er aus dem Kreistag aus, dem er seit 2014 angehörte. Klopfer ist zudem Vorsitzender der Sportregion Stuttgart.

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