OB-Wahl Böblingen Kita-Frust und Brücken-Ärger – So lief die Kandidatenvorstellung in Dagersheim

Sechs Bewerber wollen auf den OB-Sessel. Foto: Eibner-Pressefoto/Naman Kala

Bei der OB-Kandidatenvorstellung in Dagersheim prallen unterschiedliche Meinungen aufeinander. Welche Pläne die sechs Kandidaten verfolgen.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Wird Dagersheim in den nächsten acht Jahren als gleichwertiger Stadtteil Böblingens behandelt oder eher als Nachsatz mitgemeint? Diese Frage hatten am Dienstagabend in der Festhalle in Dagersheim sicherlich viele der Anwesenden im Kopf. Die zweite offizielle Kandidatenvorstellung für die Oberbürgermeisterwahl am Sonntag, 25. Januar, zog entsprechend viele Menschen an.

 

Amtsinhaber Stefan Belz (Grüne), Fridi Miller (parteilos), Aleksandar Blazevski (parteilos), Stefan Thien (Werteunion), Lucas Guimaraes de Macedo (Volt) und Werner Schneider (parteilos) stellten sich erneut gemeinsam den Fragen der Öffentlichkeit. Dass nicht alle der Kandidatinnen und Kandidaten Dagersheim automatisch auf dem Zettel hatten, zeigte sich an dem Abend immer wieder. In drei Fragerunden konnten die Besucher insgesamt neun Fragen stellen, die von allen Kandidaten beantwortet werden mussten. Hohe Energiepreise, Funklöcher auf der Diezenhalde, aber auch die Themen mögliche Windenergie im Stadtwald und Jugendförderung wurden behandelt. Original Dagersheimer Themen wie die abgerissenen Schwippe-Brücken, das marode Rappenbaum-Hallenbad sowie die Betreuungssituation in den vier Kitas waren den Anwesenden wichtig.

Rappenbaumbad-Hallenbad

 „Möchten Sie wirklich, dass unser Hallenbad am Leben bleibt?“, fragte Irina Röllig, die Abteilungsleiterin Schwimmen beim TSV Dagersheim. Seit Jahren macht das Hallenbad, das sich Sindelfingen und Böblingen sowie ihre Teilorte Darmsheim und Dagersheim teilen, Negativschlagzeilen. Das Becken und seine Technik sind mittlerweile so marode, dass der beliebte Schwippe-Pokal seit 2019 nicht mehr stattgefunden hat.

Applaus bekamen die Kandidaten oft gerade für ausgefallenere Ideen. Foto: Eibner-Pressefoto/Naman Kala

Die Kandidaten hatten durchaus unterschiedliche Meinungen. Werner Schneider schlug vor, auf dem Rappenbaumgelände mehr Sportinfrastruktur zu schaffen. Er brachte eine Art „Trainingsakademie“ ins Spiel, „von der alle im Umkreis profitieren“ würden. Für Lucas Guimaraes de Macedo stand fest, dass Hallenbäder immer ein Verlustgeschäft seien. „Ich möchte mich bei allen Gemeinde- und Ortschaftsräten bedanken, die immer dafür gestimmt haben“, sagte er. „Ich möchte das Hallenbad gerne behalten, aber der Wille prallt manchmal mit der Realität aufeinander.“ Anders äußerten sich die anderen vier Kandidaten. Stefan Thien bezeichnete das Hallenbad als „extrem wichtig“. „Wenn wir das 20 Jahre finanziert haben, dann können wir das jetzt auch weiter finanzieren“, sagte er. Ähnlich Aleksandar Blazevski, der sich klar für das Schwimmbad aussprach. „Man hätte es renovieren können“, sagte er über die vor einiger Zeit verfallene Förderung. Fridi Miller schlug vor, die Bürger an den Kosten für den Betrieb des Hallenbads zu beteiligen. Für ein Babyschwimmangebot schwebt ihr ein mobiles Schwimmbad vor. Amtsinhaber Stefan Belz erklärte, dass er mit seinem Sindelfinger Amtskollegen Markus Kleemann (CDU) im Gespräch sei. „Im Moment sieht es nach Neubau statt Sanierung aus“, sagte er. Er wolle aber schon jetzt eine neue Filteranlage in dem bestehenden Hallenbad einbauen, die man später in einen Neubau mitnehmen könne.

Kita-Situation

 Plätze für die Betreuung von Kleinkindern fehlen in ganz Böblingen. Auch in Dagersheim mit seinen vier Kindertagesstätten kommt es immer wieder zu Kürzungen der Öffnungszeiten, Eltern sehen sich gezwungen, ihr Kind in die Kita einzuklagen. Jeder Personalausfall bringt das System ins Wanken.

Zu Beginn hatte jeder Kandidat zehn Minuten Zeit, sich vorzustellen. Foto: Eibner-Pressefoto/Naman Kala

„Wie wollen Sie dafür sorgen, dass es wieder neue Kitaplätze gibt?“, fragte Matthias Stäbler, der selbst zwei Kinder hat. „Das mit den Kitaplätzen ist ganz einfach: wir haben eine gesetzliche Verpflichtung. Wir müssen dafür sorgen, dass wir dem nachkommen“, sagte Werner Schneider. Einen Plan, wie das erreicht werden soll, lieferte er nicht mit. Aleksandar Blazevski sagte, man müsse prüfen, an welche Kita man anbauen könne. Lucas Guimaraes de Macedo gestand der aktuellen Verwaltung zu, es werde mit der Kita-Offensive schon etwas dafür getan, dass alle Kinder einen Kitaplatz bekämen. „Das Problem ist, dass die Erzieher fehlen“, sagte er. Man müsse die privaten Träger, beispielsweise Kirchen, mit ins Boot holen und zusammenarbeiten, um den Mangel zu lindern. Dass es in Böblingen aktuell nur Kitas in städtischer Trägerschaft gibt, fügte Stefan Belz in seiner Einlassung hinzu. Er wolle 480 neue Kitaplätze schaffen. Dafür werde beispielsweise die Kita Goethestraße in Dagersheim erweitert. Zur Gewinnung von Personal laufe das BB-Kita-Plus-Programm, das aber erst in zwei bis drei Jahren erste Ergebnisse liefern werde. Stefan Thien sah das Problem ebenfalls bei den fehlenden Erzieherinnen und Erziehern. „Es wird schon was getan, aber ich werde Ihnen hier keine Versprechungen machen“, sagte er. Fridi Miller kündigte ein Großelternprojekt an. Sie wolle außerdem Ungelernte und Ehrenamtliche in Kindergärten arbeiten lassen. „Privatisierung ist eine gute Idee, aber teuer“, sagte sie.

Die Schwippe-Brücken

 Vier Fußgängerbrücken haben bis zum vergangenen Jahr die beiden Ortsteile Dagersheims zu beiden Seiten der Schwippe miteinander verbunden. Im vergangenen Jahr sind sie aufgrund ihres maroden Zustands alle abgerissen worden. Drei davon sollen perspektivisch ersetzt werden, nur die am Bezirksamt nicht. Derzeit sind an den drei Stellen Provisorien aus Aluminium aufgebaut. Benjamin Schreiber aus Dagersheim bekam für seine Frage viel Applaus, wie es mit den Brücken weitergehen soll. Für einige der Kandidaten war die Antwortrunde eine willkommene Gelegenheit, die Stadt für angebliche Prestigeprojekte wie das Stockbrünnele-Schulzentrum und die Schlossberggrabungen zu kritisieren. Besonders Werner Schneider, Fridi Miller und Stefan Thien nutzten diese.

Thien sagte, das Geld für die neuen Brücken sei da gewesen, man habe es nur im Schlossberg versenkt. Aleksandar Blazevski fand, wenn etwas schon so lange in der Bürgerschaft Thema sei, müsse es schnell angegangen werden. Fridi Miller schlug vor, frisch berentete Handwerker die Brücken neu bauen zu lassen. „Die sind sicher bereit zu helfen, wenn die Stadt kein Geld mehr hat“, sagte sie. In eine ähnliche Kerbe schlug auch Werner Schneider. „Wir müssen kreativ werden“, sagte er. Für einen Handwerksbetrieb sei die Möglichkeit, die Brücken zu erneuern, ein willkommenes Aushängeschild für ihre Firma – und für die Stadt Böblingen ebenso. Lucas Guimaraes de Macedo relativierte, die Stadt könne den Auftrag nicht einfach eigenmächtig vergeben, was auch Stefan Belz bekräftigte. De Macedo sagte: „Wenn Ihnen eine Sache wichtig ist, können Sie auch der Stadt schreiben, Sie können jeden Tag schreiben, Sie können sie zuspammen.“ Belz erklärte, der Neubau der Brücken solle in diesem Jahr ausgeschrieben werden, man habe auch Fördermittel beantragt. „Vielleicht können wir sogar noch dieses Jahr starten“, so Belz.

OB-Wahl Böblingen

Wahl
Am Sonntag, 25. Januar, wird in Böblingen wieder ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Der amtierende OB heißt Stefan Belz (Grüne) und ist seit 2018 Stadtoberhaupt.

Kandidaten
Neben Amtsinhaber Stefan Belz treten auch Fridi Miller, Aleksandar Blazevski, Stefan Thien, Lucas Guimaraes de Macedo und Werner Schneider an.

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