OB-Wahl Böblingen Andrang an den Urnen auf der Diezenhalde

In der Erich Kästner Schule in Böblingen sind gleich vier Wahllokale untergebracht. Foto: Eibner-Pressefoto/Max Vogel

Rund 450 Wahlhelfer sind bei der Böblinger Oberbürgermeister-Wahl am Sonntag im Einsatz. Wie läuft die Wahl im Stadtteil Diezenhalde ab, in der Streitthemen die Bürger beschäftigen?

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Wer wird der neue Oberbürgermeister von Böblingen, der Amtsinhaber Stefan Belz oder einer seiner fünf Herausforderer? Die Wähler, die das entscheiden werden, gehen an diesem Sonntagmorgen in kleinen Grüppchen durch die Eingangstür der Erich Kästner Grundschule auf der Diezenhalde. Es ist einiges los dort, obwohl es neblig und kalt ist und man sich ein bisschen überwinden muss, vor die Tür zu gehen.

 

Der Wahlhelfer Daniel Cramer nimmt die Bürger an der Tür in Empfang und weist ihnen den Weg in die vier verschiedenen Wahlräume. Im Wahlraum 041-37 ist seine Frau Xenia am Start zusammen mit Christine Hiller und Julia Hudalla, vier von 450 Menschen, die dafür sorgen, dass die Wahl funktioniert.

Sie lassen sich die Wahlbenachrichtigung zeigen, sie prüfen, ob der Wähler im Wählerverzeichnis eingetragen ist, zeigen ihm die Wahlkabine und wenn alles stimmt, dann erst nimmt Xenia Cramer das Din-A4-Blatt von der Wahlurne und der Wähler kann den Umschlag mit dem Stimmzettel einwerfen.

Es könnte einen zweiten Wahlgang geben

„Behalten Sie Ihre Wahlbenachrichtigung!“, sagt sie freundlich zu jedem. Denn es könnte ja einen zweiten Wahlgang geben, wenn einer der sechs Kandidaten an diesem Sonntag nicht mehr als 50 Prozent aller Stimmen erhält.

Mehr, als nur die Stimmabgabe überwachen

Doch die Wahlhelfer müssen mehr tun, als die Stimmabgabe zu überwachen. Sie müssen zuweilen Ehepaare bitten, die Stimmzettel getrennt abzugeben, sie müssen prüfen, ob ein Wähler, der seine Wahlunterlagen hat zuhause liegen lassen, wirklich ins Wählerverzeichnis eingetragen ist, und hin und wieder kommt es vor, dass jemand ins Wahllokal will, obwohl er schon in der Briefwahl abgestimmt hat.

„Bitte nicht mehr als drei Personen in den Raum“, sagt Daniel Cramer gerade, denn um die Mittagszeit nimmt der Betrieb in der Schule zu. Um 12 Uhr liegt die Wahlbeteiligung im Raum bei etwa zehn Prozent. Das heißt, 100 der etwa 1000 Wähler im Bezirk waren bereits in Raum 041-37. Genau 36 400 Wahlberechtigte gibt es in Böblingen, die in 42 Wahllokalen ihre Stimme abgeben können. Diese Stimmen werden von 18 Uhr an öffentlich ausgezählt und von den 25 Mitarbeitern des Kernteams im Rathaus erfasst und publiziert.

Lieber nach Herrenberg

Jeder Stadtteil hat seine Themen. Eine Familie ist mit dem ÖPNV auf der Diezenhalde nicht zufrieden, vor allem, wenn die Busse den Anschluss an die S-Bahn nicht schaffen. „Am Bahnhof kann man sich schlecht aufhalten“, sagt die Frau, weil es keinen Warteraum gebe. Ihrem Mann fehlt die Ausgehszene in Böblingen. Er hat Kontakt zur Bürgerinitiative Künstlerviertel und hofft, dass die Gegend am Plattenbühl wieder mehr belebt wird. Die beiden Töchter bestätigen, dass sie lieber in Stuttgart oder in Herrenberg ausgehen, mit der geschlossenen Altstadt und dem schönen Marktplatz.

Jessica Markusch ist mit ihrer vierjährigen Tochter Olivia zur Wahl gegangen. Für sie ist die Diezenhalde das schönste Wohngebiet in Böblingen, sie bedauert aber, dass die Ärzte aus der Nähe ihrer Wohnung weg ins neue Ärztehaus ziehen werden und die Apotheke gleicht mit. „Wir hatten gehofft, dass sich ein zusätzlicher Arzt niederlassen würde, sagt sie, und berichtet von den großen Schwierigkeiten, die Bürger der Diezenhalde hätten, einen Hausarzt zu finden.

Das Netz ist zu schlecht für die Technik

Steffen Dold mag die Diezenhalde ebenso, ihn stört es aber, dass hier zu viele Campingfahrzeuge parken würden. Auch hat er mit dem Internet-Probleme. Er besitzt eine Fotovoltaik-Anlage und für diese Anlage gibt es einen Smart-Meter, der die Strommenge zählt. Nur hat das Messgerät regelmäßig kein Netz, weswegen sein Stromanbieter davon ausgeht, es sei kaputt. Jetzt will er sich wieder einen analogen Zähler einbauen lassen. Stefan Dold findet es „skurril“, dass derselbe Stromanbieter jetzt seinem Nachbarn einen solchen Smart-Meter liefern will. Für ihn ist die Windkraft ein Thema, aber es stört ihn nicht, wenn nahe der Diezenhalde Windräder stehen würden, denn „der Strom muss irgendwie erzeugt werden.“

Sturm laufen gegen Preiserhöhung

Frank Kaufmes sieht das Thema Fernwärme als wichtigen Punkt für die Bürger der Diezenhalde, erklärt er nach der Stimmabgabe. Der Böblinger ist froh darüber, dass die Interessengemeinschaft Fernwärme erfolgreich Sturm gelaufen ist, als die Stadtwerke die Preise erhöhen wollten.

Alle diese Aussagen zeigen, dass die Bürger eine große Spannweite von Ansprüchen an die Stadtgesellschaft haben, und wer immer an diesem Abend der neue Oberbürgermeister von Böblingen sein wird, der muss versuchen, ihnen allen gerecht zu werden.

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