OB-Wahl Böblingen Kandidatenvorstellung zieht Böblinger an – Bei welchen Themen alle einig sind

Volles Haus und großes Interesse in der Kongresshalle Foto: Stefanie Schlecht

Vor 1300 Zuschauern stellen sich die sechs Kandidaten zur Böblinger OB-Wahl vor. Es geht um Windkraft, die Belebung der Innenstadt und den Verkehr.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Ein umstrittener Windpark, eine zu belebende Innenstadt und das Dauerthema Verkehr – die Böblinger bewegen viele Themen. Die offizielle Vorstellung der OB-Kandidaten Oberbürgermeister Stefan Belz, Fridi Miller, Aleksandar Blazevski, Stefan Thien, Lucas Guimaraes de Macedo und Werner Schneider am Montagabend in der Kongresshalle war ein Magnet. Rund 1300 Menschen kamen, um Fragen zu stellen und sich einen persönlichen Eindruck vom Bewerberfeld zu machen.

 

Im interaktiven Teil des Abends, der Fragerunde, griffen drei Bürger das Thema des einst geplanten interkommunalen Windparks zwischen Böblingen, Ehningen und Holzgerlingen auf. 2025 beschloss die Regionalversammlung, dass auf dem Gebiet („BB14“) südlich des Waldfriedhofs zwischen Bebauung und Windrad 1200 Meter Abstand bestehen müssen. Da keine Wirtschaftlichkeit mehr gegeben war, erklärten die Stadtwerke das Projekt für beendet. Damit ist es unwahrscheinlich, dass dort je Windräder stehen werden.

Foto: Stefanie Schlecht

Thema Windkraft: Unterschiedliche Standpunkte

Die Kandidaten nahmen unterschiedliche Standpunkte zur Windkraft ein. Die deutlichste Position vertrat Stefan Thien, ehemaliger Bankberater und Werteunion-Mitglied. In seinen von Applaus bedachten Ausführungen warnte der ehemalige AfD-Funktionär: „Lassen Sie sich nicht blenden. Nur weil die Stadtwerke ausgestiegen sind, heißt das nichts. Es besteht weiter die Gefahr, dass woanders Geld investiert wird. Wir haben hier noch immer ein Vorranggebiet.“ Thien fordert die Einrichtung eines Naturschutzgebietes.

Die übrigen Kandidaten nehmen die Entscheidung mit dem voraussichtlichen Ende von Windrädern an jenem Ort zur Kenntnis. OB Stefan Belz (Grüne) bekräftigte, sich für den Ausbau von Fernwärme und Solarenergie einzusetzen. Fridi Miller (parteilos) setzt ebenfalls auf Photovoltaik. Genauso Lucas Guimaraes de Macedo (Volt). Aleksandar Blazevski (parteilos) hält Windräder in der Region aufgrund der Windarmut für nicht zielführend. Werner Schneider würde als OB die Stadtwerke beauftragen, eine Studie zu Standorten von Windrädern zu machen.

Fraglich scheint die Aussage Thiens, die Stadt lasse Bäume fällen, unter anderem aktuell auf der Diezenhalde, um wirtschaftlichen Profit aus dem Verkauf von Holz zu ziehen. Darunter seien auch Eichen, die teils erst nach 40 bis 60 Jahren Eicheln trügen. Die Stadt ordnet Thiens Behauptung so ein: „Bäume, die gefällt werden, werden vorher vom Förster ausgewählt. Diese können krank sein. Es sind auch mal jüngere, die älteren Bäumen schaden. Dass wahllos gefällt wird, um Geld zu machen, ist falsch.“ Es sei ein „normaler Vorgang“, dass gefällte Bäume als Brennholz verkauft werden.

Thema Innenstadt: Leerstände in der Bahnhofstraße

In den zweieinhalb Stunden Kandidatenvorstellung wurden aber andere, oft diskutierte Böblinger Themen angesprochen. Wie aus der Fragerunde deutlich wurde, wünschen sich viele Bürger eine Wiederbelebung der Innenstadt. Besonders störe laut eines Bürgers das Antlitz der Bahnhofstraße. Diese sei von Leerständen geprägt. Alle Kandidaten plädieren für eine Aufwertung des Bereichs in der Unterstadt, durch mehr Geschäfte, mehr Feste, mehr Begegnungsorte.

Stefan Belz widersprach Annahmen, die Stadt verhalte sich zu passiv bei der Ausgestaltung der Bahnhofstraße: „Die Gebäude sind meist in privater Hand. Wir sind ständig in Gesprächen mit Eignern, was ihre Pläne für die Flächen sind. Das ist auch Aufgabe des Stadtmarketings. Es obliegt aber den Eigentümern, was sie aus Flächen machen.“

Thema Bahnhof: Unsicherheitsgefühl am Bahnhof

Auch der Böblinger Bahnhof war Gegenstand der Debatten. Die Frage „Was macht die Stadt gegen das Unsicherheitsgefühl vieler Menschen am Bahnhof?“ sehen alle OB-Bewerber als relevant an. Dabei sind sich die Kandidaten einig, dass die Bereiche auszuleuchten und sauberer zu halten wären. Bis auf Guimaraes de Macedo befürworten alle eine sichtbarere Polizeipräsenz. Genauso verhält es sich mit Videokameras. Zum aktuellen Stand erklärte OB Belz: „Wir tauschen uns regelmäßig mit Polizei, Deutscher Bahn und Streetworkern aus und wir betreiben Präventionsprojekte mit Jugendlichen.“ Statistiken der Polizei weisen den Bahnhof nicht speziell als Kriminalitätshotspot aus.

Thema Verkehr: Radweg in der Kritik

Ebenfalls ein Böblinger Dauerthema ist der Verkehr. Hier wurde sowohl aus dem Publikum als auch von Seiten der Kandidaten vor allem der Radweg in der Calwer Straße kritisiert. Auch dass Stau und Parkmöglichkeiten Alltag seien und Menschen deshalb zum Einkaufen eher in die Nachbarstadt zögen, würde vielfach bemängelt. Die Lösungen reichen von „Brezeltarifen“ über einen besseren ÖPNV, bessere Radwege und günstige Tiefgaragenpreise, um wieder mehr Menschen in die Innenstadt zu locken.

OB-Wahl Böblingen

Wahl
 Am Sonntag, 25. Januar, wird in Böblingen wieder ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Der amtierende OB heißt Stefan Belz (Grüne) und ist seit 2018 Stadtoberhaupt.

Kandidatenliste
 Neben Amtsinhaber Stefan Belz treten auch Fridi Miller, Aleksandar Blazevski, Stefan Thien, Lucas Guimaraes de Macedo und Werner Schneider an.

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