„Die schlechte Luft in Stuttgart geht nicht nur die Stadt, sondern alle etwas an“, sagt OB Kuhn am Mittwoch in einem Dialog mit Arbeitgebern aus der Landeshauptstadt über das Thema nachhaltiges betriebliches Mobilitätsmanagement. Durch Firmenkonzepte mit weniger konventionellem Verkehr soll die Stadtluft in Zukunft besser werden.

Stuttgart - Die Stadt hat am Mittwoch im Rathaus mit Arbeitgebern aus der Landeshauptstadt einen Dialog über nachhaltiges betriebliches Mobilitätsmanagement begonnen. Die knapp 50 Stuttgarter Unternehmen, die teilnahmen, beschäftigen nach Angaben der Stadt rund 100 000 Mitarbeiter. „Wir haben regelmäßige Treffen vereinbart“, sagte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne). Die Fortsetzung dürfe aber „nicht aus Absichtskonferenzen bestehen, in das Thema muss Zug rein“, betonte er bei einem Pressegespräch nach der fast dreistündigen Veranstaltung. Dort hatte er auch seinen Aktionsplan für eine nachhaltige Mobilität in der Stadt vorgestellt. Dieser enthält neun Handlungsfelder mit konkreten Arbeitspaketen, darunter den Wirtschafts- und Nahverkehr.

Das nächste Treffen in Sachen Mobilität soll im Frühjahr stattfinden. Und in zwei Jahren könnte nach den Plänen des OB ein Mobilitätskongress ein vernetztes und stadtverträgliches Verkehrskonzept vorstellen. Bis dahin hofft er, „dass es in jedem größeren Betrieb in der Stadt einen Mobilitätsbeauftragten gibt“.

Bei der Konferenz im Großen Saal des Rathauses ging es unter anderem um die Frage, was Firmen tun können, um mehr Mitarbeiter zum Umstieg auf Bus und Bahn zu bewegen, so Kuhn. Der OB hatte zuvor betont, dass es in Stuttgart zu viel Stau, Stress, Lärm und Schadstoffe gebe. „Die Stuttgarter Luft geht alle an“, sagte Kuhn. Es könne nicht sein, dass sich allein die Stadt um die Verbesserung der Luft kümmern müsse. Deshalb seien alle Firmen aufgefordert, sich um umweltgerechte betriebliche Mobilitätskonzepte mit weniger Autoverkehr zu kümmern.

Unternehmensberatung präsentiert Beispiele aus der Praxis

Dazu präsentierte eine auf dieses Thema spezialisierte Unternehmensberatung konkrete Beispiele aus der Praxis. Außerdem erläuterte VVS-Geschäftsführer Horst Stammler die verbesserten Bedingungen für das neue Jobticket. Wenn ein Unternehmen seinen Beschäftigten einen Zuschuss von mindestens zehn Euro für das VVS-Ticket zahlt, dann gewährt der Verbund zehn Prozent Rabatt. Dabei will die Stadt mit einem Zuschuss in Höhe von knapp 30 Euro für jeden Beschäftigten mit gutem Beispiel vorangehen.

Das Thema Mobilität ist laut Kuhn in den Betrieben angekommen, die interne Diskussion habe begonnen. Viele Arbeitgeber, die noch keine Daten über die Verkehrsnutzung ihrer Beschäftigten erhoben hätten, wollten dies rasch nachholen. „Das möchten wir mit einem standardisierten Fragebogen unterstützen“, erklärte der OB. Es gibt aber nach seinen Angaben auch viele Betriebe, die wissen, dass die meisten ihrer Beschäftigten bereits Bus und Bahn nehmen. Zu den Unternehmen mit einem großen Nahverkehrsanteil zählen laut VVS Breuninger und Karstadt mit 81 und 75 Prozent der Belegschaft. Auch Mitarbeiter der Evangelische Landeskirche (75 Prozent) und die EnBW (61 Prozent) seien häufig mit Bus und Bahn unterwegs.

Fuhrparks durch Car Sharing abbauen

Für den Oberbürgermeister sind es oft lediglich Kleinigkeiten, die Beschäftigte daran hindern, das Auto in der Garage zu lassen. „Wenn es im Betrieb keine Dusche gibt, dann fährt halt keiner mit dem Fahrrad zur Arbeit“, so Kuhn. In der Diskussion mit den Unternehmen sei es auch um andere Fragestellungen gegangen. So werde eine Arbeitsgruppe Handel sich mit der Frage beschäftigen, wie Waren der Kundschaft rasch nach Hause gebracht werden könnten. Hier bestehe ein großes Interesse des Handels, der die Internetkonkurrenz im Nacken spüre. Überlegt wird auch, ob Fuhrparks durch Car Sharing abgebaut werden können.

Bei der Mobilitätskonferenz haben die Firmenvertreter zugleich deutlich gemacht, dass die Unpünktlichkeit der S-Bahn ihrer Ansicht nach ein zentrales Verkehrsproblem ist. „Die Bahn muss zuverlässiger werden, sonst gibt es Probleme mit dem neuen Jobticket“, stimmte Fritz Kuhn der Kritik zu.

Lob für die Initiative gab es von der Industrie und Handelskammer Region Stuttgart: „Das war eine gute Auftaktveranstaltung“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Richter. „Der Oberbürgermeister hat deutlich gemacht, dass er Mobilitätsziele hat, die deckungsgleich mit der Wirtschaft sind.“ Nun gelte es, die angesprochenen Themen in Arbeitsgruppen zu schärfen.