Bei der Verleihung eines queeren Preises werden Erinnerungen wach: Was Richard Arnold, OB von Schwäbisch Gmünd, mit Frl. Wommy Wonder einst beim Gay Day mit Marianne Rosenberg erlebte.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Der Preis heißt Rosa Detlef und ist eine ironische Anspielung an vergangene Zeiten. Früher galt der Name Detlef als abwertender Begriff für Männer, die wahrnehmbar schwul lebten. Der Preis dreht diese Beleidigung also ins Positive: Wer den Rosa Detlef bekommt, wird dafür geehrt, sich mutig, sichtbar und engagiert für queere Rechte einzusetzen – genau das, wofür „Detlef“ früher verspottet wurde. In diesem Sinne ist der Name ironisch, selbstbewusst und politisch zugleich: aus Spott wird Anerkennung, aus einem Schimpfwort wird ein Symbol für Stolz und Haltung.

 

Richard Arnold: Mutiger Einsatz für queere Rechte gewürdigt

In der Kategorie Einzelperson geht der Preis in diesem Jahr an Richard Arnold, den OB von Schwäbisch Gmünd. Ausgelobt wird der Preis von Metropolitan Community Church, der Gemeinde Salz der Erde. „Er hat sich um die Rechte queerer Menschen schon lange verdient gemacht“, betont der Esslinger OB Matthias Klopfer in seiner Laudatio. „Und zwar nicht durch Sonntagsreden, sondern ganz konkret: durch sein Leben und sein Handeln als offen schwuler Mann.“

OB Rainer Arnold (rechts) erhält im Theater Rampe den Preis Rosa Detlef. Foto: MCC

„Raus aus der Unsichtbarkeit, rein ins Normale“ – Arnolds Appell

Arnold greift diesen Gedanken in seiner Dankesrede auf: „Wir müssen raus aus der Unsichtbarkeit und rein ins Normale“, erklärt er. In der Jury sitzt Michael Panzer alias Frl. Wommy Wonder, was Erinnerungen weckt. 1991, beim ersten „Gay-Day“ im Perkins Park mit Marianne Rosenberg, hat er den heutigen OB und Rosa-Detlef-Gewinner Richard Arnold kennengelernt.

Panzer, ein junger Theologiestudent aus Tübingen, stand mit Perücke als einzige Kostümierte etwas unsicher in der Disco. „Mein Gott, war ich naiv!“, erinnert er sich heute. Dann sprach ihn ein „umwerfend gut aussehender Hüne“ an, lud ihn zu einem Drink ein – es war Richard Arnold. „Ich dachte, jetzt beginnt für mich das Leben!“, erinnert sich Wommy. Doch dann sei es mal wieder anders gekommen. „An der Bar stellte er mir seinen Freund vor.“

Richard Arnold war aus Brüssel zurückgekehrt

Ein Foto aus jener Zeit dokumentiert die Begegnung: Arnold steht neben Wommy, beide noch jung, voller Energie und Lebenslust. Arnold, frisch aus Brüssel zurück, hatte seine Karriere am Centre for European Policy Studies begonnen, lebte offen schwul in Stuttgart und war Stammgast im Jenseitz, dem ältesten Schwulencafé der Stadt, sowie im Kings Club. Die WG am Hölderlinplatz mit der markanten Freiheitsstatue vor dem Haus, erinnerte sich Arnold später, habe symbolisiert, wie sehr er die Freiheit zu leben, wie man ist, schon damals praktiziert habe.

Über die Jahre blieb der Kontakt bestehen. Arnold und Wommy trafen sich regelmäßig – nach Auftritten, bei Freunden, im Alltag. Panzer bewundert bis heute, wie Arnold in einer konservativen Stadt als homosexueller Politiker so beliebt wurde, dass man ihm sogar eine noch größere politische Karriere zutraute, die er jedoch bewusst nicht verfolgte. Das Angebot seiner Partei, in Stuttgart OB-Kandidat zu werden, lehnte er damals ab und machte den Weg frei für Frank Nopper.

RussQueer: Freundschaften über Frontlinien hinweg

Der Rosa-Detlef-Preis in der Kategorie Gruppe ging an RussQueer. „Auf einmal wurden Menschen in ihrem eigenen Land illegal“, beschreibt Laudator Axel Schwaigert das Los von Menschen aus Russland. In der Stuttgarter Weißenburg treffen sie sich nun mit anderen russischsprachigen Menschen bei RussQueer. „Es entstanden Freundschaften über Frontlinien hinweg“, so skizziert der Pfarrer Schwaigert die Arbeit dieser Gruppe.